Kultur

Auch wenn keine Vorstellungen sind – im Theater ist hinter den Kulissen immer etwas zu tun. (Foto: Münchner Residenztheater, Judith Buss)

29.07.2026

Auch im Sommer ist immer was los: Das Theater macht keine Pause

Was passiert, wenn im Sommer der letzte Vorhang fällt? Wir haben uns bei ein paar Häusern in Bayern umgehört

Wenn der letzte Vorhang fällt, geht es hinter den Kulissen und auf den Bühnen oft erst so richtig los. Doch statt Schauspielern haben andere in den Theatern den großen Auftritt. Dann starten Elektriker, Schreiner, viele Monteure und Handwerker, um alles das, was nicht mehr einwandfrei funktioniert, für den kommenden Spielbetrieb fit zu machen. Es wird saniert, renoviert, ausgetauscht und repariert was das Zeug hält. Meist sind das Arbeiten, die sich bei laufendem Proben- und Vorstellungsbetrieb nicht durchführen lassen.

Münchner Residenztheater

So greift das Staatliche Bauamt München 1 etwa für das Residenztheater und dessen Sanierungsmaßnahmen tief in die Tasche. Abteilungsleiterin Carina Steidele erklärt auf BSZ-Anfrage, dass in den letzten drei Jahren zur Sicherheit und zur Sicherstellung des Spielbetriebs des renommierten Hauses unverzichtbare Brand- und Gewässerschutzmaßnahmen als Vorabmaßnahme vor der vorgesehenen Gesamtsanierung umgesetzt wurden – mit einem Kostenrahmen von 5 Millionen Euro.

In enger Abstimmung mit Firmen, Planern, dem Bayerischen Staatsschauspiel und dem Staatlichen Bauamt würden gemeinsam Lösungen gefunden, um die erforderliche Technik möglichst unsichtbar im Bestandsgebäude zu integrieren. Pressesprecherin Ingrid Trobitz ergänzt, dass nun im Sommer die neue Sprachalarmierungsanlage fertiggestellt wird, die der Evakuierung des Gebäudes im Brandfall dient. Allein dafür müssten für die Verknüpfung der neuen Technik rund 20.000 Meter Kabel verlegt werden, um die etwa 550 im Haus verteilten Alarmierungslautsprecher anzubinden.

Zudem finden alljährlich während der Theaterferien die TÜV-Abnahmen statt sowie aufwendige Reinigungsmaßnahmen im gesamten Gebäude. Als weitere Sanierungsdetails bis zur geplanten Rundumsanierung des Staatstheaters wurden in den letzten Jahren in der Ferienzeit auch schon der Einbau von Rauchschürzen an den vier Garderoben im Foyer zur Verbesserung des Brandschutzes, die Nachrüstung von selbst schließenden Obentürschließern an den Türen des Zuschauerraumes zur Einhaltung von Brandschutzvorgaben, die Sanierung von Brandschutztüren in Flucht- und Rettungswegen sowie eine Abdichtung der Bodenplatte unter der Drehbühne zur Einhaltung des Wasserhaushaltsgesetzes durchgeführt.

Und wenn auch nicht öffentlich zugänglich, wird es nun auch zur kommenden Theatersaison bei der legendären „Resi-Kantine“ Veränderungen geben. Der neue Pächter, Gastronom und ehemalige Münchner Ernährungsbeirat Vincent Fricke will nicht nur optisch ein wenig verändern, sondern ab September Darstellerinnen und Darsteller sowie sonstige Beschäftigte mit einem neuen nachhaltigen Konzept bewirten.

Stadttheater Ingolstadt

Das Stadttheater Ingolstadt hingegen beendete schon Ende Mai seine Spielzeit – sieht man einmal von Freilichtaufführungen ab. Hier gibt es heuer wegen der Generalsanierung für Intendant Oliver Brunner und sein 29-köpfiges Ensemble, das auch in der spiellosen Zeit fest angestellt ist, große technische, organisatorische und logistische Veränderungen. Da das gesamte „Haus“ zum September ins Theater am Glacis wechselt, ist an Pause nicht zu denken, erklären die Bühnenmeister Jamil El-Jolani und Werner Zeitlmair: „Viele Anlagen aus dem Großen Haus werden ausgebaut, geprüft und im Theater am Glacis wieder installiert. Das ist ein großer logistischer Kraftakt.“ Die neue Spielstätte bringe andere räumliche Voraussetzungen mit sich. Deshalb müssten viele technische Abläufe neu gedacht und gleichzeitig der gewohnte Qualitätsstandard so gut wie möglich gesichert werden.

Sogar für die Theaterkasse ist der Umzug mit erheblichem Aufwand verbunden. Da der neue Spielort über eine andere Saalstruktur verfügt, müssen sämtliche Abonnements neu geplant und die bisherigen Plätze möglichst gleichwertig übertragen werden. Das alles diene einem reibungslosen Auftakt in die neue Theatersaison.

Comödie Fürth

Die Macher der Comödie Fürth, dem größten deutschen Privattheater von Martin Rassau und Volker Heißmann, erledigen in der veranstaltungsfreien Zeit bis 17. September nötige kleinere „Auffrischungen“. Zudem wird eine neue Belüftungsanlage mit zwei Wärmepumpen eingebracht, die mit einer Klimaanlage erweitert werden soll – eine Maßnahme, die künftig nicht nur Gästen, sondern auch den Darstellerinnen und Darstellern zugutekommt. Kein Unterfangen, das mal eben „leicht über die Bühne geht“, denn hier ist man in ständiger enger, konstruktiver Abstimmung mit dem Denkmalschutz. Die Veränderungen an dem ehrwürdigen wie schmuckvollen Jugendstilgebäude von 1906 müssen, erklärt Martin Rassau, schließlich auch diese behördlichen Auflagen erfüllen. Die Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Fürth ist dabei für den Bauunterhalt zuständig.

Studiobühne Bayreuth

Nur drei Wochen Sommerpause macht die Studiobühne Bayreuth, vom 24. August bis 13. September – und da sich da alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wirklich im Urlaub befinden, wird ausnahmsweise nichts repariert. Diese seit 46 Jahren existierende semiprofessionelle Struktur des Theaters hat sowieso ihre Besonderheit. Denn, so heißt es aus Bayreuth: Die Sommerpause ist deshalb so kurz, weil im Juni, Juli und August auf drei historischen Freilichtbühnen Vorstellungen stattfinden werden.

Als Verein organisiert, sind bei der Studiobühne insgesamt 220 Mitglieder aktiv, davon in der laufenden Saison 70 bis 80 ehrenamtlich auf und hinter der Bühne. Professionell sind Fachkräfte in den Bereichen Künstlerische Leitung, Geschäftsführung, Dramaturgie, Öffentlichkeitsarbeit, Organisation, Werkstätten, Licht- und Tontechnik, Schneiderei und Haustechnik fest angestellt, werden dementsprechend laufend bezahlt. Sie kümmern sich um alle anfallenden Arbeiten im Spielbetrieb vor Ort, damit die zehn bis zwölf Eigenproduktionen bei 200 Aufführungen im Jahr reibungslos funktionieren.

Turmtheater Regensburg

Das Turmtheater Regensburg macht traditionell eine geteilte Sommerpause. Bis zum 29. Juli fand kein Spielbetrieb statt. Aber in dieser Zeit wurde auf der Probenbühne die Sommerkomödie erarbeitet, während auf der Hauptbühne Reparatur-, Revisions- und Reinigungsarbeiten stattfanden. Allerdings – oder zum Glück – in diesem Jahr ohne größeren Umbau.

Gleichzeitig, so Bühnen- und Kostümbildner Philipp Kiefer, wurde durchgeatmet, aufgeräumt und neue Energie gesammelt. Die Künstlerinnen und Künstler sind freiberuflich tätig und haben Werk- oder Stückverträge. Festangestellte aus Technik, Administration und Gastro werden auch im Urlaub durchbezahlt. Am 30. Juli öffnen die Oberpfälzer erneut, starten mit der Premiere Achtsam morden. Komplett geschlossen ist das Regensburger Haus dann erst vom 21. August bis – wie viele bayerische Bühnen – Mitte September. (Marie-Julie Hlawica)
 

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