Kultur

Beeindruckendes Wandererlebnis: Lennart Pagels Fotografie „Über dem Nebelmeer“, aufgenommen in Wegelnburg (Pfälzer Wald)“. (Foto: GNM)

01.03.2019

Auf Schusters Rappen

Eine Ausstellung im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg über das Wandern als Freizeitvergnügen

Wandern ist keine Erfindung neuzeitlicher Tourismusorganisationen, obwohl es aktuell zu den beliebtesten Outdoor-Beschäftigungen der Deutschen gehört. Mit seiner Ausstellung Wanderland geht das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg auf Spurensuche durch die rund 200 Jahre andauernde moderne Erfolgsgeschichte dieser Freizeitbeschäftigung. Allerdings, und das macht den Anspruch dieser Werkschau auch deutlich, belässt sie es nicht bei einer Lobhudelei, sondern blättert auch düstere Kapitel auf.

Für die einen ist Wandern mit Naturerlebnis und Lustgewinn verbunden, für andere eine lästige Betätigung. Hier denkt man schnell an so manchen ungeliebten Schulwandertag, den auch eine Karikatur humorvoll ins Bild setzt. Mit der abwechslungsreich gestalteten Auswahl an Themen und den rund 400 Exponaten wendet sich Wanderland gleichermaßen an Wanderfreaks und Wanderverweigerer.
Gleichzeitig spart die Ausstellung Erinnerungen an die Zeit des Nationalsozialismus, in der Wandervereine sowie das Wandern selbst ideologisch missbraucht wurden, nicht aus. „Juden sind im deutschen Wald nicht erwünscht“, heißt es zum Beispiel auf einem Verbotsschild.

Die Länge macht’s

Wandern und Spazierengehen haben eigentlich nur eines gemeinsam: das Laufen. Während letzteres eine kurze Zeitspanne des Umhergehens umfasst, stellt das Wandern eine zielgerichtete, länger als eine Stunde dauernde Freizeitaktivität dar, in der Regel mit einem Ziel und entsprechender Planung sowie Ausrüstung verbunden. Wanderstab, Hut, Rucksack, Wanderkarten sowie ordentliches Schuhwerk gehören normalerweise zu den üblichen Utensilien. Auch hier hat die Ausstellung einiges zu bieten, etwa eine Sammlung an Wanderstäben inklusive zahlreicher Stocknägel. Diese kleinen Plaketten, eine Art Wanderabzeichen, wurden mit Nägeln am hölzernen Wanderstab befestigt.

Laufen ist die ursprünglichste Fortbewegungsart der Menschheit. Menschen waren schon immer zu Fuß unterwegs, etwa als Nomaden oder Berufsgruppen, die gewerbsmäßig umherzogen. Allerdings wurde das Wandern erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts zur Freizeitgestaltung genutzt. Mit der Industrialisierung und den beschleunigten Arbeitsabläufen brachte das Wandern in der freien Natur Erholung und Ruhe. „Wandern ist eine Tätigkeit der Beine und ein Zustand der Seele“, formulierte es Josef Hofmiller 1931.

Die zunehmende Bedeutung entfernter Wanderziele und damit die Entstehung von eigenen Wanderregionen ist unter anderem auch auf die Nutzung des Automobils, worauf auch die Vielfalt unterschiedlicher Wander-Parkplatzschilder hinweist, sowie auf die Ausweitung des Bahnnetzes zurückzuführen, was die Betreiber geschickt mit speziellen Angeboten verbanden, etwa einer ermäßigten „Sonntags-Rückfahrkarte“.

Neben vielen sachlichen Hinweisen zur Historie des Wanderns widmet sich die Ausstellung ebenso der Bedeutung des Wanderns in bildlicher Kunst, Musik und Malerei. So empfängt am Eingang ein Figurenquartett die Besucher, das sinnbildlich das Leben selbst als Wanderschaft verstehen lässt. Singen und Musizieren gehört ebenso zum Wandern, etwa in Form von Wanderliedern oder transportablen Instrumenten.

Nach und nach führt die Ausstellung durch die Geschichte des Wanderns, weckt die Neugier und lädt zum Verweilen, etwa an einer Riechstation oder einer Wanderlieder-Hörstation, ein. Eine vergnügliche Kuriositätensammlung für große und kleine Besucher, für die auch Schmuddelwetter keine Ausrede zum Daheimbleiben bietet. (Elke Walter)

Information: Bis 28. April. Germanisches Nationalmuseum, Kartäusergasse 1, 90402 Nürnberg. Di. bis So. 10-18 Uhr, Mi. bis 21 Uhr.

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