Kultur

Anna Nicole geizt nicht mit ihren Reizen und Emily Newton, die diese Rolle singt, glänzt auch stimmlich. (Foto: Ludwig Olah)

09.11.2018

Tragisches Busenwunder

Die provozierende Revue-Oper „Anna Nicole“ am Staatstheater Nürnberg

Anna Nicole hängt ihrenmittels Silikon auf Doppel-D vergrößerten Busen als Köder an die Angel, und ein Milliardär mit 89 und der US-Fahne über dem Rollstuhl beißt an. Das ist eine Geschichte wie aus „Prominent“ im Privat-TV, und es hat dieses Busenwunder tatsächlich gegeben. Jetzt gibt es die Story als Oper – hier wie dort mit miesem Ausgang: Der Aufstieg aus texanischen „White-Trash“-Verhältnissen endet ohne das erhoffte Milliardenerbe und Anna Nicole im Sumpf aus Drogen und Suff.

Remake aus Dortmund

2011 war die Uraufführung im Königlichen Opernhaus Covent Garden. Die Musik stammt von Mark-Anthony Turnage, das Libretto von Richard Thomas. 2013 inszenierte Jens-Daniel Herzog die deutsche Erstaufführung in Dortmund, jetzt schickte er das offenbar nahezu identische Remake dieser Boulevardblatt-Biografie auf den Catwalk des Nürnberger Opernhauses.
Die Biografie beginnt und endet im Leichensack für die Supermarktverkäuferin, Tabledance-Tänzerin, den Fernsehstar. Aber erst mal rührt sich was im Leichenschauhaus von Mexia, und Richard Thomas erzählt die Story retrospektiv, manchmal mit den Mitteln des epischen Theaters und mit einer Menge Four-Letter-Words in aller denkbaren Eindeutigkeit. Als Titel für diese„Traviata“ des 20. Jahrhunderts reicht ihm der Name Anna Nicole, die im wirklichen Leben Vickie Lynn Hogan hieß.
Die Revue-Oper soll Kritik am American Way of Life sein und kommt zwischen quietschgrünen Kunst-Kakteen (das wandlungsfähige Bühnenbild ist von Frank Hänig und Norman Heinrich) zum Ergebnis: „Es ist wirklich das Letzte.“
Turnage ist durchaus nicht der Unterschichten-Fußballfan, als der er manchmal verkauft wurde, sondern ein Kind aus musikalischem Hause, durch die erste Garde von Komponisten und Dirigenten gefördert. Er hat eine knallige Musik für Anna Nicole geschrieben, mit witzigen Wahnsinnsarien und -duetten, laut und wo nötig ordinär, vollsaftig instrumentiert mit der Tuba, wenn der Milliardär endlich zum Erguss kommt, manchmal auch nur breit illustrierend.

Überdrehtes Tempo

Nürnbergs neuer erster Kapellmeister Lutz de Veer weiß, wie so etwas in großer Besetzung bis in die Logen hinein funktioniert. Und Herzog heizt das überdrehte Tempo dieser einstigen Publikumsprovokation ordentlich an. Er hat mit Emily Newton auch wieder das Busenwunder der Dortmunder Inszenierung zur Verfügung: stimmlich, körperlich üppig genug. Zudem sind da so intensive Darsteller wie Almerija Delic aus dem neuen Nürnberger Ensemble. Es ist schwer für alle anderen, sich in den unzähligen Nebenrollen als skurrile Typen mit irrwitzigen Tenorhöhen oder breitem US-Slang wirklich zu profilieren.
Das Premierenpublikum reagierte in geradezu hysterischer Begeisterung. Aber was macht man mit der Schulplatzmiete, wenn zwischen dem Supersize-Model dem alten Milliärds-Knacker ein bisschen zu hocherotisch zugeht? (Uwe Mitsching)

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