Kultur

Lebens- und liebeserfahren: die Feldmarschallin (Anja Heteros). (Foto: Wilfried Hösl)

10.06.2011

Und ewig glänzt die silberne Rose

Wiederaufnahme des „Rosenkavalier“ an der Bayerischen Staatsoper

Heut Nacht hat Dir von Deinem Mann geträumt?“ echauffiert sich eifersüchtig Quinquin. Aber wenn „der Loder mit seinen siebzehn Jahr’“ Bichette so umarmte wie der Dirigent das doch von Liebeslust vibrierende Vorspiel silberhochzeitsnächtlich musizierte, ist es Marie Theres schwerlich zu verdenken, dass der Herr Feldmarschall in ihren Seelenfluten auftauchte, obgleich er doch liaisonermöglichend weit weg ist, im Raitzenland, noch hinterwärts von Esseg...


Wehmut in der Komödie


Leif Segerstam hat ein problematisches Verhältnis zum funkelnden Brio des Rosenkavalier, zu seinem leidenschaftlichen Überschwang. Erst im Verlauf erwärmte sich das Temperament für Dramatisches, das Rustikale des Lerchenauers, das beschwingte Chaos im Beisl, dessen Walzer ihn von Zeitmaßen des heimatlich-finnischen Valse triste forttrugen. Des Dirigenten Herz schlägt für das Wehmütige in der Komödie, für das Besinnliche der Marschallin, für die poetische Innigkeit der silbernen Rose. Das fabelhafte Staatsorchester erlaubt ihm, die delikaten Instrumentalkombinationen auszukosten, die dunkleren Momente ernstzunehmen. Leif Segerstam dirigierte sozusagen mehr Hofmannsthal als Strauss, eine lächelnde Elegie mit Farbtupfern des Lebens.
Anja Harteros ist eine herzenskluge, lebens- und liebeserfah- rene Marschallin, die Maupassant so gut gelesen hat wie Rilke. Eine Grande Dame, die Noblesse mit erotischem Flair, standesgemäße Amouren mit Kirchgang, ein Alzerl Herablassung mit Menschenfreundlichkeit zu vereinen und mit Empfindung vokal zu vermitteln weiß. Ihre Ausstrahlung lässt die Partner blasser erscheinen als sie sind: Ruxandra Donose als eleganter Oktavian hat reiche Musik in der Kehle und wird wie die silberhelle Lucy Crow als Sophie noch in die Gestalt hineinwachsen. Peter Rose sieht in Baron Ochs weniger den Krautjunker als den aristokratischen Draufgänger, eine zuweilen aus der Fasson geratende Frohnatur, unmäßig selbstsicher. Er hat viele stimmliche Nuancen, leider nicht das Volumen großer Vorgänger. Rundum ein Ensemble, das sich hören lassen kann. Und sehen: entzückend der kleine Mohr der Valerie Tuyisabe.
Das ganze Qui pro quo begab sich in der sorgfältig betreuten Wiederaufnahme der so unzeitgemäß Werk und Autoren respektie- renden Inszenierung Otto Schenks von 1972. Und Jürgen Roses Rokoko-Interieur fand Szenenapplaus wie damals. Die subtile Charakterkomödie, die in den feinsten Kreisen des Maria Theresianischen Wiens spielt, verzauberte das Publikum wie eh und je. (Klaus Adam)

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