Landtag

Martin Bachhuber (CSU). (Foto: André Paul)

06.05.2022

Der Heimatverbundene

Im Porträt: Der CSU-Abgeordnete Martin Bachhuber

Während des Gesprächs wirkt Martin Bachhuber ein wenig angespannt – und rückt erst ganz am Ende lächelnd mit dem Grund heraus: „Ich sitze schon den ganzen Tag wie auf Kohlen und erwarte jeden Moment die Nachricht, dass das sechste Enkelkind auf der Welt ist.“ Drei Kinder – eine Tochter und zwei Söhne im Alter von 39, 35 und 26 Jahren – hat Bachhuber; der stolze Opa ist ein totaler Familienmensch: „Ich fahre jeden Abend von München nach Hause.“

Woanders als in Bad Heilbrunn, seinem Zuhause seit Kindertagen, mag er nicht leben. Er nennt sich sehr heimatverbunden. Nach der Schule hätten sich auch andere Ausbildungsmöglichkeiten angeboten – aber dafür hätte der heute 65-Jährige sein geliebtes Bad Heilbrunn verlassen müssen. Als sich damals die Möglichkeit auftat, in der Gemeindeverwaltung eine Lehre zum Verwaltungswirt zu absolvieren, griff er deshalb zu.

Nach der Ausbildung wechselte er auf die Position des Kämmerers. Im Prinzip war er damit derjenige, der das Rathaus führte. Denn zu diesem Zeitpunkt leistete sich die Gemeinde im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen nur einen ehrenamtlichen Bürgermeister, „der schaute jeden Tag nur für wenige Stunden vorbei“, erinnert sich Bachhuber. Zur Kommunalwahl 1984 mochte der alte Bürgermeister nicht mehr antreten, und der junge Kämmerer war als Nachfolger im Gespräch. Obendrein fortan hauptamtlich: Die Verwaltungsaufgaben waren in der knapp 4000 Menschen zählenden Kommune zu aufwendig geworden.

Bürgermeister mit nur 27 Jahren

„Nicht alle im Ort und in meiner Partei fanden meine Kandidatur gut“, erinnert sich Martin Bachhuber. Nicht, dass er in ihren Augen ungeeignet gewesen wäre. Aber für die Alteingesessenen im traditionell konservativen Oberland war ein Bürgermeister mit nur 27 Jahren einfach noch zu jung. Martin Bachhuber gewann die Wahl im März 1984 trotzdem und war damals der jüngste hauptamtliche Bürgermeister Bayerns. Er blieb es 24 Jahre lang – „den Posten des Kämmerers habe ich zusätzlich weiter mitgemacht“ – und wurde dreimal in seinem Amt bestätigt.

Vermutlich hätte er ohne großen Stress auch eine fünfte Amtszeit absolvieren können. Doch vor 14 Jahren, mit damals Anfang 50, hatte der Christsoziale das Gefühl, als Bürgermeister nun lang genug in vertrauten Bahnen unterwegs gewesen zu sein: „Ich kannte jeden Stein im Dorf, und wenn mich jemand anrief, dann wusste ich oft schon beim Klingeln, was er oder sie wollte.“

So verzichtete Bachhuber auf eine erneute Bürgermeister-Kandidatur und bewarb sich stattdessen im Frühjahr 2008 für den Posten des Landrats von Garmisch-Partenkirchen. Zunächst lief es gut, „im ersten Wahlgang lag ich bei sechs Mitbewerbern noch vorn. Doch dann lautete bei der politischen Konkurrenz die Devise: alle gegen die CSU.“ Das nützte dem zunächst Zweitplatzierten von den Freien Wählern. Mit einem Vorsprung von nur 800 Stimmen besiegte dieser Bachhuber.

Die politische Karriere war zunächst vorbei. Aber nur kurz: Denn Bachhuber war seinem Parteifreund und Landesvorsitzenden Edmund Stoiber aufgefallen. Der ehemalige Ministerpräsident gedachte, zur Landtagswahl im Herbst 2008 auch sein Mandat abzugeben; ein Nachfolger wurde gesucht. Der Landkreis Garmisch-Partenkirchen und der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen bilden einen gemeinsamen Wahlkreis, und Stoiber machte sich für den Ex-Bürgermeister als Stimmkreiskandidat stark. Mit Erfolg.

Stoibers Nachfolger im Stimmkreis

Im Landtag rechnete Bachhuber dann damit, sich wie alle Neulinge erst mal hinten anstellen zu müssen – und wurde zu seiner eigenen Überraschung von der CSU-Fraktion doch gleich in den mächtigen Haushaltsausschuss entsandt. Obwohl: 24 Jahre mit soliden Gemeindefinanzen daheim mögen bei der Einschätzung der Fraktionsmitglieder eine Rolle gespielt haben.

Dem Haushaltsausschuss gehört Bachhuber noch immer an, in der dritten Legislaturperiode. Damit zählt er zu den dienstältesten Mitgliedern. Und er genießt als Haushälter großes Ansehen über die Parteigrenzen hinweg. So lobt Claudia Köhler (Grüne), stellvertretende Vorsitzende des Haushaltsausschusses, Bachhuber „als immer freundlichen und fairen Kollegen, nie polemisch oder argumentativ unsachlich“. Der Oberbayer ist keiner, der landespolitisch das ganz große Rad drehen möchte, sondern fokussiert sich nach eigenem Bekunden auf seinen Wahlkreis – der mit 28 Städten und Gemeinden zu den größten im Freistaat zählt. Bis zu 40 000 gefahrene Kilometer im Jahr kommen da laut Bachhuber schon zusammen, um in allen Kommunen regelmäßig präsent zu sein.

Zu seinen größten Herausforderungen als Finanzpolitiker im Landtag zählt er die Finanzkrise der BayernLB. Deren heftig umstrittene und teure Rettung durch eine Finanzspritze des Freistaats hält Bachhuber auch heute noch für gerechtfertigt.

Mit drei Finanzministern hatte Bachhuber seit seinem Einzug in den Landtag zu tun. Am aktuellen, Albert Füracker (CSU), schätzt er die „offene und transparente Art zu kommunizieren“. Und der Ressortchef halte trotz anhaltender Belastungen durch die Pandemie und den Ukraine-Krieg an der Nachhaltigkeit der Ausgaben fest. Das imponiert dem ehemaligen Kämmerer.

Freilich hat Martin Bachhuber auch eine wichtige Forderung an den Parteifreund: „Die Förderverfahren für die Kommunen müssen einfacher werden!“ Da erreichen ihn viele Klagen von Gemeindeoberhäuptern: Der Förderdschungel sei inzwischen überaus bürokratisch-kompliziert geworden, da blickten nur noch gestandene Juristen durch, klagt Bachhuber. Der Landtag sollte sich dringend mit einer Reduzierung der Fördertöpfe befassen, fordert Bachhuber, aber dafür höhere Summen pro Topf bereitstellen.

Mit gewisser Sorge blickt er auf den diesjährigen G7-Gipfel in Elmau – schon der zweite in der kleinen Gemeinde. Das werde erneut zu einer Belastung für den Freistaat, logistisch wie finanziell. „Diesmal kann es nicht so sein, dass uns der Bund mit den Kosten alleinlässt. Das ist schließlich keine Veranstaltung des Ministerpräsidenten, sondern des Bundeskanzlers“, betont Bachhuber energisch. „Also soll Olaf Scholz auch dafür bezahlen.“
(André Paul)

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