Kultur

Superlative der Bibliothek: Das älteste Buch ist das "Poeticon Astronomicon" aus dem Jahr 1482. Hier ein Ausschnitt aus der Seite zum Sternbild "Widder" - die gesamte Seite sehen Sie in der Bildergalerie am Ende des Beitrags. (Foto: Deutsches Museum)

24.10.2017

Schätze zum Schmökern

Das Deutsche Museum beherbergt die größte Museumsbibliothek Deutschlands. Am 28. Oktober dürfen Besucher einen Blick in die kostbarsten Buchbestände werfen

Dieser Raum ist das Allerheiligste der Bibliothek. Der Rara-Raum, der Raum der seltenen Bücher. Offen liegen hier jahrhundertealte, handkolorierte Bücher auf einem runden Tisch, die nur mit weißen Handschuhen berührt werden dürfen. Zum ersten Mal dürfen alle Interessierten dorthin, wo das Deutsche Museum seine wertvollsten gedruckten Schätze aufbewahrt. Am Samstag, 28. Oktober, öffnet die Bibliothek des Deutschen Museums auch solche Räume für Besucher, die der Öffentlichkeit bisher verschlossen waren. Himmelsatlanten, Enzyklopädien, Bücher über Handwerksberufe aus der Frühzeit der Buchdruckerkunst, die frühesten Darstellungen Münchens, Erstausgaben von Copernicus und Galileo, aber auch kiloschwere Bibeln oder Bücher zum Ausklappen, die meterlange Kupferstiche in sich bergen. Jedem Menschen, der Bücher liebt, geht hier das Herz auf. Bücherfreunde können die kilometerlangen Regale im Magazin entlanglaufen, die fast eine Million Bände beherbergen und die größte Museumsbibliothek Deutschlands bilden. Oder einen Blick auf die High-Tech-Scanner werden, mit denen das Museum seine Bücher digitalisiert. Jeder Münchner kennt die Ausstellungen des Deutschen Museums. Und viele Studenten haben viele Stunden im Lesesaal der Bibliothek des Deutschen Museums verbracht, weil man da so schön in Ruhe lernen kann. Was sich aber in den Räumen daneben und im Magazin im Obergeschoss verbirgt, wissen die wenigsten. Zeitschriften, die es noch genau einmal vollständig auf der Welt gibt – nämlich hier. Wie eine über Phonographen. Das erste Lufthansa-Magazin. Alte Telefon- und Adressbücher der Stadt München, die sonst kaum jemand aufbewahrt  hat. Und eben die „Libri rari“, jene seltenen 7500 Bücher, auf die das Museum ganz besonders stolz ist und die man sich in einem besonderen Lesesaal ansehen kann. Nach Anmeldung, versteht sich. Zum Tag der offenen Tür muss man sich aber nicht anmelden. Am 28. Oktober kann sich jeder all diese Schätze ansehen. „Wir haben eine Sammlung von seltenen Originalen aus dem 15. bis zum 18. Jahrhundert, von Albertis Architekturtheorie ‚De re aedificatoria‘ über Galileos ‚Dialogo‘ bis hin zu Peter Apians prachtvoll illustriertem Astronomie-Buch“, sagt Helmut Hilz, der die Bibliothek des Deutschen Museums seit 1998 leitet. Oskar von Miller, der Gründer des Museums, wollte einen Ort schaffen, der nicht nur das Schauen und Experimentieren, sondern auch das Lesen und Lernen befördert. „Für sein Ziel, einem möglichst breiten Publikum Naturwissenschaft und Technik nahezubringen, setzte Oskar von Miller von Anfang an neben eindrucksvollen Exponaten auf die Macht der Bücher“, sagt Generaldirektor Wolfgang M. Heckl. „Das hat unser Museumsgründer bereits in der Gründungssatzung von 1903 vorgegeben.“ Und bei der Eröffnung im Jahr 1932 war die Bibliothek ein weltweites Beispielmodell. Sogar die „New York Times“ berichtete in einem Gastbeitrag Millers über diese Bibliothek. Es ist eine andere Seite des Deutschen Museums. Gegenüber dem Ausstellungsgebäude geht es über Steinstufen nach oben und durch die dunklen, schweren Metalltüren zu einem gigantischen Wissensspeicher. „Auch international findet sich nirgendwo sonst ein vergleichbarer Bestand an Original- und Sekundärliteratur zu Natur- und Technikwissenschaften im Zeitraum zwischen 1700 und 1950“, sagt Helmut Hilz. „Natürlich nutzen viele Forscher diese einzigartigen Ressourcen, aber unsere Einrichtung steht grundsätzlich allen offen, die sich für Naturwissenschaften und Technik interessieren.“ Selbst im Lesesaal, wo sonst die Besucher in aller Stille über Büchern und Zeitschriften brüten, wird am Tag der offenen Bibliothekstür ausnahmsweise laut gesprochen: beim Expertendialog über einen Science-Fiction-Klassiker, bei einer Lesung über Werner von Siemens, bei magischen Tricks für schnelles Kopfrechnen oder bei der Unterhaltung zwischen Mensch und Roboter zum Thema „Smarte Maschinen“. Büchertisch und Bücherflohmarkt machen an diesem Tag möglich, was sonst in der Präsenzbibliothek unmöglich ist: Hier können die Besucher nicht nur schmökern und stöbern, sondern die Bücher auch mit nach Hause nehmen – denn das Museum verkauft Bücher, die es mehrfach besitzt. Führungen, Diskussionen und Lesungen gibt es gratis - hier gilt, wie sonst immer in der Bibliothek des Deutschen Museums: Eintritt frei! (BSZ) Information: Deutsches Museum, Museumsinsel 1, 80538 München

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