Landtag

Die Älteren werden sich erinnern: ein Faxgerät – immerhin inzwischen digital. (Foto: dpa/Armin Weigel)

09.01.2021

Am Limit

Gesundheitsämter und Labore arbeiten noch mit Fax

Bayerns Gesundheitsämter arbeiten wegen der Corona-Pandemie am Limit. „Und das liegt nicht nur an zu wenig Personal, sondern auch an der Software“, ärgert sich der Digitalisierungs-Experte der Grünen, Benjamin Adjei. Der Abgeordnete fragte bei der Staatsregierung nach, wie viele Labore und Gesundheitsämter die Software DEMIS (Deutsches Elektronisches Melde- und Informationssystem) zur elektronischen Übermittlung beziehungsweise die Software SORMAS (Surveillance Outbreak Response Management and Analysis System) zur Nachverfolgung von Corona-Fällen nutzen. Adjei hofft, dass die Einrichtungen dazu nicht auf Faxe, Excel-Listen und Botengänge angewiesen sind. Doch genau so ist es.

Das Gesundheitsministerium schreibt in seiner Antwort, dass bislang erst rund 50 Prozent der bayerischen Labore an DEMIS angeschlossen sind. Daher „sind die Gesundheitsämter derzeit auch weiterhin auf die Übermittlungsfähigkeit der Positivbefunde von nicht angeschlossenen Laboren unter anderem über Fax angewiesen“. Doch auch fünf Gesundheitsämter können DEMIS nicht nutzen. Bei den restlichen 71 ist laut Ministerium zwar von einer Nutzung auszugehen - „konnte vor Ort aber nicht abgefragt werden“.

SORMAS nutzt laut dem bayerischem Gesundheitsministerium von 76 Gesundheitsämtern im Freistaat nur eines wirklich aktiv, bei fünf ist es immerhin eingerichtet. Die Infektionszahlen würden aber grundsätzlich dennoch elektronisch an das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit und von dort weiter elektronisch an das Robert Koch-Institut übermittelt. Zu Laboren außerhalb staatlicher Einrichtungen kann das Ministerium keine Angaben machen.
„Das Ergebnis ist erschütternd“, sagt der Grünen-Abgeordnete Adjei. „Kein Wunder, dass die Gesundheitsämter in puncto Kontaktnachverfolgung kaum nachkommen.“ Zwar verweise die Staatsregierung gerne auf die Nutzung von BaySIM (Bayerische Software zum Infektionskettenmanagement), aber auch diese komme laut einer anderen Anfrage bisher kaum zum Einsatz. Die Landtags-Grünen fordern, die bayerischen Gesundheitsämter technisch und personell endlich optimal auszustatten.

Druck macht jetzt auch Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Er fordert, dass Bayerns Gesundheitsämter unverzüglich eine einheitliche Software für die Corona-Kontaktnachverfolgung nutzen sollen – und spricht sich für SORMAS aus. Die bayerische Eigenentwicklung BaySIM steht damit vor dem Aus. Zum Einsatz kommen soll die Software laut Gesundheitsministerium im Januar 2021. Adjei begrüßt den Schritt grundsätzlich. Nur den Zeitpunkt der Umstellung, wo die Gesundheitsämter sowieso schon mit Wochenend- und Nachtschichten beschäftigt sind, hält er für heikel. In Niedersachsen erfolgte der Software-Wechsel bereits im Sommer.
(loh)

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