Kultur

Ausschnitt aus „Im Steinbruch“ (1912) - die Gesamtansicht finden Sie in der Bildergalerie am Ende des Beitrags. (Foto: Vincent Böckstiegel/VG Bild-Kunst)

08.02.2019

Bauernsohn und Künstler

Spannende Wiederentdeckung: Gemälde von Peter August Böckstiegel in Passau

Bereits in jungen Jahren fiel das Talent des westfälischen Bauernsohns Peter August Böckstiegel (1889 bis 1951) auf. Nach Abschluss der Volksschule sowie einer Maler- und Glaserlehre besuchte er die Handwerker- und Kunstgewerbeschule Bielefeld. Aus Begeisterung für die Kunst der „Brücke“ nahm Böckstiegel 1913 das Kunststudium in Dresden auf. Er setzte sich mit der deutschen und internationalen Avantgarde auseinander, interessierte sich für die französische Moderne und entdeckte Vincent van Gogh für sich.

Seine Eltern unterstützten die künstlerischen Bestrebungen des Sohns, der seinen bäuerlichen Wurzeln verbunden blieb. Die zentralen Themen in seinem Werk sind Tiere und Landschaften seiner Heimat, das bäuerliche Umfeld und immer wieder Porträts der Familie, vor allem der Eltern.

Mit einem prachtvollen Sonnenblumenstrauß, im Hintergrund das Bild der Mutter, erweist er van Gogh seine Reverenz. Im Steinbruch und Lehmgrube sind auch thematisch an dem großen Vorbild orientiert. Hauptmotive aber bleiben die westfälische Landschaft, die heimatlichen Gehöfte und Felder.
Nach dem Ersten Weltkrieg wird Dresden Wohnsitz der Familie, 1919 heiratet Böckstiegel. Die Sommermonate verbringt er im westfälischen Arrode. 1930 wird er mit dem Dürerpreis der Stadt Nürnberg ausgezeichnet. Er stellt deutschlandweit aus und bekommt zunehmend Anerkennung.

Atelier zerstört

Doch die Nationalsozialisten brandmarken auch ihn als „entartet“. Er kann kaum mehr ausstellen, seine Bilder werden aus öffentlichen Sammlungen entfernt. Bei der Bombardierung Dresdens wird sein Atelier zerstört, Böckstiegel zieht sich nach Arrode zurück.

Sein bemerkenswertes Werk ist nun im Museum Moderner Kunst in Passau wiederzuentdecken – Sprühende Farbe, leuchtend und sinnlich ist die Ausstellung überschrieben. Man kann beobachten, wie Böckstiegel die Strömungen der deutschen und internationalen Avantgarde seiner Zeit aufgegriffen und individuell verarbeitet hat. Der begnadete Kolorist arbeitete vor allem im Freien. Sein expressionistischer, pastoser Duktus war differenziert und modern: Teils hat er die Farbe direkt aus der Tube auf die Leinwand gedrückt und mit dem Pinselstil hineingekratzt. Die Grafik ist detailreich, voller Anspielungen und auf eine feine Weise unorthodox. Größenverhältnisse werden mehr nach individueller Wichtigkeit als nach realen Verhältnissen geordnet, jedes Detail ist von Bedeutung.

Ein besonderes Augenmerk muss den Bildnissen gelten, den eindringlichen Porträts aus dem bäuerlichen Umfeld wie auch den Selbstporträts, die sich am Vorbild van Gogh ebenso orientieren wie am gerade aufkommenden Kubismus. (Ines Kohl)

Information: Bis 31. März. Museum Moderner Kunst, Bräugasse 17, 94032 Passau. Di. bis So. 10-18 Uhr.

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