Kultur

Theo (Thomas Weber) und Anke (Margret Gilgenreiner) diskutieren und streiten miteinander. (Foto: Landestheater Dinkelsbühl, Pedro Malinowski)

24.01.2026

Szenen einer Ehe, einmal anders

Am Landestheater Dinkelsbühl feierte jetzt das unbedingt sehenswerte Stück „Was war und was wird“ von Lutz Hübner und Sarah Nemitz Premiere

Über die Jahre waren Anke und Theo zusammengewachsen, als Paar und als Eltern. Jetzt sitzen die beiden, ein älteres Ehepaar aus der gutbürgerlichen Mittelschicht, im Theater und warten, dass es losgeht. Anke (Margret Gilgenreiner) und Theo (Thomas Weber) haben einen langen gemeinsamen Weg mit Höhen und Tiefen hinter sich. Das Landestheater Dinkelsbühl feierte mit dem Ehestück Was war und was wird von Lutz Hübner und Sarah Nemitz, einem der bekanntesten Stückeschreiber-Duos, am vergangenen Wochenende eine begeistert aufgenommene Premiere.

Uwe Reichwaldt (Jahrgang 1988) inszenierte es und blickt dabei tief in die Befindlichkeiten seiner Figuren. Sein Regiestudium hatte Reichwaldt 2022 am Max Reinhardt Seminar in Wien abgeschlossen. In der Mitte eine historisch anmutende Gartenszenerie in pastellig schwebenden Farben, in der die eigentliche Vorstellung – bei Reichwaldt denkt man an Kabale und Liebe (Luise: Leonard Graeber, Ferdinand: Yannik Dirksen, beide in historisch angelehnten, knallroten Kostümen) – hätte stattfinden sollen, links daneben eine Raumsituation mit Garderobenflair sowie einem Sofa, auf der rechten Seite die Technik.

Anke und Theo diskutieren und streiten, etwa um ein unnötigerweise gekauftes Programm oder die Unfähigkeit, einen Parkplatz zu finden, stören den Beginn der Vorstellung. Und dann plötzlich stehen die beiden selbst im Scheinwerferlicht, auf das Theater konzentrieren konnten sie sich längst nicht mehr. Zwischen Realität und Erinnerung, einer Art Zwischenwelt, spielen die beiden ihr Leben, blättern es vom ersten Kennenlernen, der ungewollten Schwangerschaft, den Ängsten vor Verantwortung und der Möglichkeit zu versagen, bis zu dem Moment, in dem die Kinder erwachsen und flügge werden, auf. Hin und wieder versehen mit kleinen Abgründen, etwa wenn Theo in Sexfantasien mit dem Kindermädchen schwelgt. Und doch hatten die beiden immer irgendwie einen Weg miteinander gefunden.

Luise und Ferdinand begleiten mit stoischem Blick die Szenerie, reichen den einen oder anderen Gegenstand. Dazwischen ploppen kurz angespielte Szenen aus der Theatervorstellung auf. Klassische Theaterfiguren treffen auf ein Paar von heute, spiegeln oder verhandeln deren Tun. Vielfältig schillernd, mysteriös zudem. Ein Stück Theater mitten im Theater selbst.
Zwischen Poesie und handfestem Alltagstreiben, Erinnerung, Verklärung und Wirklichkeit öffnete die Fassung von Uwe Reichwaldt einen Raum für viele mögliche Entwicklungen, der durchaus auch dem Publikum Platz für eigene Bilder ließ. Frei nach dem Motto: „Wie war das denn bei uns?“ Im Theater, das zeigte die Inszenierung sehr gut, ist vieles möglich, die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeiten können sich verlagern, hin- und hergeschoben werden, Poesie neben Alltag stehen und so neue Bilder und Geschichten entstehen lassen.

Im Rückblick hätte die Liebesgeschichte von Anke und Theo auch ganz anders verlaufen können, dies gedanklich durchzuspielen ist eine Möglichkeit. Unter die Erinnerung an das Gewesene mischte sich auch die Frage, wie es weitergehen könnte. Auch dieser Überlegung stellte sich das Stück, tastete sich an einer möglichen Zukunftsvision entlang. Gedanken an Demenz und Krankheit kamen dazu, etwa wenn Erinnerungen verschwinden oder das Leben durch eine Chemotherapie belastet sein könnte.

Gilgenreiner und Weber loteten Anke und Theo mit viel Empathie aus, ließen sie in ihren vielschichtigen Emotionen und Nöten erlebbar und durchaus verletzlich erscheinen. Das stoisch gleichbleibende Auftreten von Luise und Ferdinand unterstrich und kontrastierte die emotionale Spur der beiden Hauptfiguren sehr gut. Szenen einer Ehe, einmal anders. (Elke Walter)
 

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!
Die Frage der Woche

Soll man Bundesländer zusammenlegen?

Unser Pro und Contra jede Woche neu
Diskutieren Sie mit!

Die Frage der Woche – Archiv
X
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

Jahresbeilage 2025

Nächster Erscheinungstermin:
28. November 2026

Weitere Infos unter Tel. 089 / 29 01 42 54 /56
oder
per Mail an anzeigen@bsz.de

Download der aktuellen Ausgabe vom 28.11.2025 (PDF, 16,5 MB)

E-Paper
Unser Bayern

Das kunst- und kulturhistorische Online-Magazin der Bayerischen Staatszeitung

Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Unser Bayern - Nachbestellen

Aktuelle Einzelausgaben des Online-Magazins „Unser Bayern” können im ePaper der BSZ über den App-Store bzw. Google Play gekauft werden.