Kultur

Die Horror-Adaption von The Shining ist Bestandteil der Bayerischen Theatertage in Regensburg. (Foto: Staatstheater Regensburg, Marie Liebig)

15.05.2026

Bayerische Theatertage in Regensburg: Mit stolzgeschwellter Brust

Kaum ist es zum Staatstheater ernannt, finden im Regensburger Haus die Bayerischen Theatertage statt – auch „The Shining“ wird gezeigt

Im ersten Akt sieht der Hilfshausmeister im winterlich verschneiten Hotel Overlook noch die Chance für sich und seine Familie: ein Neuanfang für den Schriftsteller mit dunkler Vergangenheit. Aber dann zieht das Luxushotel in den Rocky Mountains ihn in den Bann einer Vergangenheit von Morden, Verbrechen, Geisterspuk, Alkoholismus bis hin zum Psychosog, der ihn dazu verleitet, den eigenen Sohn umzubringen. Wem das bekannt vorkommt: 1977 hat Stephen King den Roman The Shining geschrieben, Stanley Kubrick hat ihn verfilmt, 2016 wurde die Opernfassung von Paul Moravec und Mark Campbell an der Minnesota Opera uraufgeführt und viel in den USA gespielt: Jetzt war die europäische Erstaufführung in deren Anwesenheit am Theater Regensburg.

Das Stück ist der Regensburger Beitrag zu den Bayerischen Theatertagen, deren Gastgeber das frisch ernannte Staatstheater in diesem Jahr ist. 26 Gastspiele gibt es, zum ersten Mal in allen Theatersparten und unter dem Motto „Vielfalt leben“. Da kennt der Stolz von Intendant Sebastian Ritschel zu Recht kaum Grenzen, zumal das benachbarte Staatstheater Nürnberg mit keiner Produktion vertreten ist.

Diese Festivalerfindung von August Everding zeigt wieder bemerkenswerte Aufführungen von Coburg über Dinkelsbühl bis nach Kempten – zum Beispiel vom zukünftig weiteren Staatstheater Würzburg Das schweigende Klassenzimmer. Bis Ende Mai wird es in der momentanen Theaterhauptstadt Bayerns (und der kürzlich gekürten „Oper des Jahres“) auch so außergewöhnliche Veranstaltungen geben wie einen „juristischen Operndoppelabend“ vom Landestheater Niederbayern oder eine hybride Inszenierung mit KI-Brillen vom Staatstheater Augsburg. Das bedeutet auch eine gewaltige logistische Anstrengung für alle vier Spielstätten in Regensburg.

Wer in München interessante Aufführungen versäumt hat, kann jetzt nach Regensburg fahren: Es gastieren die Everding-Akademie, die Kammerspiele, das Residenztheater, das Volkstheater, eine Tanzperformance der Gruppe Zinada, das Netzwerk Münchner TheatertexterInnen – immerhin auch vier Produktionen von Nürnberger Privattheatern. The Shining allerdings wird nach der Regensburger Premiere erst mal in Stralsund und Malmö nachgespielt, und man darf eine Wiederholung des Erfolgs als Horror-Oper erwarten. Denn Mark Campbell hat nicht die Kubrick-Filmfassung in den Mittelpunkt seines Librettos gestellt, sondern ganz nach Kings Wunsch den 600-Seiten-Roman mit dem psychedelischen Mordhotel. Ergebnis ist besonders im ersten Akt eine sich steigernde Spannung von Handlung und Musik, sind überzeugende Szenen bis zur Katastrophe der Explosion des ganzen Hotels: Jack Torrance jagt dessen ganze und seine eigene Vergangenheit in die Luft, seine Familie kann sich durch die Kraft des Shinings von Sohn Danny retten.

Sebastian Ritschel kann sich beim vielfältigen und schnellen Szenenwechsel bis dahin und überall im Hotel auf ein faszinierendes und verblüffend wandelbares Bühnenbild von Sam Madwar verlassen und in der Hauptrolle auf einen wandlungsfähigen und stimmlich bestens ausgestatteten Carl Rumstadt, der seiner Karriere mit diesem mehr und mehr dem Irrsinn verfallenden Jack einen Höhepunkt verschafft.

Gegenüber der Filmfassung haben Moravec und Campbell der Klimax dieser Katastrophe eine Klammer hinzugefügt: die hoffnungsfrohe Familie vor der Kulisse der schneebedeckten Berge und der Fassade des Overlook-Hotels und am Ende nach dem Flammeninferno den Versuch einer neuen Existenz an einem idyllischen See in Maine.

So etwas mag das amerikanische Opernpublikum als Mischung von Love, Death and Power. Das Publikum in Regensburg applaudiert frenetisch auch dem Philharmonischen Orchester unter Stefan Veselka in seiner Horror-Besetzung von allem, was schauerlich klingt bis hin zum Kontrafagott. (Uwe Mitsching)

Die Bayerischen Theatertage dauern noch bis zum 31. Mai, The Shining läuft bis 15. Juli.
www.bayerische-theatertage.de
www.staatstheater-regensburg.de
 

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