Kultur

Zur Show um die Wiedereröffnung herum gehörte auch, dass die Festgäste von einer Hofgesellschaft wie anno dazumal empfangen wurden - der „Barockverein Oberfranken“ zeigte seine Kostümschätze. (Foto: dpa)

13.04.2018

Staunende Bewunderer

Nach sechsjähriger Schließung wegen Baumaßnahmen wurde gestern Abend das Markgräfliche Opernhaus Bayreuth wiedereröffnet

Vor „ihrem“ Theater steht Markgräfin Wilhelmine im historisch richtigen Kleid, um sie herum in Kostümen des 18. Jahrhunderts die ganze Hofgesellschaft , die heute „Barockverein Oberfranken“ heißt. Die „Gesellschaft“ von heute ist in gediegener Eleganz auch schon da: zur Wiedereröffnung des Markgräflichen Opernhauses Bayreuth nach sechs Jahren Bauzeit. Bevor der Ministerpräsident eintrifft, hat man Zeit für einen kleinen Rundgang durch diese hölzerne Kostbarkeit des Theaterbaus, den die brandenburgisch-preußische Prinzessin sich als Trost im ungeliebten Bayreuther Ehe-Exil hatte bauen lassen: Einweihung 1748.

Besonders lohnt sich, bevor der neue lindgrüne Vorhang aufgeht, der Blick von den drei Rängen hinunter ins „Weltkulturerbe-Opernhaus“, zu dem jetzt alle Wegweiser in Bayreuth führen. Sicher erstrahlt das jetzt im „alten Glanz“, wie alle Festredner betonen, aber es ist kein aufpoliertes Goldkästchen, das hier wie Münchens Cuvilliéstheater oder Venedigs „La Fenice“ glitzert und glänzt: Das Markgräfliche Opernhaus ist so dezent wie eh und je, alles ist, befreit von Holzschutzmitteln und Übermalungen, heller geworden, nichts wurde überpinselt: wo keine Farbe mehr war, sieht man das alte Holz in den Logen, bei den Brüstungen - natur- und vergangenheitsbelassen.

Inzwischen ist auch Ministerpräsident Markus Söder eingetroffen, im Eröffnungsdauereinsatz an diesem Tag. Sein Anzug passt genau zum Taubenblau der neuen Theaterbestuhlung, Finanzminister Albert Füracker als Hausherr weist ihn in „sein“ Theater ein. Er hatte eben schon die Ehrengäste, darunter die „königlichen Hoheiten“ aus Bayern und Preußen begrüßt und den Tenor für die Eröffnung vorgegeben: „ein einzigartiges Monument barocker Theaterkultur, das zu den spektakulärsten Zeugnissen europäischer Festkultur zählt“.

Markus Söder schwärmt dann in seiner Festansprache von der „unglaublichen Detailverliebtheit“, mit der die Restauratoren und Bauleute sechs Jahre lang und unter schwersten Bedingungen zu Werke gegangen sind. Was da an „Ursprünglichkeit“ wieder zutage gekommen sei, „ist ein Wunder an Stimmung an Farbkraft“.

Dem kann man nur zustimmen: bis ins allegorische Deckengemälde hinauf, bis hin zu den Posaunenengeln, die das brandenburgische Wappen über dem Bühnenportal festhalten. Für den Ministerpräsidenten repräsentiert dieses für 29 Millionen Euro restaurierte Theater „den stärksten Teil Deutschlands“. Das meint er offenbar nicht nur geografisch, sondern er empfindet dieses Bayern als „Kulturstaat“ auch als eine „Basis für Demokratie“.

Der Franke Söder freut sich über diesen „Freudentag“ für Franken und Bayern und strahlt: „Ich bin echt sehr stolz.“

Dem wollte der Präsident der Bayerischen Theaterakademie August Everding München, Hans-Jürgen Drescher, seine Einschätzung von Markgräfin Wilhelmine als „Visionärin“ hinzufügen. Sie habe den Fokus auf das Bühnengeschehen gerichtet und nicht mehr nur auf die Selbstdarstellung des Adels im Logentheater. Und dass die Markgräfin in der Festaufführung von Johann Adolph Hasses Oper „Artaserse“ selbst auftritt, das sei eine „schöne Behauptung, wie sie nur das Theater machen kann“. Hier in einer Aufführung, die die Everding-Theaterakademie erarbeitet hat und die von Bayreuth aus nach München oder Budapest reisen wird. Zu feiern gab es für ihn neben dem wiedergeborenen Theater auch die 25 Jahre Bayerische Theaterakademie - erfunden von einem Theatervisionär der Moderne: August Everding. Ganz in dessen Sinn habe die Inszenierung „Tradition mit heutigen Gefühlen aufgeladen“. (Uwe Mitsching)

Lesen Sie die ausführliche Kritik der Inszenierung von "Artaserse" in der nächsten Printausgabe der Bayerischen Staatszeitung, die am 20. April erscheint.

Abbildungen:
Die Publikumsraum und die Ränge im festliche illuminierten Markgräflichen Opernhaus. (Foto: dpa)
Ministerpräsident Markus Söder schwärmt von der "unglaublichen Detailverliebtheit" des Baus. (Foto: dpa)

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Lesen Sie dazu in der Bayerischen ­Staatszeitung vom 13. Juli 2018 auch die Standpunkte unserer Diskutanten:

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Thomas Mütze, finanzpolitischer Sprecher der Grünen im Landtag

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