Kultur

Benedetta Musso und Lucas Praetorius in "UnHeaven", choreografiert von Martina La Ragione. (Foto: Wilfried Hösl)

04.02.2021

Lustvolle Bewegung

Im Live-Stream: Das Bayerische Junior Ballett präsentiert sich als ungewöhnlich homogenes Ensemble

Junge Menschen so hinreißend tanzen zu sehen – was für ein Glücksmoment. Alle Bühnen sind zwar zur Zeit in den Corona-Schlaf verbannt, aber bei dem Live-Stream aus dem Münchner Nationaltheater mit dem Bayerischen Junior Ballett (BJB) hat man's schlicht vergessen. Dass diese 16 Tänzerinnen und Tänzer aus ganz Europa,  Kanada, Australien und den USA zu einem so homogenen Ensemble zusammengewachsen sind, das ist schon außergewöhnlich. In der Staatsopern-Reihe „Montagsstücke“/Ausgabe XII konnten sie in drei Choreografien darüber hinaus auch ihre stilistische Flexibilität zeigen.

In „Stimmenstrahl Trio“ von 2017 des ehemaligen Staatsballetts-Mitglieds Maged Mohammed (Musik: Jacopo Salvatori/Rachmaninow) folgt man entspannt dem tanzenden Trio in seinem ruhigen, fast meditativen neoklassischen Mit- und Umeinander. Martina La Ragione, hierorts schon Assistentin von Staatsballett-Gast Simone Sandroni, wagt sich vor zu einer Überblendung von Post-Neoklassik und Tanztheater. In ihrem „Unheaven“ von 2020 zu „Tanzende Faune“ des 18jährigen Carl Orff gehen, taumeln, liegen die Akteure in einem Feld von weißen Federn, treffen sich auch zu kurzen Paarbegegnungen. Sehr schön die traumartige Atmosphäre, getragen auch von den an die französischen Impressionisten (Debussy natürlich) erinnernden Klangfarben.

Aber es fehlt doch noch eine packende Struktur, ein gehaltliches Zentrum – wie es Jörg Mannes‘ „Unsterbliche Geliebte“ bietet. Ob man jetzt in dieser Münchner Kreation zu Beethovens 4. Klavierkonzert (am Pult Myron Romanul mit der einfühlsamen jungen Pianistin Julia Hermanski) eine Liebesbeziehung des Komponisten herausdeuten kann oder nicht, ist unerheblich. Mannes, ein erfahrener Ballettchef und Choreograf, hat sich ganz auf das junge Ensemble eingestimmt, auf körperliche Biegsamkeit, gewährt ihm Alter gemäß eine spielerische Leichtigkeit.

Die 16 Tanzenden nehmen laufend, auch in flachen oder hohen Sprüngen den Raum ein, überlassen dann den Soli, Pas de deux, trois und quatre die Tanzfläche. Und flattern wieder wie Vogelschwärme herein. Es ist ein ständiger, aber ganz selbstverständlich wirkender Wechsel zwischen Einzelperformance und Ensembleformation, jeweils stimmig dem Klavierkonzert „abgehorcht“.

Alles wirkt dabei so ganz ohne Kraftanstrengung. Nie wird Bravoura vorgezeigt. Die Körper, auf schlanke, lange Muskeln trainiert, haben noch eine „Tanz-Unschuld“, sind noch nicht gezeichnet von jahrelangem Training und  ungezählten Vorstellungen. Die Ports de bras werden auch nie klassisch gesetzt. Im Gegenteil: die Arme sind in einem unentwegten Schwingen.

Mannes hat hier einen ganz eigenen choreografischen Stil gefunden, der vor allem eines ausdrückt: die Lust an der Bewegung in der Musik, letztlich die ungetrübte Lebensfreude von jungen Menschen. Man schaut und schaut, fließt irgendwie mit in diesem Strom. Und fühlt sich heiter. Wie oft passiert uns das in diesen Tagen?

Die am Ende eingeblendeten hymnischen Lobes-Mails waren immerhin ein kleiner Applausersatz. Und freuen können sich Ivan Liska, sein Team und das BJB über 8000 Zuschauer! Eine schöne Anerkennung just zum 10. Geburtstag der Junior Compagnie. (Katrin Stegmeier)

Information: Bis zum 5. März unter staatsoper.de/on-demand zu 4. 90 Euro

 

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