Kultur

Werden solche Wesen wie der „ArchaeaBot“ von Anna Dumitriu und Alex May einmal die Erde bevölkern? (Foto: Anna Dumitriu)

21.08.2020

Düstere Prophezeiungen

Im Erlanger Kunstpalais zeigen Künstler*innen unter Darwins Motto „Survival of the Fittest“, wie das Leben in der Zukunft ausschauen könnte

Ausgefallen, verschoben, verlängert: Erlangens Museumsszene bietet alle coronabedingten Variationen. Klar, dass da die Ausstellung Survival of the Fittest am längsten überlebt. Denn sie zeigt, was zehn internationale Künstler*innen vorschlagen, damit man auch übers Anthropozän hinaus bei der Stange bleibt. Dabei ist das Corona von heute natürlich nur eine Randerscheinung: Es geht um uns in Millionen von Jahren, um Klimaveränderungen, Versteinerungen und darum, wie die Lebewesen aussehen, die es irgendwann vielleicht noch geben wird.

Das Darwin’sche Thema Survival of the Fittest steht für die Position der Wissenschaft im Erlanger Kunstpalais, die Seite der Kunst kommt dazu: „Wie ist das Verhältnis von Natur und Hightech in der zeitgenössischen Kunst?“, lautet die Frage. Als Antwort werden bis in den Erlanger Palais-Stutterheim-Keller hinunter keine Bilder für die Wohnzimmerwand gezeigt, sondern Videos von weiträumigen Wolkenbewegungen (James Bridle), die die Dringlichkeit von Maßnahmen gegen den Klimawechsel unterstreichen sollen. Man sieht auch einen „Ur-Roboter“, wie ihn Anna Dumitriu und Alex May für extrem lebensfeindliche Umgebungen erfunden haben, wie es sie heute schon im Toten Meer oder in Vulkanen gibt.

Nicht gerade sexy

Hinter einem geheimnisvollen Vorhang sieht man es: dieses kugelige Objekt mit seinen langen Tentakeln im beleuchteten Aquarium – ist das unser Nachkomme? Nein, besonders hoffnungsvoll oder sexy sieht das nicht aus. Spaß könnte vielleicht eher Simon Dennys Brettspiel Extractor machen, das im Dutzend billiger an einem Ständer bereitgehalten wird. Mit einem Auge blinzelt man von da aus schon zu einer großen Videoleinwand mit mikroskopisch vergrößerten Zellen im nächsten Raum. Páll Ragnar Pálsson meint, dass 473 Gene reichen würden für eine kleinstmögliche Lebensform. Und zu bestimmten Zeiten lässt er ein selbst spielendes Piano dazu Sterne im März vortragen – nach einem Text von Ingeborg Bachmann.

Da setzt man sich vielleicht erst mal erschüttert über derlei Zukunftsaussichten hin oder schöpft im interaktiven Raum Hoffnung, wo man sich zwischen Biofleisch oder veganen Proteinquellen als Zukunftsmenü entscheiden und per Button an einer Tafel der „Green Box“ seine Meinung zur Zukunft kundtun kann: „Weniger hysterisch! Weniger Greta! Sapere aude!“, hat da jemand geschrieben.

Dinos und Kätzchen

Dabei hat der Kunstfreund in Erlangen noch viel an „Survival“-Versionen vor sich: die kämpfenden Dinos der Vergangenheit oder die schauerlichen Voraussagen eines putzigen Kätzchens: „Unsere Städte werden in ihrer Entwicklung schneller zurückgehen als in Lichtgeschwindigkeit.“ Man prophezeit das sechste Massenaussterben in der Erdgeschichte oder fragt, wie wir in der Zukunft aussehen werden: Könnten die Ammoniten von Jonas Staal dafür ein Vorbild sein? Dann hätten einige fränkische Steingarten-Liebhaber in ihrem Reich permanent vor Augen, wie sie später mal aussehen werden. Im Moment erhitzen sie ihr Teewasser jedenfalls noch wie gewohnt und nicht im Kessel aus vulkanischem Glas wie in der Ausstellung.

Eines ist klar: Die Kunst sorgt hier im Wissenschafts-Hotspot Erlangen schon für Zeiten vor, in denen es längst keine Museen mehr geben wird. (Uwe Mitsching)

Information: Bis 6. September, Kunstpalais Sutterheim, Marktplatz 1, 91054 Erlangen. www.kunstpalais.de

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