Kultur

Nadine Zeintl begeistert als Polly Peachum. (Foto: Marie-Laure Briane)

22.07.2020

Herrlich verrucht und dreckig

Brechts "Dreigroschenoper" zum Gärtnerplatz-Finale

Eine Spielzeitpremiere ist nicht unbedingt die Rede wert. In Corona-Zeiten ist allerdings alles anders. Das gilt vor allem dann, wenn gleich mehrere Gesangssolisten auf der Hauptbühne gemeinsam agieren: manchmal auch als kleiner Chor. Wenn noch dazu die Aufführung erstmals nach der Wiedereröffnung im generalsanierten Stammhaus steigt, darf von einem veritablen Ereignis gesprochen werden.

Genau das gilt für die Wiederaufnahme der Dreigroschenoper von Bertolt Brecht und Kurt Weill. Mit ihr hat das Gärtnerplatztheater in München jetzt sein großes Spielzeitfinale eingeläutet. Besser und zugleich frecher hätte dieses Finale nicht werden können. Das ist nicht zuletzt den Darsteller*innen zu verdanken. Ganz überwiegend wurde herrlich verrucht gesungen und gespielt.

Das galt vor allem für die verknöchert strenge Peachum-Gattin von Dagmar Hellberg und Julia Klotz als hurende Spelunken-Jenny. Wie Hellberg die Ballade von der sexuellen Hörigkeit ausgestaltet hat: Da wähnte man sich mitten im frivolen Berlin der 1920er-Jahre. Schon zuvor hat sie die berühmte Moritat von Mackie Messer eingeläutet: ganz stilgerecht mit "dreckiger" Schärfe.

Das hätte Maximilian Mayer aufgreifen können. Sein Ganove Macheath wirkte im Gesang bisweilen etwas zu brav und zu nah am Chanson. Dafür aber gab Nadine Zeintl eine hinreißend aufmüpfig-naive Polly ab, um gesanglich vor allem als Seeräuber-Jenny zu brillieren: ganz großartig gespielt. Auch Erwin Windegger als Bettlerbaron Peachum sowie die Lucy von Anna-Katharina Tonauer fügten sich wunderbar in das Ensemble ein.

Doch der eigentliche Knüller war das Dirigat von Anthony Bramall. Unter der musikalischen Leitung des Briten liefen die Musiker*innen des Gärtnerplatztheaters einmal mehr zur Höchstform auf. Es ist eine schiere Freude zu erleben, wie stilsicher und kenntnisreich sich Bramall in unterschiedlichste Epochen und Genres hineinlebt: vom Barock bis hin zum jazzigen Varieté- und Salon-Mix von Weill. Mit Bramall hat das Gärtnerplatztheater einen echten musikalischen Schatz. (Marco Frei)

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