Kultur

Eines der bekannteren Mitglieder in der Künstlervereinigung Dachau war Felix Bürgers (1870 bis 1934). Der Kölner war im Jahr 1900 nach Dachau übersiedelt. Sein Haus war ein Treffpunkt der örtlichen Künstlerszene. Hier sein Gemälde „Im Atelier“. Viele seiner Bilder wurden beim Brand des Münchner Glaspalasts 1931 zerstört. (Foto: Gemäldegalerie Dachau)

09.08.2019

Vielfalt mit gemeinsamem Label

Eine Ausstellung erinnert an die Anfänge der Künstlervereinigung Dachau vor 100 Jahren

Geistige Arbeiter! Es ist beabsichtigt, die Angehörigen der freien Berufe in Dachau zu einem Rat geistiger Arbeiter zusammenzufassen.“ Dieser Aufruf erschien am 7. Juni 1919 im Amperboten. Die Novemberrevolution von 1918 und die Räterepublik waren gerade vorüber, das Land im Umbruch. In diesem Umfeld konstituierte sich im oberbayerischen Dachau ein „Rat der geistigen Arbeiter“, in dem sich neben bildenden Künstlern auch Schriftsteller, Ärzte und Anwälte zusammenschlossen. Den Vorsitz des Rats, in dem die bildenden Künstler mit 44 Personen am stärksten vertreten waren, übernahm der gebürtige Kölner Maler Felix Bürgers. Auffällig ist dabei die hohe Anzahl der gebürtigen Nichtbayern, vor allem aus nördlicheren Gefilden Deutschlands.

Die erste Veranstaltung der neu geschaffenen beziehungsweise im Aufbau befindlichen Vereinigung war die Eröffnung einer Ausstellung der zugleich gegründeten Künstlergruppe Dachau am 8. Juni im Dachauer Schloss.

Differenzen und Neuanfang

Wie lange der „Rat der geistigen Arbeiter“ Bestand hatte, ist nicht bekannt. Längerlebig erwies sich die Künstlergruppe Dachau, die auch in den folgenden Jahren Ausstellungen im Schloss veranstaltete, bei denen die Künstler sogar persönlich die Aufsicht in den Ausstellungsräumen führten. Allerdings verließen 1924 nach grundlegenden Differenzen die ersten Künstler die Gruppe; 1925 und 1926 gab es keine gemeinsamen Ausstellungen.

Im Oktober 1927 schlossen sich Dachauer Künstler nach einer erneuten erfolgreichen Schlossausstellung zusammen, um nun die Künstlervereinigung Dachau (KDV) zu gründen. Abgesehen von einer kurzen Unterbrechung nach dem Zweiten Weltkrieg besteht diese bis heute mit rund 50 Mitgliedern aus verschiedenen künstlerischen Sparten.

1919 zeigten 44 Künstler (darunter eine ganze Reihe von Künstlerinnen, häufig auch Künstlerehepaare) ihre Werke. Laut Zeitungsbericht waren damals 153 Ölgemälde und 115 grafische Werke zu sehen. Welche Bilder im Schloss ausgestellt waren, ist heute nicht mehr bekannt, sogar viele der Künstlernamen sind längst vergessen. Und da es (zumindest teilweise) eine Verkaufsausstellung war, sind die Arbeiten in alle Himmelsrichtungen verstreut.

In einer Ausstellung zum 100. Geburtstag der Künstlervereinigung werden Werke von 38 der damals 44 Mitglieder gezeigt. Es sind Werke, die in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, während der Kriegsjahre oder in den 1920er-Jahren entstanden sind. Die Bilder, die in unterschiedlichen Techniken – und in unterschiedlicher künstlerischer Qualität – ausgeführt wurden, zeigen die Bandbreite der Sujets.

Kriegsszenen verarbeitet

Während aus der Vorkriegszeit lichtdurchflutete Landschaften von Hermann Stockmann und Carl Thiemann zu sehen sind, der Entwurf für die Kneipzeitung eines Herrenabends im Fasching 1908 von Karl Prühäuser und der Ausrufer auf dem Oktoberfest von Friedrich Wilke, hielt Carl Olof Petersen Kriegsszenen aus dem Süden und Paula Wimmer 1919 die Rot- und Weißgardisten in Dachau in Zeichnungen fest. Auch Carl Friedrich Felbers Tannen und Birken im Winter passen gut zur Stimmung des Jahres 1918. Erst in den 1920er-Jahren wird langsam wieder an die Vorkriegsfarben angeknüpft, wie etwa Willy Orth mit seiner Papiermühle bei Hebertshausen.

Die verbindende Klammer der in der Ausstellung präsentierten Werke ist die seinerzeitige Beteiligung der Künstler an der Ausstellung von 1919. Neben einigen bis heute bekannten Malern und Grafikern, die den Dachauer Künstlern zugerechnet werden und die häufig auch anderen (vor allem Münchner) Künstlervereinigungen angehörten, findet sich eine ganze Reihe von Künstlern, deren Namen gänzlich vergessen oder allgemein unbekannt waren und die es nun neu zu entdecken gilt. (Cornelia Oelwein)

Information: Bis 15. September. Gemäldegalerie Dachau, Konrad-Adenauer-Str. 3, 85221 Dachau. Di. bis Fr. 11-17 Uhr, Sa./So. 13-17 Uhr.

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