Kultur

Georg Friedrich Händels Alcina ist ein Kampf zwischen Rausch und Realität. (Foto: Theater Regensburg, Sylvain Guillot)

27.03.2026

Theater Regensburg: Alcina stirbt im Cellokonzert

Eine mitreißende Aufführung: Georg Friedrich Händels „Alcina“ am Theater Regensburg

Ab Mai wird das Theater Regensburg die Nummer vier der bayerischen Staatstheater, jetzt schon ist es aber die Nummer drei der Theater mit Georg Friedrich Händels Alcina auf dem Spielplan: nach Nürnberg und München. Die Regie von Manuel Schmitt am Bismarckplatz ist die erste Premiere seit der Kür des Regensburger Hauses zur „Oper des Jahres“.

Händels wunderbare Musik von 1735 und eine Handlung, die seither jede Epoche widerzuspiegeln vermochte, war damals die Antwort auf sein Jahr in London, das mit hohen Einnahmeverlusten geendet hatte, und dem Kriegsausbruch im Jahr darauf. Er wollte dem Publikum etwas bieten. So wie jetzt Manuel Schmitt, der nach seiner Ausbildung an der August-Everding-Akademie in München, kleineren Arbeiten an der Bayerischen Staatsoper sowie Inszenierungen in der legendären Bibliothek von Alexandria in Regensburg aufschlug.

Was ist das, fragt man sich, für eine Zauberinsel, die da rot leuchtet im Nirgendwo? Wo man den Ausweis abgeben muss und erst narkotisiert wird von Sicherheitsfuzzis. Wo der Mensch per Plastikkopf zum Schwein wird und besonders Ariosts Kreuzzugsheld Ruggiero hin- und hergerissen ist zwischen der Begierde nach Alcina und seiner früheren Verlobten Bradamante, die ihn der Herrscherin in diesem tristen, grauen Eros-Gulag mit Wachmännern und Schampus-Bewirtung wieder entreißen will. Da mögen für den Filmfachmann Schmitt Autoren wie Dashiell Hammet und Schauspieler wie Humphrey Bogart Pate gestanden haben.

Je länger sich die Zeit in Alcinas Bars und Boudoirs, bei Bradamantes Befreiungsversuchen und Ruggieros Unentschlossenheit hinzieht, umso ungeduldiger kann man als Zuschauer werden – auch angesichts der endlos rotierenden Regalausstattung von Julia Katharina Berndts. Aber Manuel Schmitts Inszenierung muss man von hinten her lesen. Denn der letzte Akt spielt nicht mehr auf Alcinas Insel, nicht am Meeresstrand, wo die Insel schließlich versinkt, sondern in einem Kammermusiksaal mit Konzert.

So überrascht war man selten

Da spielt (bei der B-Premiere) Yong-Jun Lee Händel für Cello, da sind die Reihen gefüllt mit proper gekleideten Gästen – so überrascht war man nach vielen Alcinas noch selten. Denn Arie um Arie erkennt man Ruggiero, Bradamante, Morgana wieder: alle in ihrem bürgerlichen Leben, mit ihren Partnern. Was war das denn für ein Ausflug in Alcinas Zauberwelt? Der von Drogen, Alkohol, Sex und Schweinemasken?

Und wenn sich Alcina, als Einzige in dem gleichen Abendkleid wie auf ihrer „Insel“ auf den letzten leeren Stuhl ganz hinten setzt, dann fängt das „furchtbare Spiel“ noch einmal an. Man erkennt sich wieder auf dem Profilbild seines Smartphones, singt „Ich kann nicht ohne dich“, „Mir bleiben meine Tränen“, Verzweiflung wie Seidenfäden. Bradamantes letzter Rettungsversuch im Sonntagskleid, Ruggiero mit der Pistole – das sind die spannendsten Minuten dieser Aufführung. Und die endet mit dem Schuss auf Alcina, mit einem Ruggiero, der die Scheckkarte zückt und wieder durch die rote Pforte geht. Damit weiß man, was Manuel Schmitt mit der rot leuchtenden Insel gemeint hat.

Trotzdem gilt der Applaus mehr dem hervorragenden Dirigat von Andreas Kowalewicz, dem hinreißenden Ruggiero von Rahel Brede, der glaubwürdigen Bradamante von Polina Artsis und der manchmal eiskalt klirrenden Alcina von Kirsten Labonte.
(Uwe Mitsching)

Weitere Vorstellungen am Freitag, 27. März um 19.30 Uhr sowie am 2., 10., 24. April.
 

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