Kultur

Ausschnitt aus Tom Schulhausers „Das Jüngste Gericht“, das von Michelangelos Weltgerichtsdarstellung inspiriert ist. (Foto: Kohl)

13.07.2018

Aus dem Netz befreit

Ausstellung im Weytterturm Straubing: Tom Schulhausers Kunst mit digitalen Fotos

Das Internet hat die Menschen enthemmt. Was früher hinter verschlossenen Türen passierte, wird gedankenlos ins Netz gestellt. Der diesjährige Preisträger des Kulturpreises der Dr. Franz und Astrid Ritter-Stiftung, der Maler Tom Schulhauser aus Landshut, macht diese Fakten zum Kernthema seiner Arbeit. Das Internet ist seine unendliche Fundgrube auf der Suche nach Motiven, die er den Unmengen öffentlich zugänglichen digitalen Fotomaterials entnimmt. Dieses Fass ohne Boden liefert ihm Bilder von Menschen, die er aus der virtuellen Anonymität löst, in neue Zusammenhänge stellt und so zurückführt in die analoge Welt, aus der sie kamen. Im gemalten Bild gewinnen sie verblüffende Präsenz und werden, obwohl nach wie vor anonym, wieder zu Personen.
Die Figuren aus dem Internet werden aus ihrer Umgebung herausgelöst und vor unterschiedlich farbiger, steril-monochromer Fläche freigestellt. Mit wenigen spontanen, schnellen Pinselstrichen erweckt Schulhauser die Figur auf der Leinwand zum Leben und lässt den Assoziationen freies Spiel. Der Übergang von Zurschaustellung zur Süffisanz ist fließend.
Die Ausstellung ist über die vier Etagen des Weytterturms hinweg schlüssig strukturiert. Zentrales Werk ist Das Jüngste Gericht, das als Adaptation von Michelangelos Weltgerichtsdarstellung in der Sixtinischen Kapelle zu verstehen ist. 96 Einzelbilder bilden ein Tableau von knapp zehn mal zehn Metern. Die vom Künstler gewählte Form des Clusters – entsprechend Bildersuchmaschine im Internet – erlaubt variable Kombinationen nach Farben und Themen.

Petrus in Badehose

Im Kern bleibt die Anlehnung an Michelangelos Altarwand erkennbar. Die Engel mit ihren Blasinstrumenten wurden zur Musikkapelle, Bartholomäus trägt Schwimmflossen und lässt statt seiner eigenen Haut ein Handtuch zu Boden hängen, Petrus zeigt sich in Badehose mit Leopardenoptik. Ob sich das Paar im knallroten Gummiboot treiben lässt, auf der Flucht ist oder untergeht, ist ungewiss. Im Gegensatz zu den stürzenden Figuren bei Michelangelo haben die Verdammten hier eine Chance, wieder aufsteigen zu können.
Ohne eine zündende Idee wie der des Jüngsten Gerichts fehlt den Bildern allerdings ein wenig der Biss, wenn man ihre Herkunft nicht kennt. (Ines Kohl)

Information: Bis 5. August. Galerie im Weytterturm, In der Bürg 1, 94315 Straubing, Sa./So 14-17Uhr.

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