Kultur

Von Hana Ramujkic stammt das Bühnenbild. Den ganzen Abend über prangt der Schriftzug „Wollen Sie das?“ über der Bühne. (Foto: Bayerische Theaterakademie August Everding, Cordula Treml)

20.03.2026

Packendes Musiktheater in München: Tragik oder Zufall?

Packendes Musiktheater der Bayerischen Theaterakademie August Everding: „Auf und Ab“ von Ingo Kerkhof

Drei Eingänge hat das Labyrinth des Lebens: Vorbestimmung, freien Willen, Zufall – und das alles in einem ständigen Auf und Ab. So heißen jedenfalls die knapp zwei Stunden Musiktheater am Münchner Prinzregententheater und die zwei Einakter, die die Bayerische Theaterakademie August Everding zusammen aufführt – ein „Pasticcio“ mit einem prominenten Regisseur (sehr versiert: Ingo Kerkhof) und dem Bayerischen Rundfunkorchester unter der Leitung von Peter Rundel. 20 Jahre währt nun schon die erfolgreiche Zusammenarbeit von Akademie und Orchester.

Am Ausgang des Irrgartens von Liebe und Zufall steht Beatriz Maia – blutüberströmt als Matrosenfrau in Der arme Matrose von Darius Milhaud. Zusammengespannt wird es mit Die beiden Schüchternen von Nino Rota. Die blumigen Girlanden am Bühnenrand signalisierten feierlich „Hochzeit“, aus der beide Male nichts wird.

Sowohl bei den beiden Schüchternen nach der Geschichte von Suso Cecchi D’Amico mit der schwelgerischen, puccinesken Musik des berühmten Oscar-Preisträgers Nino Rota, in der ein Raimondo und eine Mariuccia für jede Puccini-Hauptrolle geeignet wären (Mose Lee und Rusn(e) Tu(s)lait(e)), aber dann doch den Falschen heiraten müssen, als auch in Der arme Matrose nach Jean Cocteau und mit der Musik von Darius Milhaud gibt es ein tragisches Ende: 15 Jahre lang hat die Matrosenfrau auf die Rückkehr ihres Mannes gewartet, aber beide erkennen sich dann doch nicht. Sie erschlägt den Überraschungsgast, um mit dessen Perlen die Schulden ihres Mannes bezahlen zu können. Missverständnisse, Verwechslungen also auch hier; gespielt von Henrique Lencastre und Beatriz Maia, bühnenreife Darsteller und Sänger (von der Musikhochschule).

Wunderbar schwelgerisches Orchester

Beide Stücke werden durch ein Entr’ acte miteinander verbunden, mit viel Philosophie und Physik, mit den Chansons von drei heftig „beperückten“ Staatsräten à la Turandot, mit einer Fülle von Kostümen – von Hana Ramujkic stammt auch das Bühnenbild, das pro Einakter mal nach rechts, mal nach links schwankt. Es gibt einen attraktiven Erzähler mit Nelke im Knopfloch, dann mit einem engelsgleichen Strahlenkranz (Lovro Kotnik). Und: „Wollen Sie das?“, steht den ganzen Abend lang als Schriftzug über der Bühne.

Für die Bühnenpersonen ist die Antwort klar: Nein. Fürs Publikum gibt es ein wunderbar schwelgerisches Orchester, eine Fülle von treffsicheren Sängerinnen und Sängern in spannenden Szenen: Kriegt er sie, sie ihn, ist der Holzhammermord die Lösung der Lebensprobleme? Solche Geschichten haben die Italiener wie D’Amico und Rota (der hat für alle Fellini-Filme die Musik geschrieben) immer geliebt, man denkt im beziehungsreichen Stück von den Schüchternen an Luigi Pirandello oder beim armen Matrosen an Puccinis Der Mantel.

Überall kippt das Bühnenbild wie das Leben, zum Totschlag gibt es ein spannendes Pauken-Ostinato, und das Ende bewegt sich wie die Videowellen in wortlosen Vokalisen. Das alles ist von packender Tragik, sodass man den Tod der Pianistin im Hochzeitskleid und am Bühnenrand schier übersieht. (Uwe Mitsching)

Die weiteren Termine:

Freitag, 20. März, 19.30 Uhr (18.45 Uhr Werkeinführung)

Sonntag, 22. März, 18 Uhr (17.15 Uhr Werkeinführung)

Dienstag, 24. März, 19.30 Uhr (18.45 Uhr Werkeinführung)

Donnerstag, 26. März, 19.30 Uhr (18.45 Uhr Werkeinführung)

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