Kultur

Da geht die Post ab: Rosie (Dagmar Hellberg, Zweite von links) mit ihrem einstigen Bandkollegen Sir Toby (Alexander Franzen) sowie Enkel Vinzenz (Gunnar Frietsch). Rechts Uschi (Frances Lucey), die auch früher mit Rosie rockte. (Foto: Jean-Marc Turmes)

23.12.2022

Sex and Drugs and Rock’n’Roll

„Rockin’ Rosie – Wer länger lebt, ist später tot!“ am Münchner Gärtnerplatztheater ist eine temporeiche und spaßige Hommage an den Musicalstar Dagmar Hellberg

Sie ist eine lebende Legende. Nur wenige Darsteller*innen in der deutschsprachigen Musicalwelt können Dagmar Hellberg das Wasser reichen. Ihre stimmliche Agilität ist einmalig, geradezu süchtig macht ihre lebenssprühende Bühnenpräsenz. Es ist eine schiere Freude, ihr zuzuhören und zuzusehen. Seit 2016 ist die gebürtige Karlsruherin festes Mitglied des Münchner Gärtnerplatztheaters. In diesem Jahr wurde die 65-Jährige von der Staatsregierung zur Bayerischen Kammerschauspielerin gekürt – Grund genug, die Grande Dame des Musicals gebührend zu würdigen. Dies ist im Grunde die Idee des Musicals Rockin’ Rosie – Wer länger lebt, ist später tot!, das der Komponist Wolfgang Böhmer und der Texter Peter Lund für das Gärtnerplatztheater verfasst haben.

Alles dreht sich um Rosie alias Dagmar Hellberg, wobei ein ganz besonders schillernder und schriller Teil ihres Lebens in den Fokus gerückt wird: die wilden 1970er- und 1980er-Jahre. Damals war München anders als heute: nicht so spießig und gentrifiziert, sondern weltläufig und kunterbunt. In Haidhausen brodelte die Subkultur und im Glockenbachviertel eine deutschlandweit bekannte Homo-Szene, legendär waren die Clubs in Schwabing. Ob Freddie Mercury, die Rolling Stones, Led Zeppelin und Deep Purple oder später Madonna und Michael Jackson: Sie alle genossen die kreative Münchner Freiheit und das unbeschwerte Dolce Vita. Damals war München tatsächlich die nördlichste Stadt Italiens und viel cooler als das heutige Berlin. Mittendrin die Hellberg. Als Background-Sängerin mischte sie rege mit, mit ihren Bands machte sie die Clubs unsicher. Mit Thomas Gottschalk moderierte sie die BR-Kultsendung Rock nach acht.

Das jetzt auf der Studiobühne am Gärtnerplatztheater uraufgeführte Musical Rockin’ Rosie spürt dieser Zeit nach, ohne hohl auf der Nostalgiewelle zu reiten. Ganz im Gegenteil: Der Stoff hält nicht zuletzt den jüngeren Generationen einen frechen Spiegel vor. Seht her, so spießig und langweilig seid ihr heute!

Turbulenter Geburtstag

Die Titelfigur Rosie lebt in einer kleinen Wohnung in Schwabing. Ein Wohnzimmer mit Balkon sowie Schlafzimmer, Küche und Bad: Die Bühne und Ausstattung von Rainer Sinell atmen im Stil eine zeithistorische Mischung. Ein großes Plakat mit der singenden Rosie von einst hängt im Flur. In ihrer hübschen Bude mit traumhaftem Mietvertrag von 1988 feiert Rosie inzwischen ihren 70. Geburtstag. An diesem besonderen Tag hat Rosie ihre Band von damals eingeladen: den Rocker Sir Toby (Alexander Franzen), die schrill-naive Uschi (Frances Lucey), den inzwischen etwas senilen Admiral Aki (Frank Berg) und den Manager Manni (Erwin Windegger).

Bevor die Truppe eintrudelt, bekommt Rosie allerdings unerwarteten Besuch. Nach 20 Jahren lässt sich ihre Enkelin Hanna (Florine Schnitzel) blicken und bringt ihren Verlobten Maximilian (Peter Neustifter) mit. Für Hannas schrägen, dauerkiffenden Bruder Vinzenz (Gunnar Frietsch) ist der Verlobte einfach nur ein „Korinthenkacker“: aalglatt und mit Stock im Hintern. Als Architekt möchte Max im Büro seines künftigen Schwiegervaters, Rosies Sohn Stefan (Armin Kahl), einsteigen. Als erster großer Coup schwebt ihm ein Generationenhaus vor, in das auch Rosie ziehen soll. Diese Idee findet Rosie gar nicht gut. Ihr Sohn Stefan soll die Wogen zu glätten. Auch er hat seine Mutter schon ewig nicht mehr gesehen. Dass sich sein Sohn Vinzenz seit Wochen bei Omi Rosie versteckt hält, findet Stefan genauso wenig lustig wie die Tatsache, dass er bislang nicht weiß, wer sein Vater ist.

Aus diesem Geflecht wird ein witziger Stoff, temporeich inszeniert von Nicole Claudia Weber und mit starken Songs. Unter Andreas Partilla am Keyboard heizen die Rockin’ Rosies ordentlich ein. Ein echter Spaß für die ganze Familie! (Marco Frei)
 

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