Kultur

Ausschnitt aus Hans Makarts "Ophelia" (1871). (Foto: bpk/Museum Georg Schäfer/Peter Leutsch)

15.09.2023

In Shakespeares Bann

Eine Ausstellung im Museum Georg Schäfer in Schweinfurt reflektiert einen Hype des 19. Jahrhunderts, dem nicht nur Adolph von Menzel erlag

Die Shakespeare-Begeisterung des 19. Jahrhunderts, deren Anfänge eigentlich schon in der Epoche des Sturm und Drang bei Goethe zu beobachten sind, erfasste früh auch den jungen Adolph von Menzel (1815 bis 1905) und inspirierte ihn zu Zeichnungen. So skizzierte er während der Besuche von Aufführungen im Berliner Schauspielhaus Szenen aus King Lear, Richard II., Der Kaufmann von Venedig und Hamlet von William Shakespeare (1564 bis 1616). Später waren ihm diese Skizzen Grundlagen für Illustrationen von Buchausgaben des Dramatikers. Das Schweinfurter Museum Georg Schäfer hat nun aus seinem Bestand und mit Leihgaben unter dem Titel Shakespeare-Hype im 19. Jahrhundert eine Sonderausstellung mit dem Schwerpunkt auf Menzels gezeichneter Begeisterung für den englischen Dichter zusammengetragen.

Hofiertes Genie

Eigentlich war Menzel berühmt für seine Bilder des kaiserlichen Hoflebens in Berlin (einige Beispiele werden in der Schau gezeigt). Er galt als Genie, als „kleine Exzellenz“ (er war nur 1,40 Meter groß), und wurde selbst von anderen porträtiert, etwa von Jan Pieter Veth. Schon mit 21 Jahren entwarf Menzel eine arabeske Rahmenleiste für eine englische und deutsche Shakespeare-Gesamtausgabe. Seine Euphorie für die Shakespeare-Thematik hielt 55 Jahre an.

Vom Shakespeare-Hype wurden aber auch andere Künstler erfasst, wie Wilhelm von Kaulbach für ein Shakespeare-Album. Die Trivialisierung des Dramatikers manifestierte sich zum Beispiel in bunten Sammelbildchen zum Leben des Dichters. Auch die hochdramatischen Vorgänge in dessen Theaterstücken reizten etwa Johann Heinrich Füssli zu einer Darstellung von Macbeth in der Schlüsselszene des ersten Aktes oder Hans Makart zu einem nachempfundenen Gemälde der Ophelia, als sie schon den Verstand verloren hat. Hamlet inspirierte auch Chodowiecki zu einer Serie von Stichen.

Als sich 1864 in Weimar die Shakespeare-Gesellschaft gründete, scharte man sich um die Plastik des in einer genialischen Pose dargestellten Dichters, nun im Gipsmodell zu sehen. Als aber Menzel 1850 sein Shakespeare-Porträt schuf, orientierte er sich an einer Buchausgabe von 1623 und stellte ihn als einen erfolgreichen, selbstbewussten Mann dar, im Pelzmantel, mit dem Geburtshaus im Hintergrund und unter dem berühmten Maulbeerbaum. Menzel befasste sich bis zum Bild Heinrich VIII. beim Tanz mit Anna Boleyn (1870) immer wieder mit Szenen aus Shakespeares Dramen. Das belegt etwa auch der Kupferstich von Hamlet und Polonius (1840).

Theater auf Tour

Die Ausstellung schließt mit einem interessanten Blick auf die Shakespeare-Inszenierungen des berühmten Meininger Hoftheaters, das ab 1874 mit Schiller- und Shakespeare-Aufführungen ganz Europa bereiste und großen Einfluss hatte auf die Bühnenproduktionen im deutschsprachigen Raum, wie etwa die Beispiele von Regisseur Max Reinhardt oder von Schauspieler Josef Kainz zeigen. Die reisende Theater-Unternehmung des „Theaterherzogs“ Georg II. von Meiningen, belegt durch dessen eigenhändige Zeichnungen von Figurinen oder Bühnenbildern, begann mit Shakespeares Hamlet und endete mit dessen Komödie Was ihr wollt. (Renate Freyeisen)

Information: Bis 22. Oktober. Museum Georg Schäfer, Brückenstraße 20, 97421 Schweinfurt. www.museumgeorgschaefer.de

Abbildung: "Hamlet und Polonius" (um 1840) von Adolph von Menzel.    (Foto: bpk/Kupferstichkabinett SMB, Dietmar Katz)

 

 

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