Kultur

Viele Magier untermalen mit bannendem Blick und dramatischen Gesten das Unheimliche ihres Auftritts. Hier eine Lithografie (Ausschnitt) aus dem späten 18. Jahrhundert, die den Bühnenkünstler Pierson zeigt, wie er seinen magischen Willen walten lässt. (Foto: Museum Fürstenfeldbruck)

26.06.2020

Faszinierende Augenwischerei

Im Museum Fürstenfeldbruck geht es um Zauberei und Magie

Zuzeit würde man sich eigentlich nur einen Zaubertrick wünschen, der nach dem Spruch „Weg mit Corona!“ funktioniert. Vielleicht entdeckt man im Museum Fürstenfeldbruck das entsprechende Magier-Kunststück. Denn dort sieht man alles aus dem Bereich der Zauberei: wie man mit einem Schal die Jungfrau verschwinden lässt und die hölzerne Fluchtkiste aus dem Angebot der Firma Zauber-Soltau.

So viel Abrakadabra war noch nie im Museumsoberstübchen, und eigentlich hätte es sogar einen Zauberkongress und ein Hokuspokus-Festival in Fürstenfeldbruck geben sollen: Die wurden verschoben auf 2021. So lange wollten die Kuratorinnen Angelika Mundorff und Barbara Kink nicht warten: Schließlich hatten sie schon überschlägig 25 Leihgeber*innen animiert und bezaubert, ihre magischen Bestände von A wie Amulett bis Z wie Zauberrolle bis Oktober herzugeben.

Bezaubernd. Magie und Zauberkunst heißt die Ausstellung, und man kann nicht nur schauen, sondern auch ausprobieren. Denn was es sonst nie gibt: Zauberer verraten per Video, wie’s geht. Das haben die mittelalterlichen Beutelschneider, die modernen Zauberkönige im Frack (wie Kalanag mit seiner Assistentin Gloria) oder technisch hochgerüstete Magier (wie David Copperfield) nie getan: Schließlich wollten sie von ihrer exklusiven Zauberkunst leben.

In Fürstenfeldbruck sind Bücher ausgestellt, mit denen man unter langatmigen Titeln Zaubertricks verriet: „Aufschlüsse zur Magie aus geprüften Erfahrungen über verborgene philosophische Wissenschaften und verdeckte Geheimnisse der Natur“. Als Gebrauchsanweisung diente auch die Magia Naturalis (1680) aus Nürnberg. Exakte Skizzen vermittelt ein Berliner Zauberbuch der natürlichen Magie für „elektrische Kunststücke“ und Kartenkünste.

Kontrolle ist alles

An solch eher trockenen Anleitungen läuft man sicher schneller vorbei als am magischen Handwerkszeug wie dem „Orangenbaum-Verwandlungszauber“ des berühmten Harry Houdini oder der Verschwinde-Box für einen bunten Harlekin. Man denkt auch gerne nach über solche Zauber-Lehrsätze wie: „Das Tempo ist ohne Belang. Es geht nur um die Kontrolle der Aufmerksamkeit.“ Damit ist das Publikum gemeint, das früher in Frack und Abendkleid im Theater saß und die weiße Dame entschwinden sah.

Eine veritable Zaubergala war das bei Kalanag aus München. Der hatte Hitler genauso verzaubert wie das Nachkriegspublikum, wenn er – wie im Nürnberger Opernhaus – seinen Wirtschaftswunder-Ford auf offener Bühne verschwinden ließ: „Der Ford ist fort!“

Auch die Zauberkasten-Hersteller und Produzenten von allerlei Zaubereigerät wie Anton Lackner alias Latony aus Planegg bei München lebten und leben immer noch gut von den alten Tricks, die man hier in der Ausstellung sieht: 200 000 Zauberkästen werden jährlich produziert.

Ein Film als Einstimmung zeigt die spektakulären Befreiungskunststücke des Houdini, und irgendwie hat auch Donald Trump Eingang auf den bayerischen Museumsdachboden gefunden: In der Abteilung „Fauler Zauber“ hängt sein Foto unter dem des russischen Mönchs Rasputin. Noch aktueller aber ist ein Stich von 1783, der den angeblich preußischen Offizier Katterfelt zeigt. Der hat mit seinem Sonnenmikroskop eine auf London zurasende Grippe mit all ihren Viren sichtbar gemacht: Wie Covid-19 sehen die allerdings nicht so recht aus. (Uwe Mitsching)

Information: Bis 11. Oktober. Museum Fürstenfeldbruck, Fürstenfeld 6, 82256 Fürstenfeldbruck. Di. bis Sa. 13-17 Uhr, So./Fei. 11-17 Uhr. www.museumffb.de

Abbildung:
Die Fotografie (1903) zeigt, wie der Amerikaner George Brindamour (1870 bis 1941) seine Assistentin schweben lässt (Levitation). (Foto: Museum Fürstenfeldbruck)

 

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