Kultur

Marie Marcks Kommentar zu einem der zentralen Themen im Jahr 1980 lautete „Maggi Thatchers Nackenbiss“ . (Foto: Förderverein des Museum Wilhelm Busch–Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst e.V.)

05.06.2019

Bloßstellen statt belustigen

Das Olaf-Gulbransson-Museum in Tegernsee zeigt einen Querschnitt aus dem Werk von Marie Marcks

Klug, pragmatisch und selbstbewusst – mit Leidenschaft hat die Zeichnerin und Karikaturistin Marie Marcks (1922 bis 2014) diskutiert und für ihre Themen gekämpft. Das Olaf-Gulbransson-Museum, Tegernsee, widmet ihr mit rund 120 Arbeiten eine Ausstellung.

Marie Marcks wusste, wovon sie sprach, wenn sie Frauenleben zeichnete: Fünf Kinder hat sie – meist alleine – großgezogen und sich zugleich in der von Männern dominierten Karikaturenszene durchgesetzt. 1922 in Berlin geboren, wuchs sie in einer künstlerisch geprägten Umgebung auf. Sie erhielt an der Kunstschule ihrer Mutter, der Buchgrafikerin und Zeichenlehrerin Else Marcks-Penzig, ihren ersten Zeichenunterricht. Nach dem Krieg zog sie nach Heidelberg und etablierte sich dort mit Plakatentwürfen als Gebrauchsgrafikerin.

Ihre Hinwendung zur Karikatur war beeinflusst von den politischen Debatten der 1950er-Jahre: Die Atombombenversuche der Amerikaner, die Einführung der Wehrpflicht in der Bundesrepublik Deutschland und der Beitritt zur Nato mit dem darauffolgenden Wettrüsten in Ost und West und den Friedensbewegungen als Gegenreaktion. Seit Ende der 1950er-Jahre lebte sie in Amerika, wo ihr damaliger Mann, ein Chemiker, am National Laboratory in Brookhaven Strahlungsversuche unternahm. Über die Verflechtung von Forschung und Rüstung wurde in der Familie heiß diskutiert. Sie kehrte bald nach Heidelberg zurück. In der Zeitschrift atomzeitalter, wo Marie Marcks von 1963 bis 1966 fest beschäftigt war, machte sie 1963 ihrem Protest Luft: „Meine bevorzugten Themen“, so schrieb sie im Rückblick, „waren immer wieder die Wissenschaftler, die bewusst oder unbewusst dem Militär zuarbeiten …“

Parallel wurde die Gleichberechtigung der Frau zu einem wichtigen Anliegen, sie machte den Kampf gegen das tradierte Geschlechterverhältnis zu einem zentralen Thema ihrer Karikaturen. Als Feministin sah sie sich selbst jedoch nicht: „Feminismus? Kannte ich gar nicht. Ich habe immer meine eigene Position gehabt“. Sie wollte sich bewusst nicht weg von der Politik und hinein in Sozial- und Frauenthemen drängen lassen. Deshalb hat sie selbst ihren politischen Karikaturen einen hohen Stellenwert eingeräumt und über 20 Jahre lang für die Süddeutsche Zeitung gezeichnet; ihre Karikaturen wurden auch in anderen namhaften Medien wie der Zeit, dem Spiegel oder dem Vorwärts veröffentlicht.

Themen, die sie besonders berührt haben, waren neben dem atomaren Wettrüsten die Zerstörung der Umwelt, die Asylrechtsdebatten und der Rechtsradikalismus. „Politische Karikaturen, die bloßstellen statt belustigen, haben es nicht leicht“, so Marie Marcks, die auch bekannte: „Ich bin mit Abstand die meist indizierte Zeichnerin bei der Süddeutschen.“

Wortwitz in Sprechblasen

Mit rund 120 Arbeiten zeigt die Ausstellung in Tegernsee einen Querschnitt durch das Schaffen von Marie Marcks. Deutlich wird, mit welcher Verve sie Kritik an politischen Entscheidungen und gesellschaftlichen Zuständen geübt hat. Detailreichtum in der Darstellung und Wortwitz in den Sprechblasen oder Untertiteln sind typische Merkmale ihrer Karikaturen, gepaart mit einer charakteristischen Handschrift. Diese wandelt sich von einer strengeren grafischen Form der frühen Jahre zu einer lockereren, aber immer vor allem die Kontur betonenden Strichführung der späteren Jahre. (BSZ)

(Bis 15. September. Olaf-Gulbransson-Museum, Im Kurgarten 5, 83684 Tegernsee. Di. bis So. 10-17 Uhr. www.olaf-gulbransson-museum.de)

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