Landtag

Alfred Sauter, bayerischer Ex-Justizminister.

13.03.2020

Der Nervenstarke

Im Porträt: Der CSU-Abgeordnete Alfred Sauter, Ex-Justizminister

Das Ende von Alfred Sauters Regierungskarriere ist legendär: Der damalige Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) feuerte seinen Justizminister Sauter 1999 nach nur einem Jahr im Amt per Handyanruf. Im Kontext der Millionenverluste der halbstaatlichen Landeswohnungs- und Städtebaugesellschaft Bayern (LWS) musste ein Schuldiger gefunden werden – in Gestalt des früheren LWS-Aufsichtsratschefs Alfred Sauter. Tatsächlich hatte Stoiber sieben Jahre zuvor als Innenminister selbst dafür gesorgt, dass die LWS überhaupt in riskante und verlustbringende Geschäfte eingestiegen war.

Sauter war stinksauer, setzte sich frech in eine Pressekonferenz der Staatskanzlei zum Thema LWS-Affäre, nannte Stoibers Argumente dort laut vernehmlich „Schafscheiß“ und lehnte sich eine Woche lang gegen seinen Rauswurf auf. „Ich hatte keine Lust, mir sagen zu lassen, ich sei Schuld an der Misere“, sagt Sauter im Rückblick. Und dass er generell keiner sei, „der klein beigibt“. Erst kurz vor der entscheidenden Parlamentssitzung, in der über seinen Rauswurf hätte abgestimmt werden sollen, trat er zurück.

Insgesamt war der Jurist aus dem schwäbischen Günzburg elf Jahre lang Regierungsmitglied in Bayern, ebenso lang – von 1999 bis heute – fungiert er als einfacher Abgeordneter. Er ist Mitglied im Europaausschuss.

Sauters Entree in die bayerische Regierung 1988 verlief zwar nicht so schlagzeilenträchtig, ungewöhnlich war es trotzdem. Der damals 38-Jährige saß zu dieser Zeit für die CSU im Bundestag, in den er 1980 erstmals gewählt worden war. Der seinerzeitige bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß schuf damals das bundesweit erste Europaministerium mit Georg von Waldenfels an der Spitze. Strauß war auf der Suche nach einem Staatssekretär – seine Wahl fiel auf den Bundestagsabgeordneten Sauter. Die CSU-Landtagsabgeordneten sind regelmäßig megagenervt, wenn Regierungsmitglieder berufen werden, die nicht im Landtag sitzen. Schließlich halten sich dort alle CSUler selbst für befähigt. Offenbar hatte der blitzgescheite und politisch mit allen Wassern gewaschene Sauter Eindruck gemacht auf den strengen Strauß. „Er hatte von mir gehört“, sagt Sauter knapp.

Mit Stoiber war er einst befreundet, mit Seehofer ist er das heute noch

Auch Stoiber hatte Sauter geschätzt, die beiden galten als Freunde – bis Stoiber Sauter rüde rauswarf. Eine andere Männerfreundschaft mit einem bayerischen Spitzenpolitiker währt bis heute: Sauter zählt zum handverlesenen Kreis derer, die Bayerns Ex-Ministerpräsident und jetzige Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) gern um sich hat – und um Rat bittet. Die Ministerialen in der Staatskanzlei waren unter Seehofers Regentschaft regelmäßig verzweifelt; sie wären gern öfter mal nach ihrer Meinung zum Regierungshandeln gefragt worden.

Sauter und Seehofer lernten sich in Bonn kennen und schätzen. Beide waren im selben Jahr, 1980, in den Bundestag eingezogen. Seehofer, entsinnt sich Sauter, „hat mich immer beeindruckt, weil er Sachverhalte auf den Punkt bringen kann“. Und weil es „erfrischend und angenehm“ sei, sich mit ihm zu unterhalten. Auch die Familien verstehen sich. Man sieht sich gelegentlich am Wochenende.

Zwei Jahre lang gehörte Sauter der bayerischen Regierung an, ohne Abgeordneter zu sein. Dann, bei der Landtagswahl 1990, kandidierte er als Direktkandidat des Stimmkreises Günzburg, wechselte nach der Wahl als Staatssekretär ins Justizministerium. Von 1993 bis 1999 fungierte er als Baustaatssekretär im Innenressort unter Günther Beckstein – eine schöne Zeit sei das gewesen, schwärmt Sauter. Beckstein habe ihm, dem Staatssekretär, viel Freiraum gelassen. Und ihm auch die Lorbeeren gegönnt, wenn er sich um ein Projekt besonders gekümmert habe. Dazu zählte die Einführung des genehmigungsfreien Bauens, das dann erfolgen darf, wenn sich der Bauherr an einem vorhandenen Bebauungsplan orientiert. Sauter hält sich auch zugute, in Bayern Kreisverkehre eingeführt zu haben.

Leberkässemmeln essen mit Peter Gauweiler

Politisch aktiv ist Sauter seit 1969. Mit 19 Jahren trat er , damals Schulsprecher am Gymnasium Günzburg, in die CSU ein. Nicht ohne sich mit den bildungspolitischen Vorstellungen auch der SPD und der FDP befasst zu haben. Die CSU schien ihm „rational und vernünftig“. Bereits mit 20 Jahren avancierte Sauter zum Kreisvorsitzenden der Jungen Union (JU) in Günzburg. Und schaffte es nach eigenem Bekunden, den dortigen CSU-Kreisverband innerhalb von zehn Jahren von 100 auf 1000 Mitglieder zu vergrößern. Im Jahr 1979 wurde er zum JU-Landesvorsitzenden gewählt.

Sauter entschied sich auch deshalb für das Jurastudium, weil er sich „in Tübingen verliebt“ hatte. Und weil dort die für ihn interessant klingende Fächerverbindung Jura und Politologie möglich war. In Tübingen traf Sauter auf einen politischen Geistesverwandten, der ihn bis heute begleitet: Peter Gauweiler. Die beiden mochten sich, büffelten gemeinsam fürs Examen und verputzten mittags gemeinsam Leberkässemmeln. Tatsächlich sind sich Gauweiler und Sauter durchaus ähnlich: beide mit hellwachem Verstand, rhetorisch begabt, humorvoll, knapp und treffend in der Analyse.

Und so kam es, dass die zwei 1978, nach ihrem Studium, eine Kanzlei in München eröffneten. Sauter war zuständig für Immobilienrecht, Gauweiler vor allem für Strafrecht. 1982 ging man getrennte Wege; Sauter gründete eine Kanzlei mit einem anderen Kollegen und Ehefrau Renate. Gauweiler schloss sich später mit Wolf-Rüdiger Bub in einer Großkanzlei zusammen. Befreundet blieben Sauter und Gauweiler trotzdem. Gauweiler war es übrigens auch, der Sauter nach dessen Rausschmiss aus dem Kabinett beistand. Als Stoibers legendärer Anruf kam, war Sauter in Gauweilers Münchner Kanzlei.

Freizeit? "Kenn ich nicht"

Dass Sauter bei der Landtagswahl 2018, mit damals 68 Jahren, noch mal kandidierte und so jüngeren Hoffnungsträgern wie dem damaligen JU-Chef Hans Reichhart die Chance auf ein Direktmandat vermasselte, passte nicht allen in der CSU. Im Stimmkreis allerdings war man mehrheitlich froh über Sauters Entscheidung. Sauter, heißt es in Schwaben, „löst dort alle Probleme und bringt viel Geld aus München in den Landkreis“. So half der gut vernetzte Sauter mit, den Großinvestor Legoland nach Günzburg zu locken. Der beliebte Freizeitpark eröffnete im Jahr 2002. Jedes Jahr strömen 1,8 Millionen Besucher dorthin – mehr als ins beliebte Schloss Neuschwanstein, das 1,2 Millionen Gäste anzieht. Sauter kämpfte auch dafür, dass der Freistaat in der Amtszeit Seehofer Schulden zurückzahlte.

Sauter wirkt nicht wie ein Gschaftlhuber; ein Workaholic ist er trotzdem. Freizeit? „Kenn ich nicht“, sagt er trocken. Zu seinen Freuden zählen Bergwandern und Knödel essen – wobei der schmale Sauter nur Miniportionen verdrückt. Demnächst wird der Vater zweier Töchter (32 und 34) Großvater. Dass er zum fanatisierten Helikopter-Opa mutiert, ist nicht zu erwarten. Als Enkel-Bespaßer, wiegelt er ab, stünden ohnedies andere Spalier.

Als Vater scheint er im Übrigen einiges richtig gemacht zu haben. Noch immer gibt es gemeinsame Familienurlaube mit den erwachsenen Töchtern, zuletzt am Gardasee. Natürlich nicht wochenlang, man ist ja busy.

Neben seinem Landtagsmandat kümmert sich Sauter derzeit um ein ganz besonderes Projekt: die erneute Zusammenarbeit mit dem Rechtsanwalt Peter Gauweiler. Im Sommer beziehen die beiden eine schicke neue Kanzlei in exquisiter Lage am Münchner Lenbachplatz.
(Waltraud Taschner)

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