Kultur

Auch Drohnen kommen in der modernen Fassung des "Freischütz" vor. (Foto: StaatstheaterNürnberg, Ludwig Olah)

17.04.2026

Nürnberg: Der Freischütz – von Drohnen bedroht

Das Staatstheater Nürnberg zeigt den "Freischütz" im Opernhaus. Nicht bei jedem kommt die moderne Fassung an

Nach etwa 30 Jahren bringt das Staatstheater Nürnberg einen dritten Freischütz auf die Bühne. Man entschied sich für das prominente Regie/Dramaturgie-Team Jossi Wieler/Sergio Morabito und eine hauseigene Überarbeitung des Konzepts.

Die erste Drohne schwebt schon während der Ouvertüre vor dem geschlossenen Vorhang im ausverkauften Opernhaus. Der Freischütz ist ein Stück über Gewalt, Angst, Psychosen, schamanenhafte Urkräfte und moderne Überwachung durch die Befehlszentrale. Es spielt in einer Szenerie mit Felsen, Grotten und wild wucherndem Wald. Diese Atmosphäre gibt auch Roland Böer mit dem Philharmonischen Orchester vor: stramm, wuchtig, scharfkantig gegliedert, in getragenen Tempi und einer Betonung der dunklen Farben.

Daran gewöhnt man sich, nicht jedoch an die Stimmen aus dem Off: Was nicht Musik ist, das wird über eine Tonspur per Lautsprecher vermittelt. Das sollte wohl bedeutungsvoll wirken, war aber eher Tongetümmel. Ironie ist ohnehin nicht angesagt. Da werden Menschen zur Zielscheibe und schnell abgeräumt, und zur Arie „Durch die Wälder“ des verzweifelten Jägerburschen Max mit seiner Versagensangst fliegen die Drohnen wieder ein. Mit dem Gast Tristan Blanchet ist das ein klar ansprechender Tenor ohne viel lyrisches Flair. Nicht sonderlich gemütlich wohnt seine Braut Agathe in einer Blechhütte im Wald, im gemeinsamen Bett mit ihrer Kusine Ännchen von den schamanenhaften Waldgeistern bewacht. Der sehnlichst erwartete Max streift zunächst als riesiger Keiler ums Försterhaus herum.

Julia Grüter lenkt von alldem als wunderbare Agathe ab – die einzig wirklich überzeugende Gesangsleistung. Die Wolfsschlucht ist mit ein paar Pappkulissen schnell aus dem Schnürboden geholt, Max hangelt sich mehr artistisch als schauerlich zu Caspar herunter, der die Freikugeln köchelt. Darüber zittert das virtuelle Fadenkreuz eines Flugzeugangriffs. Natürlich spielt der Chor im Freischütz eine wichtige Rolle. Hier der „Jungfernkranz“ und der „Jägerchor“ attacca nacheinander, die Sängerinnen in eleganter Bürgerlichkeit ohne alle folkloristischen oder deutschtümelnden Elemente kostümiert. Die Jäger im Smoking.

Bravos und Buhrufe des Publikums

Es fällt schwer, die verschiedenen Ansätze und Einfälle auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Angst und Gefährdung einer etablierten Gesellschaft könnten dieser sein. Der den Knoten lösende Eremit ist nur eine Figur aus dem Märchenbuch und der „böhmische Fürst“ Ottokar ein junger Mann aus dem Opernstudio: So viel er auch aufstampft, er bleibt ratlos. Caspar (Seokjun Kim) stirbt am Proszenium, verlassen von der Drohnenführung durch die Kommandozentrale. Er würde sowieso ein Outcast bleiben in dieser Westernsiedlung in den Rockies, die sich am Ende im deutschen Wald zusammenschiebt. Auch dafür Bravos und Buhrufe. (Uwe Mitsching)
 

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