Kultur

Prisca Zeisel und Jinhao Zhang tanzen erstmals „Schwanensee“. (Foto: Wilfried Hösl)

11.09.2020

Herausforderndes Debüt

Ray Barras „Schwanensee“-Ballett kehrt zurück nach München

Ray Barras Schwanensee-Version, 1995 eigens fürs Bayerische Staatsballett kreiert, sollte – nach elf Jahren – im März wieder aufgenommen werden. Der Corona-Lockdown erzwang die Verschiebung auf den September, inklusive Hygieneauflagen: Es gibt keine Pause. Wegen der Abstandsvorschriften wurde das Ballett um zehn Minuten gekürzt und das Schwanencorps etwas verschlankt. Das schreckt das Münchner Publikum im Nationaltheater aber nicht ab.

Diese Geschichte ist auch einfach zu gut – im Grunde auch sehr modern: Siegfrieds Mutter will die Thronfolge gesichert sehen. Der Prinz fühlt sich nicht berufen. Melancholisch veranlagt, driftet er ab in eine Traumwelt. Mit seinen noch ungerichteten Gefühlen gerät er zwischen das Idealwesen Odette und die vom Zauberer Rotbart manipulierte Verführerin Odile: drei hochspannende, aber auch sehr schwierige Rollen. Obendrein sind es für die Solist*innen Debüts (die gesamte Besetzung ist neu). Eingerechnet die lange Zeitstrecke, in der das Ensemble sich lediglich zu Hause in Form halten konnte, muss man hier behutsam urteilen.

Prisca Zeisel, technisch durchgehend solide, ist eine sehr junge, unschuldige Odette/Odile. Man hat den Eindruck, dass sie sich noch nicht wirklich in das Wesen der beiden Frauenfiguren hineingefühlt hat. Jedenfalls wird diese anspruchsvolle Doppelrolle sie künstlerisch weiterbringen. Glänzend gestützt und gehoben wird Zeisel von Jinhao Zhang. Darstellerisch lässt sein Siegfried jedoch noch die Kontur eines tragischen Traumverlorenen vermissen. Und Emilio Pavans Rotbart verliert sich ein wenig in der verschatteten Bühne.

Das mag an der insgesamt veränderten Bühnensituation liegen: Um coronagerecht einen größeren Abstand für die Musiker zu gewinnen, ist der Graben ins Parkett hinein erweitert und auch erhöht. Das ergibt optisch andere Perspektiven und einen anderen Orchesterklang. Wobei Dirigent Tom Seligman wohl ohnehin auf dramatische Lautstärke setzt, zudem pointiert auf Tempo. In der Schnelligkeit – man verzeihe die Ironie – hat Prisca Zeisels Schwanenkönigin da olympiareif alle Rekorde gebrochen.

Neuer „danseur noble“

Corona zum Trotz hat sich das Staatsballett widerstandskräftig und auch glanzvoll gezeigt. Laurretta Summerscales als Siegfrieds Verlobte Charlotte bringt in ihrem Pas de deux mit Jinhao Zhang die neoklassisch fließende Handschrift von Ray Barra zum Leuchten. Ganz ähnlich der prächtig besetzte Pas de six zu Beginn des Balletts. Herausragend darin wie auch als Siegfrieds Freund Benno: der hochgewachsene Dmitrii Vyskubenko. Technisch geschliffen, elegant, dabei immer uneitel, profiliert er sich immer mehr als der „danseur noble“ des Ensembles. (Katrin Stegmeier)

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