Kultur

Detail aus der Titelseite eines Bandes, der Jahresrechnung der Pfarrkirche Eggstätt für das Jahr 1744 enthält. Unter anderem diesen Band hat das Erzbistum München und Freising an die Staatlichen Archive Bayerns abgegeben. (Foto: Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising)

22.06.2022

Mehr Klarheit für die Forschung

Archivalientausch zwischen den Staatlichen Archiven Bayerns und dem Archiv des Erzbistums München und Freising

In der Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns wurde ein bedeutender Archivalientausch zwischen den Staatlichen Archiven Bayerns und dem Archiv des Erzbistums München und Freising vollzogen. Dabei übergaben Generaldirektorin Margit Ksoll-Marcon und Archiv- und Bibliotheksdirektor Johannes Merz einander symbolisch insgesamt 543 Urkunden, Bände und Akten, die künftig jeweils in einem Archiv der Gegenseite verwahrt werden, nachdem sie durch verschiedene historische Umstände vor längerer Zeit ins „falsche“ Archiv gelangt waren. Ein solcher Tausch ist im Archivwesen ein zwar fachlich anerkanntes, jedoch nicht sehr häufiges Vorgehen.

Vom Archiv des Erzbistums wurden an die Staatlichen Archive zwei geschlossene Unterlagenkomplexe abgegeben:

1. Unterlagen der Stiftungsadministration Wasserburg: Bei der Stiftungsadministration handelt es sich um eine staatliche Behörde, die von 1807 bis 1817 die Vermögensverwaltung und Rechnungslegung für alle Kirchen, Bruderschaften und anderen kirchlichen Stiftungen im ehemaligen Pfleg- bzw. Landgericht Kling wahrnahm. Dafür standen ihr auch ältere Serien von Kirchenrechnungen zur Verfügung. Insgesamt handelt es sich um 146 meist umfangreiche Bände mit Rechnungen der Kirchen in den Pfarreien Eggstätt, Eiselfing, Evenhausen, Grünthal, Höslwang, Obing und Schnaitsee aus den Jahren 1700-1803, sowie 78 weitere Bände und Aktenkonvolute aus den Jahren 1672-1847. Die Unterlagen wurden 1985 vom Archiv des Erzbistums von der Empore der Pfarrkirche Schnaitsee geborgen, wohin sie auf unbekanntem Weg gelangt waren.

2. Professurkunden des Zisterzienserklosters Kaisheim (bei Donauwörth): Die 96 Urkunden aus dem Zeitraum 1575-1727 wurden meist von den Novizen eigenhändig auf Pergament geschrieben, die damit ihren Eintritt in die Klostergemeinschaft vollzogen. Sie wurden bei der Säkularisation der bayerischen Klöster 1803 offenbar nicht wie das übrige Klosterarchiv von den staatlichen Archiven übernommen und kamen über die Sammlung des historisch überaus interessierten Münchner Dompropstes Martin von Deutinger (1789-1854) ins Archiv des Erzbistums.

Die vom Archiv des Erzbistums abgegebenen Unterlagen werden künftig in den jeweils zuständigen staatlichen Archiven verwahrt und schließen dort Lücken in der Überlieferung: die Unterlagen der Stiftungsadministration im Staatsarchiv München, die Kaisheimer Professurkunden im Staatsarchiv Augsburg.

Von staatlicher Seite wurden dem Archiv des Erzbistums vielfältige Einzelstücke übergeben. Bei der in den letzten Jahren im Bayerischen Hauptstaatsarchiv vorgenommenen genaueren Analyse der Bestände, in die die Freisinger Archivalien im 19. Jahrhundert eingeteilt worden sind, haben sich als zur geistlichen Verwaltung gehörig herausgestellt. Nach der Säkularisation des Hochstifts Freising 1802 war die Trennung zwischen Unterlagen der geistlichen Verwaltung, die bei der Freisinger Bistumsverwaltung verblieben und heute den Altbestand des Archivs des Erzbistums bilden, und solchen der weltlichen Regierung des geistlichen Fürstentums Freising, die mit der Übernahme von dessen Territorien vom neuen Landesherrn übernommen wurden, nicht immer sauber vollzogen worden, was nun durch den Archivalientausch korrigiert wird.

Aus dem Hauptstaatsarchiv gingen an das Archiv des Erzbistums 222 Archivalien der geistlichen Regierung des Bistums Freising (Offizialat, Geistlicher Rat bzw. Geistliche Regierung, Generalvikariat) aus den Jahren 1418-1802 mit sehr vielfältiger Thematik. Sie betreffen u.a. Synoden, Visitationen, kirchliche Ehegerichtsverfahren und Klöster im Bistumsgebiet.

Die dem Archiv des Erzbistums übergebenen Unterlagen werden in nächster Zeit in die entsprechenden Verzeichnisse eingearbeitet, dann gescannt und online im Digitalen Archiv des Erzbistums zur Nutzung bereitgestellt.

Der nun vollzogene Tausch bedeutet eine wesentliche Vereinfachung für die Forschung. Er ist überdies ein weiterer Beleg für die seit Langem bestehende Zusammenarbeit zwischen den Staatlichen Archiven und dem Archiv des Erzbistums, die sich u.a. in der Mitwirkung kirchlicher Archive an der Ausbildung staatlicher Archivarinnen und Archivare und in der gemeinsamen Beteiligung an wissenschaft-lichen Projekten zeigt. (BSZ)

Abbildungen (von oben):
Urkunde von Papst Innozenz XI. an den Offizial des Bischofs von Freising, den Fall des Melchior Gerg und der Ursula Wartenhauser zu untersuchen, mit Vollmacht, sie vom Ehehindernis der zu nahen Verwandtschaft zu dispensieren, 1. April 1677. Die Urkunde befand sich bislang im Bayerischen Hauptstaatsarchiv - fortan im Archiv des ERzbistums München und Freising  (Foto: Bayerisches Hauptstaatsarchiv)

Ab sofort in Obhut der Staatlichen Arhive Bayerns befindet sich diese Professurkunde des Novizen Frater Georg Molitor (Müller) vom 13. Oktober 1613. (Foto: Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising)

Symbolischer Vollzug des Archivalientauschs:: Die Generaldirektorin der Staatlichen Archive Margit Ksoll-Marcon  und Johannes Merz, der Direktor von Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising. (Foto: Bayerisches Hauptstaatsarchiv)

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