Kultur

Visualisierung der künftigen Präsentation. (Foto: GNM)

08.01.2021

Neu in Szene gesetzt

Das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg gestaltet seine Spätmittelalterhalle um. Die Eröffnung ist für Ende 2023 geplant

Das ausgehende Mittelalter war die hohe Zeit der Kunst in Nürnberg, die Stadt war ein internationales Zentrum der Kunstproduktion. „Und wir haben davon einen hochkarätigen Sammlungsbestand mit größter Strahlkraft“, sagt Markus Huber stolz. Am Germanischen Nationalmuseum Nürnberg (GNM) ist er der Sammlungsleiter für Skulpturen bis 1800 – und derzeit kümmert er sich intensiv um die „Spätmittelalterhalle“. Diese ist auch ein architektonisches Glanzstück aus den frühen 1960er-Jahren. Sep Ruf hatte einen „großartig luftigen Raum mit einer Glasfassade zum Ehrenhof hin“ geschaffen, sagt Huber ebenso bewundernd wie kritisch, weil die großen Glasflächen museumstechnisch eben sehr problematisch seien. Unkontrollierbare Sonneneinstrahlung und Kondenswasser seien Gift für die Exponate.

Überholte Präsentation

Aber auch jenseits der heiklen Raumsituation empfindet Huber die aus den 1980er-Jahren stammende Gliederung der Bestände nach Kunstlandschaften (bayerisch, fränkisch, oberrheinisch und so weiter) als wenig besucherbezogen und überholt. Heute geht die Tendenz inhaltlich mehr zu kulturgeschichtlichen Themen und baulich zu einer Konzeption, die die Architektur von Ruf zwar wieder zur Geltung bringt, aber bessere konservatorische Bedingungen garantiert: mit der „schönen Holzdecke, den Lichtkuppeln“ und einem Rückbau der Kabinette, die durch Stellwände ersetzt werden. Die Planung der Baumaßnahmen begann vor 2018, die Eröffnung der ertüchtigten Spätmittelalterhalle soll 2023 sein. Beteiligt sind neben Huber ein Architekt, Restauratoren und Mitarbeiter für die Planung der Projektvermittlung.

Die Spätmittelalterhalle ist der größte Ausstellungsraum für die immens große GNM-Sammlung aus dieser Zeit. Aber nicht der einzige: Viele weitere Räume des alten Kartäuserklosters mit seinen Kreuzgängen, dem Refektorium, den Lichthöfen und den Mönchshäusern beherbergen die Spätmittelalterbestände. Die Halle ist der erste Teil einer baulich-inhaltlichen Neukonzeption, die sich über Jahre hin erstrecken wird.

Es geht in erster Linie um die sakrale Kunst des Spätmittelalters – sie macht etwa 90 Prozent der Kunst zwischen 1350 und 1500 aus. In einer Überlappungsphase ändert sich dieser Schwerpunkt dann hin zur Renaissance. Albrecht Dürer löste Veit Stoß und Adam Kraft, die Meister der spätmittelalterlichen Kunst, ab.

Zuordnung revidiert

Bei der inhaltlichen Neukonzeption müssen sich Huber und sein Team am GNM mit jedem Objekt individuell beschäftigen. Sie machen dabei interessante Entdeckungen. Zuletzt bei einer Figur, die 140 Jahre lang Tilman Riemenschneider zugeordnet war – aber höchstens aus seiner Werkstatt stammt.
Die neue Aufstellung orientiert sich an aktuellen Forschungsthemen: zum Beispiel zu den einstigen Großwerkstätten. So wird die Ausbreitung von Riemenschneiders Werken und denen seiner Würzburger Werkstatt in den Blick rücken, ebenso die unterschiedlichen Qualitätsstufen von der Produktion des Meisters über Werkstattprodukte bis hin zu den Werken der Riemenschneider-Nachfolger. Serienfertigung und neue Reproduktionstechniken sind ein neues Thema, das sich direkt anschließt. Sie waren eine Antwort auf den wachsenden Bedarf an Bildern. Schließlich konnten durch das neue Druckwesen massenweise Vervielfältigungen hergestellt werden, die sich ein breites Publikum leisten konnte und die auch für den Export gedacht waren.

Einige Werkstätten spezialisierten sich auf Gattungen der sakralen Kunst, jene in Brüssel zum Beispiel auf Altäre. Der Vergleich zwischen einstigen Kunstzentren soll in der neu konzipierten Spätmittelalterhalle in den Fokus rücken. Dass Köln auf die Tafelmalerei spezialisiert war, Nürnberg hingegen auf die sakrale Skulptur, will man in einer möglichst veristisch-expressiven Darstellung erklären. Gläubige von damals und Besucher*innen von heute sollen dem biblischen Geschehen in weitgehend authentischer Ausformung gegenüberstehen, in die auch Echthaar, Lederapplikationen, Metall und Glassteine im Dienste eines maximal realistischen Eindrucks einbezogen werden.
Von all diesen Neuerungen, die rund um die Neukonzeption der Spätmittelalterhalle im Gange sind, soll Ende 2021 eine Art Schaufenster erzählen: mit den Objekt-Highlights als Vorgeschmack auf die Eröffnung 2023. (Uwe Mitsching)

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