Kultur

Vor fast 100 Jahren erschien Mickey Maus erstmals auf der Leinwand. (Foto: Disney)

21.04.2023

Jedi-Ritter verbannen Mickey Mouse

Die Ausstellung „Disney 100“ in München feiert das Märchenhafte in den Werken des Gründers – doch heute hat der Konzern andere Schwerpunkte

Donald, die Ente, ist in der Ausstellung fast verschwunden, und Mickey, die Maus, dient nur noch als Maskottchen. Mit den typischen weißen Handschuhen und einem sternenbesetzten Magierhut in Anlehnung an Goethes Zauberlehrling lädt der kleine Mäuserich zu Disney 100 in der Kleinen Olympiahalle in München. Dort weht ein Hauch des alten Zaubers, der einst zwischen Baracken und Stechpalmen in einem Vorort von Los Angeles begann und Kinder in aller Welt begeisterte dank der universell verständlichen Geschichten und Bilder. Und seinen Erfinder Walt Disney (1901 bis 1966) zum erfolgreichsten – und reichsten – Comiczeichner der Welt machte. Wer noch persönlich mit ihm zu tun hatte, nennt drei Merkmale des Chefs: ein Gespür für Adaptionen von Stoffen, Begeisterung für Tricktechnik und das Gewähren von Kreativität.

Doch die heutigen Chefs im Disney-Imperium sehen den Schwerpunkt des Unternehmens längst in anderen Formaten – vor allem im Star-Wars-Universum. Seit der Konzern die Rechte an der Weltraumsaga von deren Erfinder George Lucas gekauft hat, presst man aus der Idee das Maximum heraus: immer neue Geschichten aus der Zeit vor, während und nach der Zerstörung des Todessterns. Nach der Ablegerserie über den Mandalorianer folgte eine über den Kopfgeldjäger Boba Fett, dann über Obi-Wan Kenobi und nun über Anakins Padawan Ahsoka, dazu diverse Ablegerfilme etwa über Han Solo. Nun soll auch noch die Genealogie der Familie Skywalker um drei weitere Episoden erweitert werden. Jedem Jedi sein Streaming. Dabei sollte die durchwachsene Erfahrung mit Sequels die Disney-Bosse gelehrt haben, dass man auch die spannendste Geschichte nicht endlos weiterspinnen kann; Märchen wirken schließlich auch durchs Ungesagte. Und weil die Ausstellung das Geschichtenerzählen fokussiert, wird die Geschichte des Wirtschaftsunternehmens Disney – das derzeit mit Problemen zu kämpfen hat – nur gestreift.

Gut, das kann man auch ignorieren und einfach eintauchen in die Opulenz des Gezeigten. An der Ausstellung haben die Disney-Archivare unter Leitung von Becky Cline gemeinsam mit Kurator*innen des deutschen Produzenten Semmel Exhibitions getüftelt. Der Weg führt durch zehn Stationen, die für die wichtigsten Aspekte der Arbeit und des Charakters des Firmengründers stehen. Rund 250 Originale sind ausgestellt – darunter die erste gezeichnete Mickey Mouse. Die stammt übrigens nicht von Walt Disney, sondern von seinem Freund und Geschäftspartner Ub Iwerks.

Überhaupt war Disney selbst nicht mal so sehr der geniale Erfinder, sondern eher ein begabter Verwerter – der seinen Mitarbeitenden nicht immer den ihnen zustehenden Anteil am Erfolg zubilligte; Carl Barks, der nicht minder geniale Erfinder von Donald Duck, konnte davon ein Lied singen.

Das allerdings wird in der Ausstellung nicht thematisiert, auch nicht der Antisemitismus Walt Disneys. Sein 1933 erschienener Trickfilm Die drei kleinen Schweinchen zeigte in der ersten Fassung den bösen Wolf als hinterhältigen Hausierer mit Stereotypen vermeintlich jüdischer Charakteristiken. Und 1938 traf Disney sich mit Leni Riefenstahl, der Lieblingsregisseurin von Adolf Hitler, um Filmprojekte zu besprechen; zu denen kam es dann nicht mehr. Der kommerziell erfolgreichste Trickfilm aus seinem Studio – Bambi – verleugnete ebenso die jüdische Abstammung des Autors der Originalgeschichte, Felix Salten, wie er die Handlung verkitschte. (André Paul)

Information: Bis 3. September. Kleine Olympiahalle, Olympiapark München, Spiridon-Louis-Ring 21, 80809 München.www.disney.de/disney100

 

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