Landtag

Sabine Weigand. (Foto: A. Paul)

12.03.2021

Die Bestsellerautorin

Im Porträt: Die Grünen-Abgeordnete Sabine Weigand

In ihrem Schwabacher Bürgerbüro ist die Grünen-Landtagsabgeordnete Sabine Weigand viel lieber als im Münchner Maximilianeum. „Wann immer es geht, arbeite ich hier“, sagt die 59-Jährige. Ist ja auch beschaulich hier, eine grüne Idylle: Hinter dem Haus gackern und picken frei laufende Hühner, im Büro nebenan hat der Bund Naturschutz seine Geschäftsstelle bezogen und schräg gegenüber befindet sich ein Bio-Supermarkt. Immer wieder winken Passanten vom Fußweg durch die Fenster in das ebenerdige Büro.

In ihrem Heimatort ist Sabine Weigand aber auch bekannt wie der sprichwörtliche bunte Hund: Seit 13 Jahren gehört sie dem Stadtrat der kreisfreien Kommune an. Und dann ist da ja noch die Schriftstellerei. Mit ihren historischen Romanen, meist über die Zeit des Mittelalters und die frühe Neuzeit, hat es die promovierte Historikerin zur Bestsellerautorin gebracht, deren Werke sogar verfilmt wurden. Davon konnte sie gut leben – nicht eben die Regel bei freien Schriftsteller*innen in Deutschland. „Viele Kollegen müssen nebenher noch einem Brotberuf nachgehen“, erläutert Weigand.

„Ich dachte erst, das ginge nebenher“

Vor ihrem Einzug in den Landtag 2018 legte sie mindestens alle zwei Jahre einen 500-Seiten-Schmöker vor. Damit ist jetzt erst mal Schluss. „Ich dachte erst, das ginge nebenher“, so Weigand. Denn viele Kolleg*innen betreiben ja auch parallel eine Anwaltskanzlei oder sitzen in Aufsichtsräten. Aber, fügt sie an, „das war ein Irrtum. Und nur irgendwie ein Buch runterschreiben, damit es fertig ist – das möchte ich meiner Leserschaft nicht antun.

Zur Politik kam Sabine Weigand über ein, wie sie sagt, sehr politisches, links-sozialdemokratisches Elternhaus, wo sonntags Werner Höfers TV-Sendung Internationaler Frühschoppen geschaut wurde. Sie selbst jedoch fand „die Grünen zukunftsorientierter“. Anfang der 1980er-Jahre engagierte sie sich dann auch in der Friedensbewegung. „Ich kam mit dem damaligen SPD-Bundeskanzler Helmut Schmidt und seinem Nato-Doppelbeschluss nicht zusammen“, entsinnt sie sich.


Roland Oeser, über viele Jahre Zweiter Bürgermeister von Schwabach, holte sie dann in die Kommunalpolitik. Und als im Vorfeld der Landtagswahl 2018 im Wahlkreis Nürnberg-Süd/Schwabach niemand habe kandidieren wollen in ihrer Partei – da lief es dann auf Weigand hinaus. „Wenn so ein Boot an dir vorüberschwimmt, musst du hineinhupfen“, formuliert sie.

Eines der Themen, mit denen sich die Mutter eines 28-jährigen Sohnes nach ihrem Einzug in den Landtag ursprünglich beschäftigen wollte, waren Anliegen queerer Menschen. Auch literarisch war das für sie schon Thema: „Einer meiner Romane beschäftigt sich mit einer Frau hier aus der Nachbarschaft, die 1931 als Mann geboren wurde und sich Anfang der 1970er-Jahre als einer der ersten Deutschen umoperieren ließ – damals noch im marokkanischen Casablanca, weil es in Deutschland noch verboten war.“ Zum Zeitpunkt der Landtagswahl hatte ihre Parteifreundin Tessa Ganserer das Outing als Transperson – „und da habe ich mir gedacht: Wer könnte das Thema besser transportieren als eine Betroffene?“

Denkmalschutz statt queerer Politik

Doch zum Glück gibt es noch mehr Dinge, für die Sabine Weigands Herz schlägt, vielleicht sogar noch stärker: Der Denkmalschutz zählt dazu. „Da liegt in Bayern so viel im Argen, das glaubt man nicht“, sagt sie traurig und wütend zugleich. Wenn sie über ihr Leib-und-Magen-Thema spricht, tritt das Humorvolle und Lockere in ihrem Wesen zurück. Sie sagt empört: „Jeder, der mit offenen Augen durch seine Heimatstadt läuft, muss erkennen, wie wichtig die alten Häuser für unsere Identität sind. Sie sind unser Anker in die Vergangenheit. Was bleibt denn, wenn sie verschwinden? Banken, Tankstellen und Supermärkte – 08/15-Architektur!“

Dem Denkmalschutz widmet sich Sabine Weigand konkret im Kunst- und Wissenschaftsausschuss – der einzige, dem sie aktuell angehört; eher ungewöhnlich bei einer nur mittelgroßen Fraktion wie jener der Grünen, wo die meisten Abgeordneten in mehreren Ausschüssen tätig sein müssen, um alle Ressorts abzudecken. „Es ist schon ein gewisser Luxus“, räumt Weigand ein und fügt lachend hinzu: „Aber für Wirtschaft und Finanzen beispielsweise wäre ich auch absolut ungeeignet.“

Der Erhalt der Denkmäler brauche mehr Geld, ist Weigand überzeugt, „seit Stoibers Sparorgie in den 1990er-Jahren wurde der Etat von der bayerischen Staatsregierung immer weiter zurückgefahren“. Für den sogenannten Kleinen Denkmalschutz – er unterstützt etwa Hausbesitzer bei der Sanierung – hat sie in einem Antrag jährliche Mehraufwendungen in Höhe von acht Millionen Euro gefordert: keine Chance. Als Kompromiss gibt es nun einen gemeinsamen Antrag mit der CSU, der zusätzlich eine Million Euro pro Jahr vorsieht.

Für den Entschädigungsfonds, mit dem vor allem Großvorhaben im Denkmalschutzbereich finanziert werden, wollte die Grüne fünf Millionen Euro zusätzlich pro Jahr. Bewilligt habe die Koalition aber leider nur 100 000 Euro extra. Erhöht werden müsse auch die Zahl der Gebietsreferenten des Landesamts für Denkmalpflege, 26 sind es aktuell. „Einer für jeden der 70 Landkreise wäre natürlich der Hit, aber schon fünf Experten mehr täten bereits gut“, sagt Weigand.

Sie findet: Wer Denkmalschutz richtig anpackt, dient auch der Umwelt. „Wenn wir alte Häuser in den Innenstädten sanieren, sodass dort Menschen gut wohnen können, dann brauchen wir weniger Flächenfraß auf der grünen Wiese für neue Baugebiete.“ Außerdem seien die historischen Gebäude mit natürlichen Materialien, vor allem Holz, errichtet – das sei schön und nachhaltig zugleich.
(André Paul)

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