Kultur

Sven Heublein, Georg Reichl und Tim Bruening (von rechts) führen gemeinsam die Stiftung und kümmern sich um die Nürnberger Epitaphien. (Stefanie Ulrich)

13.06.2018

Retter in der Not

Eine neue Stiftung will sich um den Erhalt von Epitaphien auf Nürnberger Friedhöfen kümmern

2018 feiern die historischen Friedhöfe von St. Johannis und St. Rochus in Nürnberg 500 Jahre ihres Bestehens. Eng mit der Geschichte der Friedhöfe verbunden ist die Geschichte der Nürnberger Epitaphien. Seit Jahren wird gemahnt, dass die beiden Friedhöfe und damit auch die wertvollen Epitaphien in ihrer Substanz gefährdet sind, doch außer „runden Tischen“ ging nicht viel voran. Jetzt haben Nürnberger Bürger eine Stiftung gegründet, die sich um die Erhaltung und Restaurierung von Epitaphien kümmert.

Die beiden Gründer der Stiftung – Georg Reichl und Sven Heublein – waren sich Ende 2017 einig: Im Jubiläumsjahr der beiden historischen Friedhöfe St. Johannis und St. Rochus muss etwas geschehen. Verschiedene Institutionen – ob Kirche, Friedhofsverwaltung, Epitaphienverein oder Bürgerverein – stellten ein Programm zusammen, um das Jubiläum zu feiern. Für einen Festgottesdienst im Herbst 2018 hat sich sogar der Landesbischof angekündigt. Großer Bahnhof also für ein wichtiges Thema. „Doch beschädigte Epitaphien werden nicht repariert durch große Reden oder ein schönes Jubiläumsprogramm“, sagt Sven Heublein. Und Georg Reichl ergänzt: „Wenn man noch länger redet und nicht endlich handelt, gehen noch weitere Epitaphien kaputt.“

Georg Reichl, vor der Pensionierung bei der Regierung von Niederbayern unter anderem zuständig für Kulturförderung, brachte die Idee einer Stiftungsgründung auf und trieb sie auch voran. Von der Genehmigung durch die Stiftungsaufsicht bis zur Bestätigung der Gemeinnützigkeit lagen viele Hürden vor den Stiftern in spe. „Der große Glücksfall waren vor allem Nürnberger Bürger, die mit teilweise großen Summen die Idee der Stiftung für die Erhaltung von Epitaphien unterstützen. Ein Unterstützer, der ungenannt bleiben möchte, stiftete eine hohe fünfstellige Summe“, erzählt Reichl.

Den Stiftern Reichl und Heublein war auch klar, dass es keine „normale Stiftung“ werden könne: „Bei der momentanen Zinssituation haben Stiftungen, die ja ihr Grundstockvermögen nicht antasten und ausgeben dürfen, große Schwierigkeiten, Förderungen vorzunehmen. Es gibt da leider kaum Erträge. Daher entschieden wir uns für eine Verbrauchsstiftung: Wir können damit das Geld, das uns gestiftet und gespendet wird, voll für die Ziele der Stiftung ausgeben“, stellt Sven Heublein den Unterschied zur „normalen Stiftung“ dar.

Die Nürnberger Epitaphien-Stiftung hat sich eine Satzung gegeben, die auch dafür sorgen soll, dass die Mittel möglichst in Nürnberg bleiben. „Wichtig ist uns, dass Nürnberger Künstler, Handwerker und Betriebe die Aufträge erhalten. Immerhin geht es um das bereits auf bayerischer Ebene anerkannte immaterielle Kulturerbe ‚Nürnberger Epitaphien‘ – da sollten Aufträge für Restaurierungen in Nürnberg vergeben werden“, stellt Georg Reichl klar.

Die Satzung der Stiftung sieht den Stiftungsvorstand als einziges Organ vor. Es gibt also keinen großen „Wasserkopf“ – Entscheidungen können rasch und zielführend getroffen werden. Der Stiftungsvorstand besteht aus drei Vorstandsmitgliedern: Sven Heublein als Vorsitzender des Vorstands, Georg Reichl als dessen Stellvertreter und Tim Bruening als weiteres Vorstandsmitglied.

Neben den Förderungen haben sich die drei ehrenamtlichen Vorstandsmitglieder der Nürnberger Epitaphien-Stiftung weitere Arbeitsschwerpunkte gesetzt: Kontakt zu weiteren Stiftungen, Institutionen und zum Denkmalschutz seien sehr wichtig, um ein Maximum für die Rettung der Epitaphien zu erreichen. Auch lege man Wert auf Vernetzung mit anderen Vereinen, die sich um die historischen Friedhöfe von St. Johannis und St. Rochus und um die Epitaphienkultur kümmerten (vor allem der Bürgerverein St. Johannis und der Verein Nürnberger Epitaphienkunst und -kultur).

Nach dem Motto „Ohne Moos nix los“ bemühen sich die Vertreter der Stiftung um weitere Mittel für die Restaurierung der Epitaphien: „Die Stiftung ist vom Finanzamt als gemeinnützig anerkannt, damit kann man Zuwendungen – ob nun als Spende oder als Zustiftung – steuerlich geltend machen“, so Tim Bruening.  (BSZ)

Information: www.epitaphienstiftung.de

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