Kultur

So sehen die Bauarbeiten der Theater-Spielstätte im Innenhof der Kongresshalle in Nürnberg derzeit aus. (Foto: dpa/Daniel Löb)

05.08.2025

Kultur statt Größenwahn: Neues Opernhaus am Nazi-Bau wächst

Ambitioniertes Projekt mit schwierigem Erbe: ein neues Miteinander soll entstehen

Der Bau eines neuen Opernhauses an der von den Nazis erbauten Kongresshalle in Nürnberg macht Fortschritte. Bühne, Orchestergraben und Zuschauerraum sind in dem Rohbau nach gut acht Monaten Bauzeit schon erkennbar. Aktuell wachsen die Außenwände nach und nach in die Höhe. Danach folgt die Deckenkonstruktion. Die Bauarbeiten liegen der Stadt zufolge voll im Zeitplan, voraussichtlich im Frühjahr 2026 könnte Richtfest gefeiert werden.

Das Opernhaus auf dem ehemaligen NS-Reichsparteitagsgelände soll dem Staatstheater als Ersatzspielstätte dienen, solange das historische Opernhaus in der Innenstadt saniert wird. Dieses soll nach Angaben der Stadt 2028 passend zum Beginn der neuen Spielzeit in das neue Quartier ziehen. Dafür entstehen in der Kongresshalle Büros, Werkstätten und Proberäume für die Oper und das Ballett.

Hochkultur trifft freie Kunstszene

Das Ganze ist Teil eines 296 Millionen Euro schweren Kulturvorhabens, allein die Ersatzspielstätte wird 85,5 Millionen Euro kosten. Dabei sollen in dem denkmalgeschützten Bauwerk auf mehr als 7.000 Quadratmetern Ateliers und Veranstaltungsräume für die freie Kunst- und Kulturszene entstehen. Diese sollen gleichzeitig mit der neuen Opern-Spielstätte eröffnen, sagte Nürnbergs Kulturbürgermeisterin Julia Lehner (CSU).

Damit ist künftig mehr als die Hälfte des hufeisenförmigen Baus mit Kultur belebt. Den Plänen der Nazis zufolge sollten in der Kongresshalle 50.000 Menschen den NS-Größen während ihrer Reden zujubeln. Wegen des Zweiten Weltkriegs haben die Nazis das Bauwerk aber nie fertiggestellt: Es existiert nur ein Rohbau, der Treppenhäuser und Toiletten beherbergen sollte. Zuschauersaal und Dach fehlen.

Damit ist die Kongresshalle auch ein architektonisches Zeugnis vom Scheitern des Nationalsozialismus. Um ihre Nutzung als Kulturstätte wurde in Nürnberg lange gerungen. Das Opernhaus soll deshalb eine Gegenposition zum baulichen Größenwahn der Nazis sein. Der Entwurf sieht einen begrünten Kubus vor, der zurückhaltend vor der monumentalen Kongresshalle wirken soll.

Nach und nach sollen nach derzeitigem Planungsstand Rankpflanzen wie Efeu, Wilder Wein, Winterjasmin und Singgrün das Gebäude überwuchern. Dafür entsteht ein Stahlgerüst mit Netzen vor der Fassade, an denen die Pflanzen hochwachsen können.

Zu Beginn werde das noch wenig begrünte Opernhaus einen "ruppigen Eindruck" machen, erläuterte Projektleiter Josef Kraus vom Bauunternehmen Georg Reisch. "Das allmähliche Zuwachsen des Hauses soll erlebbar gemacht werden und ist Teil des Architekturkonzeptes."

Über eine gläserne Brücke soll das Publikum von der Kongresshalle ins Opernhaus gelangen und so mit Blick auf das historische Bauwerk eine Verbindung zur Geschichte herstellen.

Zeit im Ausweichquartier nutzen

Synergien zwischen freier Kunstszene und etablierter Theaterkultur erhofft sich Lehner in der Kongresshalle. Die Zeit im Ausweichquartier sei auch eine Chance für das Staatstheater, in Ruhe auszuloten, wie sich Theater in den nächsten Jahrzehnten verändern werde, sagte sie.

Pläne und Kostenvorschläge für die Sanierung des historischen Opernhauses liegen ihr zufolge noch nicht vor. Erst müsse das Kulturareal an der Kongresshalle fertig gestellt und mit Leben gefüllt werden, dann werde man weitersehen, betonte sie.
(Irena Güttel, dpa)

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!
Die Frage der Woche

Soll das Ehegattensplitting abgeschafft werden?

Unser Pro und Contra jede Woche neu
Diskutieren Sie mit!

Die Frage der Woche – Archiv
X
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

Beilagen

> Das neue vbw Unternehmermagazin ist online

Bundesforschungsministerin Dorothea Bär will mit ihrer Hightech-Agenda Deutschland technologisch auf ein neues Level bringen. Im Gespräch mit dem vbw Unternehmermagazin spricht sie über die Herausforderungen.

> Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung ist online

Die Suche nach dem sichersten Ort für unseren Atommüll ist eine staatliche Jahrhundertaufgabe. Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung stellt vier Menschen vor, die diese Mission bei der Bundesgesellschaft für Endlagerung mit ihre

> Änderung der Gemeindeordnung

Liebe Leserinnen und Leser des Kommunalen Taschenbuchs, die Gemeindeordnung des Freistaats Bayern hat sich am 23. Dezember 2025 nach Redaktionsschluss (14. November 2025) nochmals geändert. Die entsprechenden Seiten können Sie hier herunterladen.

Jahresbeilage 2025

Nächster Erscheinungstermin:
28. November 2026

Weitere Infos unter Tel. 089 / 29 01 42 54 /56
oder
per Mail an anzeigen@bsz.de

Download der aktuellen Ausgabe vom 28.11.2025 (PDF, 16,5 MB)

E-Paper
Unser Bayern

Das kunst- und kulturhistorische Online-Magazin der Bayerischen Staatszeitung

Abo Anmeldung

Passwort vergessen?

Geben Sie Ihren Benutzernamen oder Ihre E-Mail ein um Ihr Passwort zurückzusetzen. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an: vertrieb(at)bsz.de

Zurück zum Anmeldeformular 

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Abo Anmeldung

Passwort vergessen?

Geben Sie Ihren Benutzernamen oder Ihre E-Mail ein um Ihr Passwort zurückzusetzen. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an: vertrieb(at)bsz.de

Zurück zum Anmeldeformular 

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Unser Bayern - Nachbestellen

Aktuelle Einzelausgaben des Online-Magazins „Unser Bayern” können im ePaper der BSZ über den App-Store bzw. Google Play gekauft werden.