Kultur

Matthias Leibermanns Objekt Unschärfe ist ein Raum, in dem Drinnen und Draußen aufgehoben scheinen. (Foto: NMN)

17.04.2014

Filigraner Räumling

Die Installation "Unschärfe" bleibt nicht dauerhaft in Nürnberg – leider

Als ob die Arche Noah vor dem Staatsmuseum für moderne Kunst Nürnberg gestrandet sei, kontrastiert eine riesige Rauminstallation auf dem Klarissenplatz die grandiose Glasfassade des Museums. Wo die Skulptur aufhört und die Architektur anfängt, ist dabei nicht auszumachen. Und so betrachtet, erscheint der Titel Unschärfe berechtigt für das monströse Bau-Kunst-Werk des aus Nürnberg stammenden Architekten Matthias Loebermann (Jahrgang 1964), der es am Institut für Experimentelles Bauen der Hochschule Biberach (Baden-Württemberg) mit seinen Studenten zunächst als Modell entwickelt und jetzt realisiert hat.
Das Objekt zielt vor allem darauf ab, das Phänomen der Unschärfe, des Diffusen und Verschwommenen, das man in der Kunst etwa bei Gerhard Richter und in der Fotografie bei Boltanski kennt, in die Dreidimensionalität zu übertragen. So paradox das klingen mag, es gilt, einen ganz realen „virtuellen Raum“ fern aller Geometrismen zu schaffen, in dem Drinnen und Draußen aufgehoben scheinen.

Schwere Baustahlmatten

Was diesem begehbaren, sechs auf 18 Meter breiten und sechs Meter hohen Pavillon aus 20 Tonnen schweren Baustahlmatten, wie sie für die Armierung von Betonbauten verwendet werden, gelingt: Der Koloss, der auf ebenfalls 20 Tonnen schweren Eisenplatten ruht, erscheint trotz seiner Massivität transparent . Er transzendiert gleichsam seine filigrane Materialität im flirrenden Licht der Sonne oder der Scheinwerfer, die ihn des Nachts geheimnisvoll aufleuchten lassen, ja fast zum Leben erwecken – dann vor allem, wenn Menschen den „Räumling“ chimärenhaft durchschreiten.
Schade, dass dieses faszinierende „morphologische Monstrum“ nur als temporäre Installation staunen macht – dann aber vielleicht auf dem Schrottplatz landet. Als öffentliches Bau-Kunst-Mal stünde es der Stadt Nürnberg auf so manchem schmuck- und kunstlosen Platz gut an. (Fridrich J. Bröder)

Bis 29. Juni. Klarissenplatz, 90402 Nürnberg.

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