Kultur

Die Liebe zwischen der Päpstin Johanna (Eli Wasserscheid) und Gerold (Christian Sengewald) ist zum Scheitern verurteilt: Der Tod (Lukas Schöttler) lauert im Hintergrund. (Foto: Luisenburg-Festspiele/Florian Miedl)

21.06.2019

Feministisch angehaucht

Die Luisenburg-Festspiele zeigen „Die Päpstin“ als verquere Lovestory

Mit dem Schauspiel Die Päpstin von Susanne Felicitas Wolf (nach dem 1996 erschienenen gleichnamigen Bestsellerroman von Donna W. Cross) bleibt Birgit Simmler, die neue künstlerische Leiterin der Luisenburg-Festspiele, auch im zweiten Jahr ihrer Affinität zu historischen Stoffen treu. Nach dem Ausflug ins frühe 19. Jahrhundert mit Andreas Hofer geht es heuer gar in die Zeit nach Karl dem Großen zurück, in der es – was honorige Wissenschaftler stets bestreiten – für kurze Zeit ein weibliches Oberhaupt der Christenheit gegeben haben soll.

Roman wie Drama schildern die rund 40-jährige Lebensspanne eines in prekärer deutscher Umgebung aufgewachsenen Mädchens bis zu seinem spektakulären Tod bei einer Sturzgeburt während einer päpstlichen Prozession in Rom. In einer Zeit, die von verbrecherischer Gewalt in Familie, Staat und Kirche nur so strotzt und von Naturkatastrophen heimgesucht wird, vollzieht sich der Aufstieg Johannas über eine damals für Mädchen von der Kirche verbotene Schulbildung und die heimliche Existenz als heilkundiger Mönch Johannes im Kloster Fulda zum segensreich wirkenden Leibarzt des amtierenden Papstes. Schließlich wählt das Volk von Rom, der permanenten Intrigen des römischen Adels überdrüssig, den beliebten Ausländer zum Nachfolger Petri auf den Heiligen Stuhl.

Der Tod ist allgegenwärtig

Dem stark feministisch angehauchten Bildungsweg ist ein süßlicher Handlungsstrang beigegeben: die Liebe Johannas zum fränkischen Markgrafen Gerold, ausgezeichnet durch körperliche Stärke und geistige Regsamkeit, Edelmut und Toleranz, antipatriarchalisch und prinzipienfest, lokalisierbar zwischen Regenbogenpresse und Dan-Brown-Heldentum. Es ist von Beginn an abzusehen, dass die Liebe zweier solch hehrer Menschen dem Untergang geweiht ist.

Infolgedessen geht Regisseurin Birgit Simmler geschickt vor, wenn sie den allgegenwärtigen Tod von Anfang an figürlich auf die Bühne stellt; langmähnig, hager, weiß gekleidet und ebenso geschminkt stelzt Lukas Schöttler als moderner Sensenmann durch die Szenerie. Die zahllosen Gewaltexzesse lässt Simmler durch sparsame, von elektronischer Musik begleitete Pantomimik darstellen.

Das Live-Cello und die Off-Einspielungen begleiten atmosphärisch passend das (meist) unvorstellbare Umschlagen von echten in falsche Gefühle, von scheinbaren Hilfsangeboten zu hinterlistigen Intrigen. Die aus dem Franken-Tatort bekannte Eli Wasserscheid und Christian Sengewald geben das zentrale Paar mit der nötigen Mischung aus Pathos und Distanz und lassen den Zuschauer die verquere Lovestory mit wachsender Spannung verfolgen.

Und die Naturbühne, deren Schönheit sich die Luisenburg-Verantwortlichen so oft wie ausgeprägt rühmen? Hier wird sie selten genutzt, im Zentrum der Spielstätte dominieren zwei seitliche Revuetreppen für Auf- und Abtritte und ein diese verbindender, schräger Balkon für Verkündigungen aller Art. Busch, Wald und Fels werden bei Bedarf mit Kunstlicht grün und blau, rot und violett illuminiert, bespielt werden sie nur selten. Der ordentliche Gesamteindruck der Aufführung wird dadurch allerdings nicht beeinträchtigt. (Horst Pöhlmann)

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