Landtag

Chemikalien im Trinkwasser belasten die Menschen in Altötting. (Foto: dpa)

21.12.2017

Chemikalie wird Menschen in Altötting noch lange belasten

Über Jahre war in der Region Altötting eine Chemikalie im Trinkwasser. Laut Behörden lag die Belastung unter den Leitwerten - aber der womöglich krebserregende Stoff findet sich auch im Blut von Anwohnern. Bis er wieder verschwunden ist, wird viel Zeit vergehen, sagt der SPD-Abgeordnete von Brunn

Die Chemikalie Perfluoroctansäure (PFOA) wird die Menschen der oberbayerischen Region Altötting noch über viele Jahre belasten. Das ergibt sich aus einer Antwort der Staatsregierung auf eine parlamentarische Anfrage des SPD-Abgeordneten Florian von Brunn.

Der Stoff, der nach Experteneinschätzung eine Reihe von Krankheiten wie auch Krebs begünstigen könnte, war 2016 bei Kontrollen in Blutspenden aus der Gegend festgestellt worden. Inzwischen wurden Trinkwasserbrunnen geschlossen und zusätzliche Aktivkohleanlagen eingebaut, um das Wasser zu reinigen. Dennoch werde die Belastung aufgrund der hohen Halbwertszeit im Blut nur langsam abnehmen, teilte die Staatsregierung auf Anfrage des SPD-Umweltpolitikers mit. Die Halbwertszeit liege laut Umweltbundesamt bei dreieinhalb Jahren, erläuterte von Brunn dazu.

Er forderte eine umfassende Information der Bevölkerung über die Belastung des Trinkwassers. "Es reicht nicht, die Werte irgendwo auf die Homepage des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit zu stellen. Die Menschen müssen von den Behörden aktiv auf dem Laufenden gehalten werden." Der örtliche SPD-Abgeordnete Günther Knoblauch verlangte, die Verantwortung für die Kosten und eventuelle Gesundheitsschäden zu klären. "Die Menschen im Landkreis Altötting dürfen mit den Folgen nicht allein gelassen werden. Wer weiß schon, welche Erkrankungen durch diese Chemikalie ausgelöst werden?"

Die Chemikalie stammte aus der Produktion einer Firma im Chemiepark

Die Chemikalie stammte aus der Produktion einer Firma im Chemiepark Gendorf im Landkreis. Das Gesundheitsamt Altötting nahm seit 2006 Trinkwasserproben; ab 2009 wurde laut Staatsregierung sauberes Wasser zugemischt und eine erste Aktivkohlefilteranlage installiert. Im vergangenen Jahr reichte das nicht mehr. Nach einer Verschärfung des Wertes 2016 wurden laut Staatsregierung Brunnen außer Betrieb genommen und der Einbau weiterer Aktivkohlefilteranlagen geplant.

Die Chemikalie PFOA, die unter anderem Kleidungsstücken wasser-, schmutz- und fettabweisende Eigenschaften verleiht, kann sich einer Veröffentlichung des Umweltbundesamtes zufolge in Organen anreichern, etwa in Lunge, Leber und Niere. Er sei schädlich für die Fortpflanzung und gelte als krebserregend, heißt es in der Veröffentlichung. Diese stützt sich unter anderem auf Erfahrungen aus den USA anhand von Untersuchungen mit fast 70 000 Menschen, die in der Nähe einer Fabrik lebten.

Das bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) teilte unter Verweis auf das Krebsregister mit, es gebe derzeit keine Hinweise auf ein relevant erhöhtes Risiko für Hoden- beziehungsweise Nierenkrebs in der Region bei Altötting. "Vorläufig kann geschlussfolgert werden, dass bei der Höhe der internen Belastungen im Raum Altötting, auch im Vergleich zu den Effekten, die in den USA bei einer höher belasteten Bevölkerung beobachtet wurden, schwerwiegende Gesundheitseffekte nicht wahrscheinlich sind."

Wirkungen auf den Fettstoffwechsel und die Schilddrüsenhormone könnten aber nicht ausgeschlossen werden, teilte das LGL weiter mit. Aus Vorsorgegründen müsse die interne Belastung der Bevölkerung im Raum Gendorf gesenkt werden. "Dies ist nur mit einer konsequenten Verstopfung der Quellen, hier des Trinkwassers, zu erreichen."
(dpa)

Einen Online-Kommentar verfassen - so geht's

Scrollen Sie einfach ans Ende des Artikels, den Sie kommentieren wollen und geben Sie Ihre E-Mail-Adresse und einen nickname an. Die Nennung Ihres Namens ist freiwillig. Für die Nutzer sichtbar ist in jedem Fall NUR der nickname. Sie müssen sich auch nicht auf unserer Homepage anmelden. Aber unsere Netiquette akzeptieren. Und schon können Sie loslegen!

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!

Neuen Kommentar schreiben

Die Frage der Woche

Frage der Woche KW 25 (2018)

Umfrage Bild
  • Ich habe die Hinweise zum Datenschutz und die AGB's zur Kenntnis genommen.
Abstimmen
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
 
Unsere Umfragen sollen Trends aufzeigen und haben keinen repräsentativen Charakter. Eine unsachgemäße Beeinflussung bei Onlineumfragen ist nicht auszuschließen.

Lesen Sie dazu in der Bayerischen ­Staatszeitung vom 22. Juni 2018 auch die Standpunkte unserer Diskutanten:

Natascha Kohnen,
SPD-Landesvorsitzende

(JA)

Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft

(NEIN)

arrow
Facebook
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

Jahresbeilage 2017

Ausgabe vom
24. November 2017

Weitere Infos unter Tel. 089/290142-65 oder
per Mail an anzeigen@bsz.de

Download (PDF, 18 MB)

E-Paper
Unser Bayern

Die kunst- und kulturhistorische Beilage der Bayerischen Staatszeitung

Unser Bayern

LesenNachbestellen

Nur für Abonnenten

Shopping
Anzeigen Mediadaten
eaper
E-Paper
ePaper
zum ePaper
BR Player
Bayerischer Landtag
Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.