Kultur

Schmuck hergerichtet, erhielt das Wirtshaus die Denkmalschutzemdaille 2016. Die Instandsetzung geht noch weiter. (Foto: Interessengemeinschaft Wirtshaus am Erdweg/Helmut Schmid)

01.03.2019

Einkehr im Denkmal

Die Instandsetzungsarbeiten an der Hofmarktaverne am Erdweg werden weiterhin mit staatlichen Mitteln gefördert

Wirtshäuser in Bayern? Davon gibt es viele – aber kaum eines, das auf eine solch lange Geschichte zurückblicken kann, wie das Wirtshaus am Erdweg im Landkreis Dachau. Bereits 1468 ist die Nutzung des Gebäudes als Gastwirtschaft belegt. Die Lage war von jeher verkehrsgünstig: an der ehemaligen Römerstraße von Augsburg nach Wels in Österreich. Heute führt die Autobahn A 8 allerdings in einiger Entfernung vorbei, und das prächtige spätgotische Gebäude mit seinem mächtigen Satteldach und den Schwalbenschwanzzinnen, das seit Jahrhunderten das Ortsbild prägt, dient mehr der dörflichen Gemeinschaft.

Das heutige Erscheinungsbild des Wirtshauses geht auf den Umbau des frühen 19. Jahrhunderts zurück, im Kern aber haben sich die Strukturen aus dem 15. und 16. Jahrhundert erhalten. Das Gebäude gehörte als sogenannte Ehehafttaverne einst zur Hofmark Eisenhofen. Einer der bekanntesten Hofmarksherren war der bayerische Kanzler Leonhard von Eck, der die Hofmark nach verschiedenen Vorbesitzern um 1520 erheiratete. Doch schon in der nächsten Generation wurde sie verkauft.

Erkleckliche Vorrechte

Eine Ehehafttaverne hatte bestimmte Pflichten zu erfüllen, dafür genoss sie auch spezielle Vorrechte. So waren die Hofmarksuntertanen verpflichtet, dort ihre Hochzeiten, Kaufabschlüsse und anderes zu feiern – und nicht vielleicht in einem Gasthaus in einem benachbarten Ort. Die Schankgerechtigkeit erstreckte sich auf Wein, Branntwein, weißes und braunes Bier sowie Met. Außerdem besaß die Taverne eine Bäcker-, Metzger- und Kramergerechtigkeit.

Obendrein hatten die Grundherren in Eisenhofen nicht nur die Instandhaltung der nahen Brücke über die Glonn, sondern auch die Erhebung des dortigen Zolls an den Erdweger Tafernwirt delegiert. Da kam ganz nett was zusammen – wovon natürlich ein Teil wiederum ins Schloss nach Eisenhofen getragen werden musste.

Das Ablösegesetz von 1848 beseitigte die letzten Reste der Grundherrschaft. Der Tafernwirt wurde nun voller Eigentümer. Durch die Jahrhunderte waren viele verschiedene Wirtsfamilien Herren über das Anwesen. Heute befindet sich das Gebäude im Besitz der Gemeinde Erdweg. Sie setzte gemeinsam mit einer eigens gegründeten Interessengemeinschaft die ehemalige Hofmarkstaverne, an der der Zahn der Zeit massiv genagt hatte, in den Jahren 2011 bis 2015 sorgsam instand. Das Dachwerk wurde repariert, das Dach neu eingedeckt, die historischen Wandmalereien wiederhergestellt. Archäologische Arbeiten im Innern des Gebäudes förderten Spuren von drei nochmals älteren Vorgängerbauten zutage.

Lebendiger Ortsmittelpunkt

Bei größtmöglicher Schonung der historischen Grundrisse erneuerten die Bauherren die Haustechnik und ermöglichten eine barrierefreie Erschließung. Im Frühjahr 2015 konnte das „Wirtshaus am Erdweg“ feierlich eröffnet werden. Heute dient das historische Gebäude wieder als Gaststätte. Im Ober- und Dachgeschoss befinden sich Räume, die von der Gemeinde, von Vereinen und Veranstaltern genutzt werden können. Die Gemeinde hat einen lebendigen Ortsmittelpunkt zurückerhalten und eine Bühne für ein facettenreiches Kulturprogramm.

Diese „behutsame Instandsetzung“, wie es in der Begründung hieß, war nicht nur dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege die Verleihung der Denkmalschutzmedaille 2016 wert, sondern auch dem Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst die Unterstützung mit rund 520 000 Euro aus dem Entschädigungsfonds. Aufgrund des sehr hohen denkmalpflegerischen Aufwands bei der Sanierung wurde diese Summe zuletzt um weitere 130 000 Euro aufgestockt. (Cornelia Oelwein)

Abbildung:
Das Wirtshaus am Erdweg in einer Fotografie von 1990. (Foto: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege/Sowieja)

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