Kultur

Markus Lüpertz hat den Kirchenraum im Museum St. Ulrich mit seinen Figuren und seiner Glasfensterkunst intensiv durchinszeniert. (Foto: Kunstsammlungen des Bistums, Studio Julia Knorr/Clemens Mayer)

24.09.2021

Eine Sache des Lichts

Götter und Fenster: eine Ausstellung mit Gipsfiguren und Glaskunst von Markus Lüpertz in Regensburg

Es ist ein Aufeinandertreffen der verschiedenen Gottes- und Götterbilder, das die Kirche St. Ulrich seit Kurzem prägt. Der den dreidimensionalen menschlichen Sinnen eigentlich ebenso verborgene wie dennoch allgegenwärtige Gott, der im Himmel wohnt. Der Geist, der ihm innewohnt. Der menschgewordene Sohn Gottes. Sie prägen das Christentum in ihrer Dreifaltigkeit – theologisch über die Jahrhunderte verschieden ausgeformt und ausgeprägt.

Dagegen stehen die Götter der Antike mit ihren irrationalen, emotionalen Verhaltensweisen bisweilen so nahe am Menschen, dass ihre Göttlichkeit bezweifelbar wurde. Und deren unterschwelliges Weiterleben im Christlichen und Heiligen wiederum die Vielfalt der Apostel, Märtyrer und Glaubenskünder nahelegt – wie sie hier auch an den Kirchenwänden prangen.

Oft tun Menschen sich schwer, sich einen Gott als nichtmenschliches Lebewesen vorstellen zu können. Da halfen Götter mit menschlichen Leidenschaften. Oder es helfen Legenden, Symbole und Bilder. Die Übersetzung des Glaubens in menschliche Wahrnehmungssphären hinein war deshalb im Christentum beständig auch und vor allem Aufgabe der bildenden Kunst. Weil die Menschen lange kaum schriftkundig waren, aber auch, weil ihnen in den Gotteshäusern Gott eben sehr nahegebracht wurde. Weil er darin in Haut und Knochen und allen Sinnen spürbar wurde. Und wird: Denn dass diese Funktion der Kunst auch gegenwärtig besteht und funktioniert, zeigt die Ausstellung mit Werken von Markus Lüpertz, die unter dem Titel Der göttliche Funke II jetzt im Regensburger Museum St. Ulrich und in der dortigen Galerie Art Affair zu sehen ist. Dort sind zum einen Gipsfiguren des Künstlers ausgestellt, die sich mit der antiken Götter- und Sagenwelt auseinandersetzen.

Gott des Rausches und des Weines

Die sind ganz und gar sinnlich und nicht erstrangig besinnlich, wie etwa dieser Bacchus, dieser Gott des Rausches und des Weines, der hier nun tatsächlich ausgesprochen feuchtfröhlich dreinschaut und mit Trinkpokal und Weintrauben dem Publikum zuprostet: welch schickliches Willkommen. Lüpertz sucht in den Figuren die den dargestellten Wesen je eigenen – durchaus: menschlichen – Charakteristiken. So etwa auch Zeus, der sich der Königstochter Leda in Form eines Schwanes näherte: Hier ist es nun eher ein gieriger Ganter, der aus dem göttlichen Gänseei gekrochen ist. Aber natürlich wirken diese übernatürlichen Wesen auch gebrochen, weil wir deren göttliche Aspekte als Menschen eben nur auf uns heruntergebrochen wahrnehmen können. Lüpertz inszeniert diese Skulpturen, die auch von der Empore auf den Betrachter herabschauen, durch künstliches, farbiges LED-Licht, so wie in diesem Kirchenraum Licht auch ein natürliches Inszenierungselement ist.

Deshalb spielen hier in diesem Licht auch seine Kirchenfenster eine Rolle: solche aus Bamberg und Köln, die er schon gefertigt hat, aber auch solche für die Kirche vor Ort, die hier eingebaut werden sollen und für die noch Sponsoren gesucht werden. Denn die Leuchtkraft des Lichtes vermittelt durch diese Fenster ebenfalls Glaubensbotschaften.

Aus der Gotik bekannte Symboliken und Gesten

Wie derlei Fensterkunst werden und wirken könnte, wird in der Ausstellung also ebenfalls gezeigt. Entwürfe Lüpertz’ machen klar, wie etwa die Fensterrose der Westfassade erstrahlen könnte: mit unten eher dunklen und düsteren, oben eher hellen und hoffenden Farben rund um eine Engelfigur. Dazu: Schädel und Gesichter, Häupter und Hände. Gegenüber ein Bischof mit Fisch. Der Künstler arbeitet mit den oft schon aus der Gotik bekannten Symboliken und Gesten.

Wie diese Assoziationen werden und entstehen, zeigen Zeichnungen und Vorarbeiten in der Kirche und in der Galerie Art Affair in der Innenstadt. Ob’s funktioniert? An Gott wie an die Kunst muss man eben glauben, sagt Lüpertz: „Du kannst Kunst nicht rational verstehen. Sie bedarf des Glaubens. Wenn ich ein Bild an der Wand sehe, muss ich ihm glauben, damit ich es wirklich wahrnehmen kann. Wenn das nicht so ist, wird’s eine bloße Devotionalie, etwas, worin man Geld investiert.“ In Regensburg kann man das jetzt auf sich wirken lassen.
(Christian Muggenthaler)

Bis 31.10. Di-So 12-17 Uhr, Fr 12-20 Uhr.

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