Kultur

Ben Schobel (schwarz gewandet) hat als Mrs. Alice, der Geist, der aus dem Handy stieg, alle im Griff. Das Szenenbild aus "Der verrückte Handyladen" zeigt außerdem von links: Magda Stieg als Frau Eigelb, Marina Granchette als Verkäuferin Alice, Sebastian Killinger als Mugdan und Sebastion Brummer, der den Ladenbesitzer Herrn Trumpf ebenso spielt wie den fiesen Rechtsanwals van Haylen und den Moderator Tim Tilman. (Foto: Hofspielhaus)

17.11.2017

Mörderischer Handy-Horror auf Minibühne

Uraufführung von Thomas Erich Killingers Musical "Der verrückte Handyladen" im Münchner Hofspielhaus

Es umweht etwas Mephistophelisches diese Mrs. Alice, die sich bald als „Mr.“ outet: der Geist, der aus dem Handy stieg, den der Jung-Verkäufer Mugdan rief, weil so ein sprechendes Ding den maroden Handyladen wieder florieren lassen könnte. Der Geist liefert – und ergreift peu à peu Besitz von jedem. Er will die ganze Welt erobern. Und geht dabei über Leichen – das heißt, er beherrscht das Manipulieren perfekt, morden tun nämlich die anderen. Sein desaströser Schleichzug durch die Gehirne der Menschen braucht Antrieb – sein Akku lädt sich auf von all den Geschichten, den Sorgen und Wünschen, die ihm die Menschen telefonisch anvertrauen.

Der verrückte Handyladen heißt das Musical, das am intimen Münchner Hofspielhaus seine Uraufführung feierte.

Aber, die Story kommt einem doch irgendwie bekannt vor? Ja, aus all den Studien über die krankhafte Handysucht – aber doch auch von der Musicalbühne? Richtig! Der kleine Horrorladen hieß das einmal und hatte 1982 in New York Premiere, zog von dort aus erfolgreich rund um die Welt. Thomas Erich Killing hat sich bei diesem Plot reichlich bedient: Bei ihm ist es halt nur nicht mehr die Monsterpflanze in einem dahinwelkenden Blumenladen, sondern das Mega-Smartphone, das ein mörderisches Eigenleben entfaltet.

Trotz dieser unverhohlenen Adaption (bis hin zum dramaturgischen Kniff der drei Erzählerinnen und des fiesen Verlobten der niedlich-naiven Angestellten): Dank der schauspielerischen Spielfreude versprüht dieses Musical, das Hofspieltheater-Intendantin Christiane Brammer inszeniert hat, liebenswerten Charme und kommt gerade für ein junges Publikum gallig-mahnend rüber. Star des Abends ist Ben Schobel als Mrs. Alice – der Mann hat schon für Ex-Beatle Paul McCartney auf riesigen Tourneebühnen getanzt, die Minibühne des Hofspielhauses hat er vom ersten Moment an im Griff, in körperlicher Präsenz ebenso wie gesanglich. (Karin Dütsch)

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