Kultur

Wenn der Schwiegersohn in spe ein Zebra ist: Der Film „Unter Menschen“ von Caren Wuhrer spielt herrlich absurd mit Vorurteilen, Toleranz und dem "normalen" Familienwahnsinn. Der Festivalbeitrag ist eine Produktion der Filmhochschule Hamburg. (Foto: Unter Menschen/Filmstill)

10.05.2021

Run aufs Online-Kino

Das Landshuter Kurzfilmfestival rechnet künftig mit einer hybriden Präsenz

„Wir haben mehr Karten verkauft, als wir es uns hätten träumen lassen“, sagt Birgit Horn, die organisatorische Leiterin des 21. Landshuter Kurzfilmfestivals, das am gestrigen Sonntag,  9. Mai, endete. Es war um ein Jahr verschoben worden und fand ganz und gar digital statt - und zwar: sehr erfolgreich: Die rund 230 Filme wurden mehr als 12.000 Mal angeschaut. Birgit Horn begründet diesen Erfolg: „Wir bieten Vielfalt an. Menschen sehen, dass andere Dinge Platz haben.“

Vielfalt hat das Festival deutlich geprägt. Das zeigt auch ein Blick auf die Gewinnerfilme. Da entschieden Jurys – ebenso das Publikum, das sich für einen ganz herausragenden Film entschieden hat: Masel Tov Cocktail von Arkadij Khaet von der Filmakademie Baden-Württemberg. Der Film ist eine witzige Auseinandersetzung um die jüdische Herkunft eines Schülers, der mit ihr viel weniger Probleme hat als alle anderen um ihn herum. Er wird in eine Rolle hineindefiniert, von der er gar nicht einsieht, warum sie seine sein soll.

Wie wehrt man sich gegen solche Fremdzuschreibungen? Der Film zeigt, dass es schon reicht, dessen absurde Aspekte zu ironisieren. Nur ein Beispiel aus Masel Tov Cocktail: Der Protagonist hört, wie Juden angeblich alles beeinflussen wollten. Er konstatiert, das könne gar nicht stimmen, weil seine Eltern es nicht einmal schafften, im Alltag ihn selbst zu beeinflussen.

Auch andere Filme wie Yallah Habibi, hier geht es um eine junge Kurdin, befassen sich mit der Thematik Fremdzuschreibung von jungen Menschen, die doch nur sich selbst finden wollen.

Solche Filme kamen beim Publikum des Kurzfilmfestivals an. Aber: „Präsenz und Begegnungen gehen uns ab. Das fehlt natürlich. Ich bin mir ganz sicher, dass wir nächstes Jahr ein hybrides Festival haben können“, sagt Michael Orth, künstlerischer Leites des Festivals. Hybrid heißt: Filme vor Ort zeigen und im Netz. „Das erweitert den Zuschauerkreis“, sagt Orth: Es gibt Leute, die nicht extra nach Landshut zum Filmschauen fahren können oder wollen. Zugleich gibt es Leute, die durch die Internetpräsenz genau dazu animiert werden.

Netzpräsenz wirkt auch weiter zur Internationalisierung des Programms. Ein Gewinnerfilm wie Gjeteren, ein norwegischer Film um eine kurdische Familie, die durch einen Verkehrsunfall auf die eigene komplizierte Binnenstruktur der Familie gestoßen wird und sie überwindet, zeigt, wie eine multikulturelle Gesellschaft auch in der Kunst ihren menschlichen Ausdruck findet: Zwischenmenschliche Probleme sind immer und überall ähnlich.

Ein Film wie Fließende Grenze von Joana Vogdt wiederum spielt mit der absurden Situation der deutsch-deutschen Grenze mit einer kleinen, herrlich absurden Erzählung, die von perfekt inszenierten Blickbeziehungen und wenigen Worten geprägt wird.

Aus der Not eine Tugend machen: Jetzt erst merke man, wie sehr auf digitaler Ebene in Bayern noch vieles in der Kinderschuhen stecke, sagt Orth. Man müsse zügig aufholen und entwickeln. So, wie sich auch die Filme entwickeln, im Durchschnitt deutlich länger werden als früher, auch, weil die Produktionsmethoden günstiger werden. Die Formate beim Festival waren vielfältig.

Zu den weiteren  Gewinnern gehören Knaller wie der französische Animationsfilm Hot Dog um einen verliebten Hund und seinem heldenhaften Kampf mit einem Rasenmähroboter und die herrlich durchgeknallte spanische Produktion Mi Nombre es Koji um das Realitätwerden des japanischen Manga-Superhelden „Maligner Z“. (Christian Muggenthaler)

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