Kultur

Der pianistische Großmeister Andras Schiff ist immer wieder im Reitstadel zu erleben - so auch beim Festival zum Jubiläum der "Neumarkter Konzertfreunde". (Foto: Fritz Etzold)

04.10.2021

Erfolgreiches Konzept

Die Neumarkter Konzertfreunde feiern ihr Jubiläum mit einem hochkaraätig besetzten Festival

Im Frühjahr 1981 wurde der wiederaufgebaute Reitstadel am Neumarkter Residenzplatz eröffnet mit Gluck - und nicht mehr als militärische Pferde-Remise, sondern als Konzertsaal mit 450 Plätzen. Ein halbes Jahr später wurde der Verein Neumarkter Konzertfreunde gegründet, jetzt feierte er nach 40 erfolgreichen Jahren fast auf den Tag genau dieses Jubiläum mit einem Festival: drei Tage lang und mit fünf Konzerten.

Diese Erfolgsgeschichte verdankt der Reitstadel seiner für Kammermusik und kleinere Besetzungen sagenhaften und inzwischen weltweit gerühmten Akustik (auch für CD-Aufnahmen), dem Engagement einer Neumarkter Unternehmerfamilie und deren Mitstreitern, Sponsoren, einem guten Händchen für die Auswahl an Künstlern und deren geradezu familiärer Betreuung. An prominenten Namen war in diesen  Jahrzehnten kein Mangel (Mstislav Rostropowitsch genauso wie Svjatoslav Richter oder Marta Argerich), zwei Galionsfiguren am Klavier (Alfred Brendel und Sir András Schiff) haben den Konzertsaal überall gekannt gemacht.

Und es gab Entdeckungen, die inzwischen jeder kennt: das Emerson String Quartet, Midori, Hilary Hahn, Daniil Trifonov, Patricia Kopatchinskaja und Philippe Jaroussky haben hier ihre ersten Konzerte in Deutschland gegeben, sind mit ihren brandneuen Programmen  gekommen oder haben neue Konzertkonzepte erprobt.

Das alles und besonders das, was es an wichtigen Streichquartetten gab (Artemis),  kam einem Besucherstamm in drei Abonnementsreihen zugute: aus der Metropolregion Nürnberg, oft weit darüber hinaus bis aus Hamburg, Berlin oder München, wenn die pianistischen Großmeister spielten, zum Beispiel Andras Schiff seine Bach- oder Beethoven-Zyklen.  Auch jetzt zu Schiffs Bartok reiste man an.

Drei Jahre lang hatten die „Konzertfreunde“ das Festival geplant und mit einem Höchstmaß an Aufwand und Energie in die Tat umgesetzt: zum Glück am Ende der Corona-Beschränkungen bei der Platzausnutzung. Maskenpflicht und 3 G-Bestimmungen waren offenbar auch kein Problem für das an hohe Qualität gewöhnte Publikum, das den Reitstadel wieder in all seinen Facetten erleben wollte und mit den gastierenden „Freunden“, die seit Jahren dort auftreten und dem „Konzertfreunde“-Konzept entsprechen (müssen) – auch wenn sie gerade erst vom Sieg beim ARD-Wettbewerb kommen wie einst der Cellist Istvan Vardai. Dieser und sein Kollege Christian Poltera spielten beim „Abend der Kammermusik“ auf zwei der kostbarsten Stradivari-Celli George Enescus Streichoktett op. 7: auf besonderen Wunsch des künstlerischen Konzertfreunde-Leiters Ernst-Herbert Pfleiderer als einen durch den Reitstadel fegenden Sturmlauf vom Balkan herauf und durch des Kaisers Hauptstadt: Wiener Fin-de-siècle exakt von 1900. Jörg Widmann, Clemens Hagen und Kirill Gerstein hatten davor Klarinettentrios von Beethoven und Brahms bis in deren tiefste Möglichkeiten hin ausgelotet.

Bekannte Stücke in ungewohnten Konzepten: Das boten auch die temperamentvolle Alina Ibragimova in Beethovens Violinkonzert (mit dem Mahler Chamber Orchestra), Thomas Hengelbrock und sein fabelhafter Balthasar-Neumann-Chor in der orchesterlosen „Londoner Fassung“ von Ein Deutsches Requiem (Brahms). Den Stradivari-Reigen setzte auch Isabelle Faust mit Dornröschen und ihrer feinsinnigen Bachmatinée zusammen mit dem Cembalisten Kristian Bezuidenhout fort. Und da sind noch nicht einmal die ergreifenden Sängerstimmen von Michael Nagy und Katharina Konradi bei Hengelbrock erwähnt oder das Budapest Festival Orchestra unter Ivan Fischer, das sich mit Sir András Schiff höchst authentisch zu einer bewegenden Interpretation von Bartoks 3. Klavierkonzert zusammenfand. (Uwe Mitsching)

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