Kultur

„Schweine unter einem Baum“ (1913) aus Franz Marcs Skizzenbuch XXX. (Foto: Germanisches Nationalmuseum)

26.07.2019

Wertvolles Arbeitsmaterial

Das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg zeigt Blätter aus Franz Marcs Skizzenbüchern

Wenn andere Museen einen Blick in die Skizzenbücher von Franz Marc offerieren, dann machen sie Lust auf mehr. Und die befriedigt die Graphische Sammlung des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg. Denn sie besitzt seit dem Ankauf von 1982 mit 26 Stück den überwiegenden Teil dieser Skizzenbücher. Von über 600 sind nun 300 Einzelblätter ausgestellt. Das Museum präsentiert damit Franz Marc auf dem Weg zum Blauen Reiter, so der Ausstellungstitel.

Die Kuratorin und Leiterin der Graphischen Sammlung, Yasmin Doosry, hat einen der ganz besonderen Schätze aus dem Museumstresor zutage gefördert und zeigt ihn im konservatorisch bedingten schummrigen Licht in langen, chronologisch gereihten Vitrinen. Da taucht man mit dieser Ausstellungs-Großtat ein in die Zeit von 1904/05 und verlässt sie mit Marcs Tierstudien, Akten und Porträts zu Beginn des Ersten Weltkriegs wieder. Dafür wurden die Blätter aus dem Skizzenbuch-Verbund herausgelöst – wie das Marcs Frau Marie für verschiedene Einzelverkäufe auch getan hat.

Die 300 Exponate dokumentieren sämtliche zeichnerischen Mittel, die Marc verwendete: von der Bleistiftstudie bis hin zum kolorierenden Aquarell. Eine schöne und informative Zutat: Immer wieder hängen neben den Skizzenblättern Gemälde Marcs oder Postkarten als Vergleichs- und Informationsobjekte. Zum Beispiel über den Tieren und Menschen Oberbayerns etwa das Ölbild Kleine Pferdestudien II (1905) auf Pappe. Darunter in ganz ähnlicher Körperhaltung und Situation die wohl vorausgehenden Bleistiftstudien wie Pferdegespann aus dem gleichen Jahr.

Die Skizzenbücher sind in der Ausstellung chronologisch gereiht und zeigen die Entwicklung der Motive, Formate und dominierenden Darstellungsmittel: Auf Bleistift folgen Kohle und Tuschpinsel. Ab 1906/07 mischten sich Aktstudien unter die Skizzen. Dazu passt die Fotowand mit Bildern des nackt badenden Marc am Meeresstrand.

Motive ausprobieren

Den Gattungsbegriff Skizzenbücher muss man in dieser Ausstellung ernst nehmen. Man sieht, wie sich Marc mehr und mehr in Themen und Motive einarbeitet, die dann sein weiteres künstlerisches Leben bestimmen sollten: mit vielen Tierstudien in thematischen Gruppen wie den toten Stieren (1907). Oder mit den vermehrten Aktstudien mit kuriosen biografischen Beziehungen wie der züchtig gekleideten Flötenspielerin neben einem weiblichen Akt: Ist das beide Male die damalige Marc-Freundin Annette Simon von Eckardt?

Die Motiv- und Darstellungswahl ist zunehmend beeinflusst von Malerkollegen wie Hans von Marées mit seinen muskulösen Männerkörpern, im Gegensatz dazu von den runden Formen Aristide Maillols bei den Badenden Mädchen. Dazu kommen Einflüsse der japanischen oder altägyptischen Kunst, und ab 1910 werden die Weichenstellungen auf Marcs Weg auch in den Skizzenbüchern deutlich: seine Erfolge bei Einzelausstellungen, seine Freundschaft mit August Macke, die Förderung durch den Mäzen Bernhard Koehler, der Kontakt zur „Neuen Künstlervereinigung München“, aus der der „Blaue Reiter“ hervorgehen sollte. Da werden die Skizzen feingliedriger (Studien von drei Pferdebeinen), die festgehaltenen Bewegungen subtiler, komplizierter, es kommen Farben ins Spiel, ebenso Eindrücke von den London- und Paris-Reisen mit Macke.

Man muss auch die Codierung der Farben kennen, die die Ausstellung verrät: „Blau für Männlichkeit und Geist“, „Rot für Materie und Brutalität“. Man sieht eines der schönsten Stücke der Sammlung: Blauer Wolf auf rotem Oval liegend (1912/13).

Was man in dieser Ausstellung zusätzlich digital sehen kann, sind die Einbände der Skizzenbücher. In denen kann man sich von Seite zu Seite tippen, die Schriftelemente genauer studieren und anhand diverser Stempel den Weg verfolgen, den die Skizzenbücher früher genommen haben. (Uwe Mitsching)

Information: Bis 1. September. Germanisches Nationalmuseum, Kartäusergasse 1, 90402 Nürnberg. Di. bis So. 10-18 Uhr, Mi. bis 21 Uhr.

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