Kultur

Mit der Wiedereröffnung macht das Museum Villa Stuck seine Fachbibliothek erstmals öffentlich zugänglich. Die Bücher werden in Regalen und auf Tischen präsentiert. Zum größten Teil sind sie aber in Kartons verpackt. (Foto: Museum Villa Stuck, Jann Averwerser)

10.02.2026

Museum Villa Stuck: Eine Bibliothek in Umzugskartons

Nach umfänglicher Restaurierung fordert das Münchner Museum Villa Stuck seine Besucher mit einer ungewöhnlichen Ausstellung zum Mitmachen auf

Eine richtige Ausstellung ist das eigentlich nicht. Sie soll es auch gar nicht sein. Vielmehr handelt es sich um eine Einladung der Münchner Villa Stuck zum Mitmachen – bei der Diskussion und Gestaltung der hauseigenen Bibliothek dieses nicht nur dem Malerfürsten Franz von Stuck gewidmeten Museums an der Prinzregentenstraße. Denn das war nach umfänglicher Restaurierung im Oktober wiedereröffnet worden – aber eine Frage blieb offen: Was machen wir mit unserer Fachbibliothek?

„Es gab nie eine Bibliothekarin im Haus“

Als Kuratorin machte sich Sabine Schmid Gedanken dazu und erfand ein partizipatives Projekt: Sie nannte es Von Büchern und Bibliotheken, mit Möglichkeiten der Publikumsbeteiligung in drei Räumen und mit den verschiedensten Optionen einer Bibliothek. Was, wie, wo will das Museum künftig seine Bibliothek haben: aus Büchern, „die wir selbst herausgeben, die wir zu bestimmten Forschungsaufgaben zukaufen, die wir von anderen Museen und Ausstellungen bekommen“, zählt Schmid auf und gibt zu: „Es gab nie eine Bibliothekarin im Haus, entsprechend war in den letzten Jahren viel Unordnung.“

Danach sieht es auch jetzt noch aus: Viele Umzugskartons entdeckt man, aber auch Vorschläge und Texte, wie man damit umgehen könnte, provisorische Regale. Und damit verkörpert das Stuck-Projekt etwas, das alle Leute, die mehr als nur ein Regal voller Bücher besitzen, sehr gut kennen: Wie geht man damit um, wenn es zu viele Bücher werden, wenn man – nach dem Umzug – nichts mehr findet?

Sicher hübsch, dekorativ und ästhetisch, aber vielleicht nicht mit Garantie zum Wiederfinden ist die Ordnung nach Farben. Die, nun ja, Ausstellung macht im ersten Raum auf kargen Blechregalen einen Vorschlag mit blauen und roten Bücherrücken, erinnert an Editionen in gleicher Buchgröße, grafisch identischer Aufmachung (Suhrkamp). Für zu Hause wäre das durchaus schön und passend zu den Wohnzimmersofas – aber für eine Bibliothek? Also betritt man eher ratlos Raum Nummer zwei mit seinen von Besucherinnen und Besuchern aufgetürmten, angelesenen Bücherstapeln, vielen Wandtexten, die es auch gebunden als Folianten gibt: mit Zitaten aus Büchern, die sich mit Bibliotheken beschäftigen – ein bibliophiles Objekt.

Zufallsfund beim Blättern (Georges Perec): „Jede Bibliothekentspricht dem Bedürfnis, bestimmte Dinge (Bücher) aufzubewahren und die Manie, sie auf eine bestimmte Art und Weise zu ordnen. Eine Bibliothek, die nicht geordnet wird, verfällt in Unordnung.“ Und da fällt dem Autor (Kurze Anmerkungen über die Kunst und die Art und Weise, seine Bücher zu ordnen) noch eine Menge mehr ein, wie geordnet werden könnte: nach Alphabet von Verfassernamen und Buchtiteln, Einbänden, Erscheinungsdaten, Gattungen, Kaufdatum, Kontinenten und Ländern, Lesepriorität, literarischen Epochen, Reihen oder Sprachen.

Aber man stellt genauso schnell fest, dass jeder Vorschlag für sich allein nicht zufriedenstellend ist. Auch weil etwa bei den Ordnungsvorschlägen in Raum eins noch ein einheitlicher Stapel war: Bücher über und aus München. Wenn Schmid gerade in ihrer Ausstellung präsent ist, kommen Gespräche mit Gästen zustande, werden Ideen diskutiert, von denen die schlechteste sicher die wäre, eine Bibliothek bei anstehender Neuordnung einfach aufzulösen: wie bei der des Bayerischen Rundfunks mit 80 000 Bänden, worüber der ehemalige Bibliothekar jetzt noch jammert.

Genau das ist es, was in der Villa Stuck nicht das Ergebnis der Aktion, die noch bis Anfang März zu sehen ist, sein sollte. Denn gerade hat man in der bibliophilen Zitatensammlung gelesen: „Eine Bibliothek ist nicht nur für Bücher, sondern auch ein Raum für Menschen.“ Und es liegen auf einem langen Tisch die Ordnungsversuche von früheren Ausstellungsbesuchern.

Bald werden die Bücher wieder eingepackt

Vielleicht haben sich manche auch an den Lesetippkarten orientiert, die Bücher empfehlen: vielleicht solche, die sich mit „Bibliotheksgeschichte“ beschäftigen oder mit den Konstruktionskontexten „europäisch“ oder „sozial“. Für den Eröffnungstermin im Oktober wurden die Bücherkartons aus dem Keller im zweitenStockwerk geschafft, im März werden die Bücher wieder eingepackt. 

Viele Gedanken aber werden immer noch diskutiert: das Mobiliar der neuen Bibliothek betreffend, die Möglichkeiten der wissenschaftlichen Recherche und des öffentlichen Zugangs, die Vorteile des analogen Kunstbuchs mit seinen Abbildungen gegenüber einer Digitalisierung. Spannend ist die Ausstellung der Villa Stuck also nicht wegen ihres gegenwärtigen Bestands, sondern wegen dem, was daraus wird. (Uwe Mitsching)

Bis 8. März 2026. Museum Villa Stuck, Prinzregentenstraße 60, 81675 München. Dienstag bis Sonntag 11-18 Uhr, Mittwoch 11 bis 20 Uhr.
www.villastuck.de

 

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