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Durch Stalkerware können Menschen unbemerkt auf Bewegungsdaten, persönliche Aufnahmen, E-Mails, Apps, Chats und Gespräche anderer zugreifen. (Foto: dpa/Tycho Schildbach)

15.01.2021

Studie: 110 Prozent mehr Cyberstalking

Die Grünen befürchten, dass es wegen der Zunahme von Spionage- oder Ortungs-Apps in der Corona-Krise mehr Gewalt gegen Frauen in Bayern gibt

Laut einer Umfrage der TU München und des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung hat die körperliche Gewalt gegen Frauen beim ersten Lockdown um 3,1 Prozent und die emotionale Gewalt um 3,8 Prozent zugenommen. Bei 4,6 Prozent der Frauen reguliert der Partner sogar die sozialen Kontakte. Die Zunahme ist auch auf die steigende Verbreitung von Smartphones und die Verfügbarkeit von Überwachungs-Apps zurückzuführen. Sie sind eine einfache Möglichkeit für Täter, Kontrolle über ihre Opfer auszuüben.

Das bestätigt auch der IT-Sicherheitsanbieter Avast. Laut aktueller Zahlen ist die Nutzung von Spy- und Stalkerware seit Beginn der Corona-Krise im März 2020 im Vergleich zu Januar und Februar weltweit um 51 Prozent, in Deutschland sogar um 110 Prozent gestiegen. Stalkerware ist ein Phänomen von digitaler Gewalt, die es Menschen ermöglicht, anhand einer Spionage-Software unbemerkt auf Bewegungsdaten, persönliche Aufnahmen, E-Mails, Apps, Chats und Gespräche zuzugreifen.

Die Chance, dass auf Cyberstalking reale Gewalt folgt, ist groß, wie der Forschungsbericht des Europäischen Instituts für Gleichstellungsfragen zu Cyber-Gewalt gegen Frauen und Mädchen von 2017 zeigt. Demnach haben 70 Prozent der Frauen, die Cyberstalking erlebt haben, auch mindestens eine Form von physischer oder/und sexueller Gewalt ausgehend von einem Intimpartner erlebt. Es gibt also einen direkten Zusammenhang zwischen körperlicher Gewalt und Cyberstalking in der Partnerschaft. Die Abgeordneten Eva Lettenbauer, Katharina Schulze und Benjamin Adjei (alle Grüne) wollten aus diesem Grund jetzt in einer Anfrage wissen, wie sich die Zahlen bei Cyberstalking und Stalkerware in Bayern entwickelt haben und wie die Staatsregierung den Anstieg bekämpfen möchte.

Doch das Innenministerium zweifelt an den Zahlen. „Es liegen keine Erkenntnisse über einen tatsächlichen Anstieg dieser sogenannten Spionage- oder Ortungs-Apps vor“, heißt es in der Antwort.

Auch den Beauftragten der Polizei für Kriminalitätsopfer, die für die Beratung und Unterstützung von Opfern von häuslicher Gewalt und Stalking zuständig sind, sei seit dem Corona-Lockdown kein Anstieg aufgefallen. „Nach deren Erkenntnissen wurde bisher nur in sehr wenigen Einzelfällen tatsächlich nachweislich heimlich und ohne Einwilligung eine solche App installiert“, heißt es aus dem Haus von Innenminister Joachim Herrmann (CSU).

„Auch wenn laut Polizei bisher kein messbarer Anstieg von häuslicher Gewalt in der Corona-Pandemie zu verzeichnen ist: Das Dunkelfeld ist riesig und jedes Opfer ist eines zu viel“, klagt die frauenpolitische Sprecherin der Grünen, Lettenbauer. Sie fordert daher gesonderte Beratungsstellen für Opfer von digitaler Gewalt. Dazu gehört aus ihrer Sicht eine Sensibilisierung der dort tätigen Beamtinnen und Beamten zu digitaler Gewalt sowie entsprechende rechtliche, psychologische und technische Unterstützung der Betroffenen.
(loh)

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