Dass Töne Emotionen auslösen, ist unbestritten: Sie zaubern Menschen ein Lächeln ins Gesicht oder rühren sie zu Tränen. Manche Melodien bleiben ein Leben lang in Erinnerung, sind mit guten oder schlechten Erlebnissen verknüpft. Doch Musik kann mehr. Die Forschung belegt: Musik verändert sichtbar Hirnregionen. Wie konkret sich Hören, Singen und Musizieren auf Menschen und die Gehirnfunktionen auswirken, steht im bundesweiten Wissenschaftsjahr 2026 unter dem Titel „Medizin der Zukunft“ im Fokus. Auch in Bayern.
Seit Mai 2026 gibt es etwa zwischen der Hochschule für Musik (HfM), dem Universitätsklinikum (UKW) und der Julius-Maximilians-Universität – alle drei Lehranstalten in Würzburg – eine neue Vereinbarung, die von Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume bewilligt wurde: In den Bereichen Musik, Medizin und Forschung wollen sie die Kooperation nun systematisch ausbauen.
Im Mittelpunkt der Kooperation, die sich MusiCare nennt, steht hier sowohl die gesundheitliche Förderung von Musikerinnen und Musikern als auch die Erforschung der Wirkung von Musik auf den Menschen über den gesamten Lebenszyklus hinweg. Außerdem wird der Aufbau eines speziellen Kompetenzzentrums für Musikergesundheit in Würzburg gefördert.
Auch an der Technischen Hochschule in Würzburg-Schweinfurt (THWS) sind die dort Lehrenden eng vernetzt, in internationalen, interdisziplinären Forschungsprojekten tätig. Bisher gesammelte Daten weisen nach, wie Musik im weitesten Sinne die geistige Entwicklung und die Neuroplastizität des Gehirns fördert. Der Fokus liegt dort unter anderem auf der Erhöhung der Lebensqualität bei Demenz. Studierende der THWS können schon seit 2021 im Zwei-Jahres-Rhythmus ihren Master im Fach Musiktherapie für Empowerment und Inklusion ablegen. Aktuelle Projekte erforschen den Einfluss von Online-Musiktherapie auf Depressionen und die Beziehungsqualität bei pflegenden Angehörigen. Neu daran ist: Man bezieht bei dieser musiktherapeutischen Intervention nicht nur Menschen mit Beeinträchtigungen, sondern aktiv deren Angehörige und Pflegende mit ein.
In Augsburg ist es das Leopold-Mozart-Zentrum, das heute als eines der bayerischen Zentren für musiktherapeutische Forschung gilt. In enger Kooperation mit der Medizinischen Fakultät und dem Universitätsklinikum liegt hier ein Schwerpunkt auf dem psychodynamischen Störungs- und Therapieverständnis bei psychischen Erkrankungen. Zudem veranstaltet die Universität die europaweit renommierte „Werkstatt für musiktherapeutische Forschung“, um den neuesten Wissenschaftsstand anderer Länder zu vereinen. Und an Münchens Hochschule für Musik und Theater wird im Bereich Kunst und Gesundheit, hier unter den Oberbegriffen Musikpsychologie und Musikermedizin, beraten, diagnostiziert und therapiert.
Wissenschaftliche Konzertreihe
Wer sich an keiner Universität zum Thema einschreiben mag, kann in der Landeshauptstadt am 8. November die wissenschaftliche Konzertreihe „Noten und Neuronen: Musik für die Gehirngesundheit“ besuchen. Initiator und Neurologe Theodor Rüber veranschaulicht dem Publikum im Bergson Kunstkraftwerk neueste Erkenntnisse aus Forschung und Lehre in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE).
Selbst am Universitätsklinikum Bonn (UKB) sowie an der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn tätig, will der Mediziner so der breiten Öffentlichkeit darstellen, wie Musizieren und Musikhören sowie unterschiedliche Musikstile die Gehirngesundheit beeinflussen – und diese Wirkung vor Demenz schützt.
Die Besonderheit beim Münchner „Noten und Neuronen“-Konzert: Starharfenistin Magdalena Hoffmann, Opern-Bariton Konstantin Krimmel, ein Streichquartett des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks (BRSO), Chor und Orchester des Universitätsklinikums Bonn gestalten den musikalischen Teil der Tagesveranstaltung.
Die Wirkung von deren Livemusik wird mit moderner medizinischer Bildgebung und aktuellen Erkenntnissen der Neurowissenschaften auf der Bühne verknüpft und erklärt – mit dem ersten portablen MRT-System der Welt. Dieses bildgebende Verfahren zeigt vor Ort, was in einzelnen Hirnregionen passiert, wie Musik die geistige Entwicklung und die Neuroplastizität des Gehirns fördert.
Wer will, kann via App Teil des musikalischen wie wissenschaftlichen Experiments werden. Kurzvorträge aus der Hirnforschung vermitteln zudem spannende Einblicke in den jüngsten Forschungsstand und Wissenschaftler wie auch Rüber beantworten vor Ort Fragen rund um das Thema Musik und Gehirngesundheit, um zu zeigen, dass Musik mehr sein kann als „nur“ Musik, nämlich klangvolle Gesundheitsprävention. (Marie-Julie Hlawica)
Noten und Neuronen. Musik für die Gehirngesundheit. Bergson Kunstkraftwerk, Sonntag, 8. November, 11 bis 14.45 Uhr.
www.bergson.com
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