Kultur

Christian Thielemann. (Foto: BRSO/Ackermann)

19.04.2021

Markiger Auftakt

Christian Thielemann debütiert beim BR-Symphonieorchester

Die Auswahl von Werken kann viel über einen Dirigenten verraten. Bei Christian Thielemann ist das ganz besonders der Fall. Sein Debüt beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks (BR) ließ er mit der feierlich schmetternden Fanfare „Wiener Philharmoniker“ für Blechbläser und Pauken von Richard Strauss beginnen. Das passt vortrefflich zu Thielemann, und zwar nicht nur weil Strauss zu seinen großen Lieblingen zählt. Er mag es martialisch.

Für Thielemann scheinen Reibereien mit markigen Worten eine Art Lebenselixier zu sein. Wo immer er wirkt, sind die Spannungen vorprogrammiert. Das war schon bei den Münchner Philharmonikern so, wo seine Zeit als Chefdirigent 2011 mit viel Ärger endete. Seither wirkt Thielemann in Dresden. Als dort Serge Dorny zum Intendanten der Semperoper berufen werden sollte, polterte Thielemann lautstark gegen ihn an.

Jetzt beerbt Dorny bekanntlich Nikolaus Bachler an der Bayerischen Staatsoper. Auch mit Bachler hatte sich Thielemann zuletzt gründlich zerstritten. Deswegen endet 2022 Thielemanns Zeit bei den Osterfestspielen in Salzburg, wo Bachler als neuer Intendant wirkt. Auch in Bayreuth gab es schon dicke Luft. Dafür verlief das jetzige Debüt von Thielemann beim BR vergleichsweise reibungslos.

Dabei offenbart der Mitschnitt einer Probe, wie sehr Thielemann generell jedes Orchester als Befehlsempfänger versteht. „Gut!“, ruft er, während die BR-Truppe spielt. Oder: „Jetzt anders! – Und ein bisschen mehr.“ Als Dirigent möchte er eben das Sagen haben. Mit dieser autoritären Haltung wirkt Thielemann viel älter als Dirigenten wie Mariss Jansons und Claudio Abbado, die längst verstorben sind, oder Bernard Haitink.

Ein echtes Debüt von Thielemann beim BR war es freilich nicht, denn: Einige Mitglieder des BR spielen regelmäßig im Sommer bei den Wagner-Festspielen in Bayreuth im Orchester mit. Für seinen Einstand hat Thielemann einen echten Thielemann kredenzt: Strauss und Robert Schumann, deutsche Romantik eben im weitesten Sinn. Genau das ist seit jeher das Stamm-Repertoire von Thielemann. Alles andere wird schwierig.

Ursprünglich sollte die Fünfte Sinfonie von Anton Bruckner gespielt werden, aber sie ist im Zeichen von coronabedingten Einschränkungen zu groß besetzt. Dafür erklangen mit der „Sonatine für 16 Blasinstrumente“ Nr. 1 von Strauss für Holzbläser sowie Schumanns „Sinfoniette“ op. 52 Werke, die man viel zu selten im Konzert erlebt. Noch dazu war der Besetzungs-Mix mit Werken für Blech, Holz sowie mit Streichern in Corona-Zeiten sehr klug gewählt. Einmal mehr konnte das BR-Symphonieorchester seine ganzen Stärken umfassend präsentieren.

Und eines muss man Thielemann lassen: Das deutsche Repertoire ist und bleibt seine ganz große Stärke. Mit glasklarer Durchhörbarkeit wird die Fraktur der Sonatine freigelegt, und Schumanns „Sinfoniette“ besticht mit ungeheurem Charme. Warum nur muss sich Thielemann ständig wie ein Haudegen gerieren, wenn es auch anders geht? (Marco Frei)

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