Kultur

Mitten im Kriegsgemetzel: Ausschnitt aus „Schlachtfeld“ von Willy Jaeckel, 1915 entstanden. (Foto: MMK Passau)

20.01.2017

Grausames in Nahsicht

Das Museum Moderner Kunst Passau zeigt das vielfältige Werk von Willy Jaeckel

Unter den deutschen Expressionisten ist Willy Jaeckel (1888 bis 1944) wohl eher introvertiert zu nennen. Die Maler der „Verlorenen Generation“, durch zwei Weltkriege sowohl im Schaffen als auch in der Rezeption ihres Werkes beeinträchtigt, wurden nur zögerlich wiederentdeckt. Von der Kunstgeschichte und den Museen nach dem Krieg wenig beachtet, wurden Ausstellungen des gebürtigen Schlesiers Willy Jaeckel in Bayern 1975 und 1987/88 im Kunstforum Ostdeutsche Galerie in Regensburg (damals noch Ostdeutsche Galerie) gezeigt, das sich im nächsten Jahr Jaeckels im Allgäu entstandenen Bibelillustrationen widmen wird. Im Museum Moderner Kunst Passau konzentriert man sich jetzt schwerpunktmäßig auf Landschaften und Bildnisse aus allen Schaffensperioden; daneben sind Grafiken, bisher nicht ausgestellte Zeichnungen und die hochempfindlichen Pastelle zu sehen, deren pudrig weiche Farben Jaeckel begeisterten. In den 1920er Jahren war Willy Jaeckel in Berlin einer der begehrtesten Porträtmaler. Mit Bubikopf und Zigarette, modischer Kleidung und provokantem Körperbewusstsein entsprechen seine Frauenbildnisse ganz dem emanzipierten Ideal der Roaring Twenties. Aufreizend gelangweilt schiebt sich die Dame in Gelb in den Blick des Betrachters. Die Porträtierten fallen durch eine gewisse Distanziertheit auf, zugleich sprechen sie den Betrachter ganz direkt an. Herausfordernd selbstverständlich und ohne Scham bewegen sich die vielen nackten Damen, deren exaltierte Körperhaltungen den Maler in Bann zogen.

Raffinierte Lichtführung

Ein Ausstellungssaal ist den Landschaften gewidmet. Mit ihrer raffinierten Lichtführung ziehen sie den Blick in den Bildraum hinein. Leider haben vor allem diese Bilder durch ungünstige Lagerung und unsachliche Transporte gelitten und bedürften dringend der Restaurierung – auch das ist eine Folge zweier Kriege, die nicht nur die Künstler, sondern auch die Kunst schwer beschädigt haben. Kurz nach seinem ersten Berlinaufenthalt ab 1913 war Jaeckel zum Kriegsdienst eingezogen worden. Aus den Erlebnissen an der russischen Front entstand die Mappe Memento1914/15 mit zehn Lithografien. Sie gehört wohl zum Eindrücklichsten, was man an Kriegsbildern gesehen hat, und stieß nach ihrem Erscheinen auf vehemente Ablehnung. Ohne Umschweife kommen sie zur Sache in nahsichtigen Szenen. Sie sind unmittelbar und machen betroffen, schildern realistisch Grausamkeiten. Jaeckel, der Goyas Desastres de la guerra gesehen hatte, schrieb über seine Lithografien, die teils erlebte, teils aus der Imagination geschaffene Szenen darstellen, sie seien „wohl das Reichste und Menschlichste, was ich geschaffen, aber wiederum dem Gros der Menschen nicht verständlich“. „Die erste Kriegserklärung an den Krieg“ nannte ein Kunstkritiker damals die Szenen, die zehn Jahre vor Otto Dix‘ Kriegszyklus entstanden sind und die man nicht so schnell vergisst – der Schrecken des Krieges ist bestürzend gegenwärtig. (Ines Kohl) Information: Bis 5. Februar. Museum Moderner Kunst, Bräugasse 17, 94032 Passau. Di.-So. 11-17 Uhr.
www.mmk-passau.de

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