Kultur

Die Reproduktion eines Grabgemäldes (um 330 v. Chr.) aus Cimitile di Nola zeigt samnitische Krieger mit ihren Trophäen. (Foto: Staatliche Antikensammlungen und Glyptothek/Renate Kühling)

12.08.2022

Die Römer unterjocht

Die Staatliche Antikensammlungen in München erinnern an das Volk der Samniten

Eine schmachvolle Niederlage nennt man ein „Caudinisches Joch“. Nicht nur einmal in ihrer Geschichte haben die sonst so erfolgreichen Römer das erleiden müssen. In ihrem Buch Der Aufstieg Roms (2021) erzählt Kathryn Lomas auch von der Niederlage gegen den letzten ernsthaften Gegnern, den die römische Republik in Mittelitalien noch hatte: die Samniten. Diese kann man auch in einer Ausstellung der Münchner Antikensammlung kennenlernen.

Die Samniten waren ein Bauern- und Hirtenvolk zwischen Römern und Griechen, siedelten nach Osten und Westen jeweils etwa 30 Kilometer von der Küste entfernt mitten in der Berggegend mit der an der Via Appia gelegenen Stadt Caudium, wo 321 v. Chr. die Römer samt ihren beiden Konsuln in die Falle gelockt wurden und die schlimmstmögliche Demütigung erlitten: Ihrer Waffen und Rüstungen beraubt, mussten alle Soldaten halbnackt unter einem Torbogen aus Speeren hindurch – dem „Joch“. Beim römischen Rachefeldzug wenig später wurden die Kriegsgefangenen befreit und 7000 Samniten ihrerseits unters Joch geschickt: im zweiten von insgesamt drei sogenannten Samnitischen Kriegen. Diese Waffenkämpfe sind das spannende Thema am Münchner Königsplatz.

Stramme Burschen

Wenn man der antiken Darstellung auf dem Ausstellungsplakat glaubt, waren die Samniten stramme Burschen mit eigenartig verzierten Helmen, und natürlich zogen sie ohne Sattel zu Pferd in den Kampf.

Die Auseinandersetzung mit Rom dauerte schließlich bis ins erste Jahrhundert v. Chr., als alle Einwohnerinnen und Einwohner Italiens das römische Bürgerrecht bekamen. Die Zeit bis dahin und von den kaum dokumentierten Jahrhunderten seit etwa 1000 bis 600 v. Chr. belegt die ästhetisch schöne, unterhaltsame und nie überladen arrangierte Ausstellung. In diese findet man den informativen Einstieg vor einer großen Karte: Darauf verzeichnet sind all die vielen Stämme der Samniten und ihrer Nachbarn. Davor platziert ist das schöne Modell des samnitischen Hauptheiligtums. Man blickt zudem auf die weite Landschaft, wie sie sich heute noch präsentiert.

Die Ausstellungsstücke beginnen mit einem Glockenhelm des frühen 1. Jahrtausends, setzen sich fort mit Helmen nach griechischem Vorbild der Perserkriegszeit und mit etwas, das Kardiophylax heißt: zwei Bronzescheiben zum Schutz von Rücken und Brust, die durch einen Gurt miteinander verbunden wurden. All das waren vorwiegend Grabbeigaben aus der Zeit von etwa 600 v. Chr.

Bis zu ersten schriftlichen Quellen in der (indogermanischen) oskischen Sprache der Samniten muss man da noch lange warten. In der Ausstellung sieht man eine gemeißelte Inschrifttafel mit Götternamen vom beginnenden 2. Jahrhundert vor der Zeitenwende: man las von rechts nach links.

Aus Caudium zeigt man frühe Kannen und Becher aus samnitischer und griechischer Produktion. Dank der Nähe zu den Küsten gab es Handelsverbindungen besonders in die Gegend von Neapel und an die Adria. Was aus eigener Produktion zu sehen ist, sind lange Gewandgehänge, die über der linken Schulter getragen wurden – eine Art Unisex-Schmuck für Mann und Frau.

Man bleibt gerne stehen bei einer winzigen Münze für den Fährmann ins Totenreich oder bei einer Amphore mit Blütenkelchen, ebenso bei einer anderen Amphore mit zwiebelförmigem Knauf als Deckel. Was wirklich semnitisch war, lässt sich schwer feststellen. Ein Prachtstück der Ausstellung ist das Prunkgefäß mit Europa und dem Stier: Es ist wohl in Neapel hergestellt und vom Vasenmaler Asteas als Weinmischkessel gestaltet worden. Wie dieser haben sich vom Handel über den italienischen Stiefel hinweg viele Grabbeigaben erhalten, wie sie in der Mittelmeerkultur und -produktion nach 500 v. Chr. üblich waren.

Von ihren Kriegszügen brachten die Samniten Gürtel und sonstige Trophäen mit: In diesem Fall ist alles griechisch beeinflusst. Das galt auch für kriegstechnische Neuerungen, denen die Samniten schließlich ihre Erfolge verdankten: Beinschienen, breite Gürtel, Helme mit Wangenklappen. Solche Exponate sind Leihgaben von Museen zum Beispiel aus Benevent, Campobasso und Montesarchio. Diese Orte sind auch wichtige Ziele auf einer Reise, die man zu den Samniten machen kann und wie sie die Ausstellung anregt. Und in Benevent steht heute noch der Triumphbogen von Kaiser Trajan, der dieses Land der egomanen Bauern und Hirten denn doch endgültig in den römischen Herrschaftsverband eingliederte. (Uwe Mitsching)

Information: Bis 25. September. Staatliche Antikensammlungen, Königsplatz 1, 80333 München.

 

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