Kultur

Karl Nicolais Gouache zeigt "Die Segnung des Friedens" – das Deckenfresko hatte einst Joseph Mages für den im Zweiten Weltkrieg zerstörten Vorgängerbau des heutigen Hotels Maximilian’s geschaffen. (Foto: Kunstsammlungen & Museen Augsburg/Andreas Brücklmair)

22.07.2022

Geschäfte brauchen Frieden

Zeichnungen im Augsburger Schaezlerpalais erinnern an grandiose Deckenfresken aus Patrizierhäusern

Eine historische Ausstellung, die unvermittelt hohe Aktualität erfährt, zeigt derzeit das Augsburger Schaezlerpalais: Pax & Pecunia ist sie überschrieben – so lautete gleichsam die Geschäftsdevise der wohlhabenden Augsburger Kaufleute im 18. Jahrhundert: Nur Friede im Land und in der Welt garantiert Geldeinnahmen, die Bildung von Vermögen und Reichtum. Eine vermeintlich simple Weisheit, die aber, wenn man sie negiert, dramatische Folgen haben kann, wie man gerade heute drastisch erfahren muss.

Ein typisches Medium, diese kaufmännische Botschaft zu vermitteln, war die Freskenmalerei an den Decken der repräsentativen Wohnpaläste des geschäftstüchtigen Augsburger Patriziats. Im Prinzip hatte man diese prächtige und plakative Bildsprache von den großen Adelshäusern übernommen und ließ nun eigene Themen und spezifische Anliegen vielfach von renommierten Künstlern an den Decken der Geschäfts- und Wohnräume, der Treppenhäuser und Festsäle wie auch der Gartenpavillons zu bildhaften, farbenprächtigen Aussagen umformen. Manche dieser Werke wie Gregorio Guglielmis grandioses Freskobild im Schaezlerpalais sind noch erhalten, viele andere jedoch sind zerstört.

Gerettet in Zeichnungen

Und so war es für die Kunstgeschichte ein Glücksfall, dass der Augsburger Stadtrat ab 1936 ein Projekt entwickelte mit dem Ziel, zum einen den Bestand der barocken Deckenmalerei in Bürgerhäusern, der schon von Verfall oder gar Zerstörung durch Bauarbeiten bedroht war, wenigstens durch künstlerische Kopien der Nachwelt zu überliefern, zum anderen aber auch Kopien von den nicht öffentlich zugänglichen Malereien anfertigen zu lassen, um sie einem breiteren Publikum erfahrbar zu machen.

Mit dieser Aufgabe wurde der Maler Karl Nicolai (1883 bis 1949) betraut. Der Anfang des 20. Jahrhunderts an der Königlich-Bayerischen Akademie ausgebildete Künstler hatte in Augsburg schon mit der Restaurierung von Fassadenmalerei und im Umland als Kirchenmaler Meriten gesammelt. Über neun Jahre hinweg fertigte Nicolai 42 Gouachen von Deckengemälden der Bürgerpalais an. Die noch ungeahnt große historische Tragweite dieser Kopierarbeit offenbarte sich drastisch bei der verheerenden Bombardierung Augsburgs im Februar 1944 und verleiht dem Ausstellungsthema Pax & Pecunia eine zusätzliche Bedeutung.

Die Präsentation im Schaezlerpalais umfasst 30 von Nicolais Gouachen aus dem Bestand der Grafischen Sammlung der Kunstsammlungen und Museen Augsburg. Die Schau entstand in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Kunstgeschichte der Universität Augsburg und bietet den Besucherinnen und Besuchern einen Eindruck von der einstigen prächtigen barocken Deckenmalerei in Augsburger Bürgerhäusern und ist gleichzeitig ihr Zeugnis, denn allein von 17 der gezeigten Gouachen sind die Originale nicht mehr erhalten, andere sind nicht öffentlich zugänglich.

Bedeutende Künstler ihrer Zeit hatten die Originale im Auftrag des wohlhabenden Patriziats geschaffen. So Joseph Mages im ehemaligen Hotel Drei Mohren, heute Hotel Maximilian’s, das Fresko Die Segnung des Friedens, dargestellt durch antike Götter und Allegorien. In dieser allegorisch befrachteten Komposition fungiert Merkur, der Gott der Kaufleute, als Friedensbote, und am Gipfelpunkt verkündet der Genius des Friedens diesen mit seiner Posaune und hält dabei einen Ölzweig als Friedenszeichen.

Nicht von ungefähr trifft man in den Gouachen immer wieder auf Merkur, aber auch auf Minerva, die Göttin der Weisheit, und auf Justitia, die Göttin der Gerechtigkeit. Allein im Roeckhaus in der Maximilianstraße hatte Vitus Felix Rigl in vier Kompositionen das variierende Zusammenwirken dieser Gottheiten wie Messlatten für Kaufmannstugenden dargestellt.

Auch andere Themen wurden beauftragt wie die auf antike Götterlegenden zurückgehenden Hochzeitszüge Neptuns und der Amphitrite, die Joseph Anton Huber im Schnurbeinhaus komponierte, oder religiöse Sujets wie die von Johann Georg Bergmüller in der Stadtmetzg geschaffene Allegorie des Glaubens.

Die Gouachen von Karl Nicolai bieten die einmalige Gelegenheit, sich trotz der großen Verluste an raumgebundenen Originalen einen umfassenden Überblick über und Eindruck von den einstmals so opulent geschmückten Palais der Augsburger Kaufmannschaft zu machen, und das noch ohne den sonst fußläufigen Aufwand. (Reiner Oelwein)

Information: Bis 11. September. Schaezlerpalais, Maximilianstraße 46, 86150 Augsburg. Aktuelle Öffnungszeiten unter www.kmaugsburg.de

 

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