Kultur

Derbe Gesellen: Jürgen Skambraks als Leubald, Lukas Stühle spielt den Flamming. (Foto: Studiobühne Bayreuth e.V.)

09.08.2024

Meucheln am laufenden Band

Die Studiobühne Bayreuth spielt Richard Wagners Jugendwerk „Leubald“

Richard Wagner hatte schon als Schüler viel Shakespeare, Goethe und Kleist kennengelernt, sich für Webers Freischütz begeistert und verfasste mit Leubald selbst ein Schauerdrama, zu dem es eigentlich auch Musik geben sollte. Dazu musste der damals erst 15-jährige Wagner aber erst das Komponieren lernen: Etwas in der Art von Beethovens Egmont-Schauspielmusik sollte es wohl werden. Komponiert hat er später aber dann doch lieber Die Feen, und von der typischen Wagner-Musik gab es im Laufe der Zeit immer mehr.

Medley zum Mitraten

Und so sitzt bei dieser Leubald-Inszenierung der Studiobühne Bayreuth Hans Martin Gräbner neben der Bühne am Piano und spielt ein Medley aus allen möglichen späteren Wagner-Opern, vom Fliegenden Holländer ebenso wie aus Tristan und Isolde. Besonders letztere Oper passt zu dem Stück der rauchenden Schwerter und todbringenden Felsbrocken. Über dem toten Paar Leubald und Adelaide sinkt schließlich auch die Amme Gundchen im Liebestod zusammen – es gibt insgesamt 42 ruchlos Gemeuchelte.

Trotzdem sind es vergnügliche anderthalb Stunden, in denen die Schwerter vor Blut triefen, jeder Hosenlatz zur Notzucht offen steht und sich die Adelsgeschlechter von Burg zu Burg bekriegen. Ja, auch dieses Motiv brauchte der junge Richard nicht selber zu erfinden: Das unbefangene Changieren zwischen Tragödie und Komödie kannte man seit den englischen Theatertruppen des 18. Jahrhunderts, die sich auf Entertainment zwischen Geisterspuk, Hexentanz oder Ritterfehden verstanden.

Fürs Publikum ist dieser Leubald ein köstliches Ratespiel: Welches sind die Quellen, die hier sprudeln? War das aus Macbeth, dem Freischütz mit dem frommen Klausner oder aus Hamlet? Danach sieht jedenfalls der Titelheld aus: Jürgen Skambraks spielt den Leubald in schwarzen Strumpfhosen und als zwischen Blutdurst und Todessehnsucht schwankenden Dänenprinzen wie einst die legendäre Sarah Bernhardt: „Morden, morden!“, ist die Devise.

Das späte Genie erahnen

Wilde Perücken, perfekte Maskeraden, drastische Unterleibserforschungen beim Hexentanz: Die Studiobühne ist in ihrem Element. Uwe Hoppe führt nicht nur Regie, sondern spielt selbst auch den Leubald-Rivalen Roderich, der brutal abgestochen wird, aber dann als Gespenst herumgeistert. Wer Wagner kennt, wird hier vieles finden, was später zu großer Kunst mutierte: Alberich im Kartoffelsack und sein Sohn Hagen mit Hosenträgern sind heute Regietheater und „Gesamtkunstwerk“. Auch die Diarrhö von Wagners Texten nahm schon beim Leubald ihren Anfang. (Uwe Mitsching)

 

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