Kultur

Materialien einer beängstigenden Schnitzeljagd. (Foto: Lohmann)

11.10.2013

Unter Überwachung

Christiane Mudras Theaterexperiment "yoUturn"

Anna steht allein im Münchner Stadtteil Giesing. Außer dem Startpunkt haben die Veranstalter von yoUturn keine Informationen bekanntgegeben. Plötzlich klingelt ihr Handy: „Der erste Hinweis befindet sich hinter dem großen Werbeplakat“, sagt eine Stimme und legt auf. Irritiert schaut Anna sich um, greift schließlich nach dem versteckten Umschlag. Sie fühlt sich beobachtet.
Anna geht zur U-Bahn. Die Unterlagen in dem Kuvert offenbaren den Grund für den Treffpunkt: An dieser Stelle hat die Firma Gamma ihren Sitz, die 2010 Überwachungssoftware nach Ägypten lieferte. Annas nächstes Ziel ist das Münchner Justizgebäude. Kaum angekommen, bekommt sie wieder einen Anruf: „Ich sehe Sie die Treppen hochkommen.“ Die Verunsicherung wächst: Wer ist Teil dieses Spiels, wer gewöhnlicher Passant? Hinter den Zeitungskästen sind Informationen zum NSU-Prozess hinterlegt. Wieder in der U-Bahn, rempelt ein Fahrgast Anna an. „Diesen Umschlag soll ich Ihnen geben“, nuschelt er und verschwindet in der Menschenmenge. Sie soll in eine Straße im Klinikviertel abbiegen. Auf dem Weg beschattet sie ein Mann – oder läuft er nur zufällig neben ihr her? Ihr Blick wandert unsicher umher, sie wird langsamer. Mit einem Mal packt er sie fest am Arm: „Mitkommen zur Klärung eines Sachverhalts!“, brüllt er und zieht sie in das nächstgelegene Gebäude. Gehört das immer noch zum Spiel?

Erschütternd authentisch

yoUturn ist ein Überwachungsexperiment. Christiane Mudra (Jahrgang 1978) erhielt dafür die Debutförderung des Münchner Kulturreferats. Das Theaterexperiment im Rahmen von i-camp setzt sich mit dem Phänomen der Personenüberwachung aus verschiedenen Perspektiven auseinander. Es gibt fünf Touren durch München – jeder Teilnehmer erlebt sie alleine, erfährt die Mechanismen von Angst und Paranoia am eigenen Körper. „Verdeckte“ Schauspieler und Zeitzeugen schalten sich immer wieder ein, erzählen Geschichten an unterschiedlichen Orten.
Der Endpunkt der Routen ist gleich. Dort ist Anna inzwischen angekommen. Sie sitzt auf einem Stuhl, ihr gegenüber ein Aufpasser. Er sagt kein Wort. Der gleißend helle Scheinwerfer leuchtet ihr direkt ins Gesicht. Plötzlich Originaltonaufnahmen von Stasi-Verhören. Nach zehn Minuten steht der Mann auf und knallt ihr einen Aktenstapel auf den Tisch. Darin: Alle Daten, die über Anna im Internet zu finden sind und ein Foto von ihr in der U-Bahn. Sie schluckt. Kurz darauf geht die Tür auf, das Gebäude ist leer, das Experiment vorbei. Erschütternd authentisch. (David Lohmann)
Bis 17. Oktober, täglich jeweils um 17:30, 19 und 21 Uhr. Anmeldung unter yoU.turn(at)aol.com

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