Kultur

Auch der Hitlerputsch kommt in der Sonderausstellung des Hauses der Bayerischen Geschichte vor. (Foto: Haus der Bayerischen Geschichte)

08.07.2026

Brennpunkt Bayern: Hitler und der Kampf um die Demokratie

Das Haus der Bayerischen Geschichte präsentiert in seiner Sonderausstellung den Kampf um die Demokratie in Zeiten der Weimarer Republik

Hier wird Geschichte für alle erklärt und sichtbar: im Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg. Erst 2019 eröffnet, widmet es sich jetzt ab dem 8. Juli ein ganzes Jahr mit seiner Sonderausstellung Brennpunkt Bayern einem dunklen Kapitel der 20er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts. 

Im Fokus der Historie steht die Weimarer Republik. Damals, nach dem Ersten Weltkrieg und dem Sturz der Monarchie, erlebt Deutschland schwere Krisen. Es formieren sich Gruppierungen und neben den noch jungen demokratischen Bewegungen auch eine neue politische Gewalt. Wie und dass dabei Bayern zum Zentrum, der Wiege, ja, dem Hort des Nationalismus wird, zeigen die Ausstellungsmacher. Wie sich der 1913 aus Österreich übersiedelte Adolf Hitler früh in die Hauptrolle und an die Spitze der politischen Bühne drängt, wer sich gegen ihn engagiert, im wortwörtlichen Straßenkampf für die Demokratie: Diese politischen Protagonisten und Wendepunkte werden in Regensburg intensiv dargestellt. Konkret werden auf 500 Quadratmeter Fläche mit fünf Bühnenbildern die entscheidende Ereignisse, Entwicklungen, Zusammenhänge wie Abläufe in den geschichtlichen Kontext eingeordnet und erklärt.

Schonungsloser Blick hinter die Kulissen

Brennpunkt Bayern ist ein recht schonungsloser Blick hinter die Kulissen, in die bürgerlichen Salons und auf die Straßen. Sie zeigt die Radikalisierung des Volkes nach den politischen Auseinandersetzungen und der Revolution 1918. Man deckt die unrühmliche Rolle bayerischer Staatsvertreter besonders im Krisenjahr 1923 auf – damit nichts in Vergessenheit gerät. Die Vernetzung der Rechtsextremisten wird enthüllt. Und man erkennt, warum damals die Niederschlagung des Hitlerputsches 1923 nur ein vorläufiger Sieg der Demokratie sein konnte.

In einer Zeit wie heute, in der Demokratie selbst in einigen Ländern Europas nicht immer sicher scheint, verlieren die Fragen zu den Geschehnissen der Vergangenheit nicht ihre Gültigkeit. Sie lauten: Wer gefährdet oder verteidigt die Demokratie? Wer wird von der politischen Bühne verdrängt und wer agiert dort im Hintergrund?

Die besondere Bedeutung der Ausstellung in der heutigen Zeit fasst Projektleiter Marc Spohr so im Gespräch mit der Staatszeitung zusammen: „Als Historiker hoffe ich, dass man aus der Geschichte lernt.“ Man lebe in Zeiten, in denen sich zunehmend eine Radikalisierung an den Rändern der Gesellschaft feststellen lasse. Auch wenn man in den Vorbereitungen öfters gefragt würde, ob man der Meinung ist, Geschichte wiederhole sich, so wollten sich Kuratoren, Fachleute und Projektverantwortliche hüten, direkte Vergleiche mit der Gegenwart zu ziehen.

Ein Grundgedanke der Ausstellungsmacher aber sei: Was in Brennpunkt Bayern den Besuchern erzählt und gezeigt würde, gebe man ihnen als Rüstzeug mit auf den Weg. Um zu sensibilisieren, gleich einem Appell, für Demokratie einzustehen, Tag für Tag. Audioguides, zweisprachige Erläuterungen und eine Fassung in leichter Sprache sind selbstverständlich.

Begleitet wird die Ausstellung von dem extra produzierten 25-minütigen Filmschauspiel Wartesaal – Bayern in den 1920er-Jahren, das täglich zweimal zu sehen ist. Von und mit TV-Moderator und Schauspieler Christoph Süß, ist es prominent auch mit weiteren bekannten Gesichtern besetzt: Dabei sind Kabarettisten und Kabarettistinnen wie Luise Kinseher, Christian Springer, Max Uthoff oder Helmut Schleich. Im Magazin zur Ausstellung antworten Fachleute zu den Fragestellungen aus heutiger Sicht: Was ist die Ordnungszelle Bayern? Wie stehen Bürgertum und Beamte zur jungen Republik? Wie entwickelt sich Adolf Hitler vom perspektivlosen Weltkriegsveteran zum Anführer der Rechtsextremen? 

Sonderführungen für Schulklassen

Da die bayerische Staatsregierung gemäß dem Koalitionsvertrag Demokratie und Wertebildung in der Gesellschaft, insbesondere in Schulen, stärkt, wurden eigene Schulklassenprogramme für den Besuch von Brennpunkt konzipiert, erklärt Marc Spohr. Diese könnten individuell für fortführende Mittelschulen, Gymnasien oder Fachoberschulen angepasst werden. Es gibt etwa ein Escape-Game, in dem politische Morde der 20er-Jahre aufgeklärt werden. Ein zweiter Schwerpunkt liegt auf der maßgeblichen Macht der Bilder in der Zeit der Weimarer Republik sowie auf der Propaganda- und Bildsprache des NS-Regimes. Hier steht Heinrich Hoffmann, Leibfotograf Hitlers, im Fokus, der diese Bildsprache prägte. Darüber hinaus gibt es die kostenfreie ausstellungsbegleitende Plakatserie „Geschichte frei Haus“.
Die hauseigene Bavariathek stellt die demokratischen und antidemokratischen Ereignisse nach dem Sturz der Monarchie dar. Dazu kommen tägliche Sonderführungen für Klassen und weiteres Ansichtsmaterial.

Ein Fahrtkostenzuschuss nach Regensburg kann Schulen wie Lehrkräften bewilligt werden. Die Zusammenarbeit bei diesem besonderen Projekt erfolgte eng mit dem Haus der Geschichte im Museum Niederösterreich in St. Pölten. Hier wurden bereits vor sechs Jahren in einer Ausstellung die Jugendjahre Adolf Hitlers in den gesellschaftlich-politischen Kontext der Donaumonarchie Österreich-Ungarn um 1900 eingeordnet.

Daran knüpft nun das Haus der Bayerischen Geschichte an. Bei seinem großen Fest der Demokratie öffnet es sich von Freitag, 24. Juli, bis Sonntag, 26. Juli, für alle Interessierten. Bei freiem Eintritt mit Musik, Führungen und einem Kinderprogramm dreht sich alles um die Werte, Bedeutung und Chancen der Volkssouveränität. (Marie-Julie Hlawica)

Vom 8. Juli 2026 bis 7. August 2027. Haus der Bayerischen Geschichte, Donaumarkt 1, 93047 Regensburg. Dienstag bis Sonntag 9 bis 18 Uhr.
www.hdbg.de

 

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!
Die Frage der Woche

Ist die geplante Kapitalrente sinnvoll?

Unser Pro und Contra jede Woche neu
Diskutieren Sie mit!

Die Frage der Woche – Archiv
X
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

Beilagen

Prof. Dr. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln, sagt über die Deutschen: "Unser Mindset hat sich nicht weiterentwickelt – es ist in einer Art Biedermeier-Modus stehen geblieben."

> Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung ist online

Die Suche nach dem sichersten Ort für unseren Atommüll ist eine staatliche Jahrhundertaufgabe. Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung stellt vier Menschen vor, die diese Mission bei der Bundesgesellschaft für Endlagerung mit ihre

> Änderung der Gemeindeordnung

Liebe Leserinnen und Leser des Kommunalen Taschenbuchs, die Gemeindeordnung des Freistaats Bayern hat sich am 23. Dezember 2025 nach Redaktionsschluss (14. November 2025) nochmals geändert. Die entsprechenden Seiten können Sie hier herunterladen.

Jahresbeilage 2025

Nächster Erscheinungstermin:
28. November 2026

Weitere Infos unter Tel. 089 / 29 01 42 54 /56
oder
per Mail an anzeigen@bsz.de

Download der aktuellen Ausgabe vom 28.11.2025 (PDF, 16,5 MB)

E-Paper
Unser Bayern

Das kunst- und kulturhistorische Online-Magazin der Bayerischen Staatszeitung

Abo Anmeldung

Passwort vergessen?

Geben Sie Ihren Benutzernamen oder Ihre E-Mail ein um Ihr Passwort zurückzusetzen. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an: vertrieb(at)bsz.de

Zurück zum Anmeldeformular 

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Abo Anmeldung

Passwort vergessen?

Geben Sie Ihren Benutzernamen oder Ihre E-Mail ein um Ihr Passwort zurückzusetzen. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an: vertrieb(at)bsz.de

Zurück zum Anmeldeformular 

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Unser Bayern - Nachbestellen

Aktuelle Einzelausgaben des Online-Magazins „Unser Bayern” können im ePaper der BSZ über den App-Store bzw. Google Play gekauft werden.